Trend bei Jugendbüchern: Geschichten für jedes Lebensgefühl

Die Autorin Christine Fehér verrät, was ein gutes Jugendbuch ausmacht

Hamburg, 5. März 2008. Auf der Leipziger Buchmesse konkurrieren auch in diesem Jahr wieder unzählige Jugendbücher miteinander. Worin aber liegt der Zauber von Büchern wie Tintenherz oder Harry Potter, die die Umsatzkurven regelmäßig in die Höhe schnellen lassen? Welches Lesefutter lässt Kinder am ehesten zu Leseratten und Bücherwürmern heranwachsen? „Kinder und Jugendliche suchen in Büchern immer auch ein Stück Orientierung für ihr eigenes Leben“, weiß die Jugendbuchautorin Christine Fehér aus den Briefen ihrer jungen Fans. Wer junge Menschen zum Lesen bringen will, sollte beim Bücherkauf Romane mit Identifikationspotenzial auswählen. Diesen Trend sieht auch der „Branchen-Monitor Buch“: In den letzten Jahren reüssieren Romane, die besonders gut „an das Lebensgefühl der Jugendlichen anknüpfen.“ Fehér lernte ihr Handwerk in einem Fernlehrgang der Schule des Schreibens, die schon viele Autoren auf dem Weg vom Hobbyschreiben zum Berufsschriftsteller begleitet hat. Inzwischen ist sie mit realitätsnahen Themen auch international erfolgreich: Ihr Buch „Dann bin ich eben weg – Geschichte einer Magersucht“ wurde bereits zehnmal aufgelegt und sogar ins Koreanische übersetzt.

Themen, die junge Menschen bewegen

„Trotz Medienflut und elektronischer Reize: Kinder lieben Geschichten“, ist sich Fehér sicher. Durch Bücher können sie eigene Filme im Kopf entstehen lassen und auch mal zur Ruhe kommen. „Jugendliche lieben Romane, in denen ihre Helden Dinge tun, die sie sich selbst nie zutrauen würden“, so Fehér. Das gibt Mut, selbst mehr zu wagen und die eigenen Schwierigkeiten zu meistern. Wie wichtig dies Kindern und Jugendlichen beim Lesen ist, erfährt die Autorin oft. So schrieb ihr ein Mädchen, dass sie seit dem Lesen von „Dann bin ich eben weg“ viel besser auf ihre magersüchtige Freundin eingehen könne. Was Fehér auszeichnet: Sie sucht immer wieder den Kontakt zu ihrem Publikum und nimmt seine Belange ernst. Über ihre Internetseite tauscht sie sich mit den jungen Lesern aus: „Ich will wissen, wie sie denken und fühlen, was sie beschäftigt und bewegt.“ Die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen greift Fehér in ihren Geschichten auf. Mit heiklen Themen wie sexuelle Identität oder Teenager-Schwangerschaft geht sie auch über den Erfahrungshorizont der Jugendlichen hinaus – und gibt ihnen die Möglichkeit, beim Lesen zu wachsen. „Bücher können Jugendlichen helfen, Mut und Toleranz zu entwickeln. Aber das funktioniert nur in einem liebevollen Umfeld“, betont die Autorin. Gerade schwierige Themen müssen die Leser mit ihren Eltern reflektieren können.

Auslassungen regen zum Nachdenken an

„Viele Jugendbücher sind so toll geschrieben, dass man beim Lesen vergisst zu atmen“, sagt Fehér, die gern selbst in Büchern für junge Leser schmökert. „Gute Jugendbücher sind aufs Wesentliche reduziert, ohne langatmige Beschreibungen oder komplizierte Sätze.“ Einfach abtauchen und sich mitreißen lassen – das muss ein Buch dem jungen Leser ermöglichen. Denn während sich Erwachsene durch 50 langweilige Seiten ‚kämpften’, klappten Jugendliche das Buch schnell wieder zu, wenn die ersten Seiten sie nicht packen. Im schlimmsten Fall nehmen sie so bald nicht wieder ein Buch zur Hand. Fehér will auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken anregen – ohne erhobenen Zeigefinger. Denn ein Text muss Platz zum Denken lassen, um ihn fruchtbar für die eigene Lebenswelt zu machen. Oft berichten ihre Fans, dass sie die Bücher innerhalb von zwei Tagen verschlingen – obwohl sie sonst eigentlich ungern lesen.

Vom Traum zum Beruf

Was die Autorin beim Bücherkauf rät, berücksichtigt sie auch in ihren eigenen Romanen. Mit Erfolg: „Die Abgabetermine meiner Manuskripte liegen immer enger beieinander.“ Die Jugendbuchautorin kommt inzwischen fast nicht mehr dazu, die Lehrmaterialien ihres zweiten Fernlehrgangs zu bearbeiten. „Zum Glück ist die Schule des Schreibens nachsichtig mit mir“, gesteht Fehér. Sobald es wieder einen Leerlauf zwischen zwei Manuskript-Terminen gibt, will sie erneut in den Lehrgang einsteigen, denn: „sich weiterzubilden ist immer gut!“ Dazu wird sie jedoch nicht so bald Zeit finden: Gerade erscheinen die beiden ersten Bände ihrer neuen Kinderbuchreihe „Marie“, und schon im Juni soll ein neues Jugendbuch folgen. Christine Fehér hat es geschafft: Der Traum vom Schreiben ist zum Beruf geworden. Mit viel Gefühl für die Belange der Jugendlichen – und einer professionellen Ausbildung.

 

Pressekontakt:

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