"Mein Buch gewann als bester Debüt-Roman..."

Michael Romahn ist 45 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Harsefeld. Von ihm erschienen bereits „Am Ufer der großen Seen“ im Knaur/Droemer Verlag sowie sein zweiter Roman „Rückkehr nach Campbell River“. Hier erzählt er von seinen Erfahrung mit der Schule des Schreibens und seinem Weg als Autor.


Wie sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen?

Es mag seltsam klingen, aber ich wollte einfach mal ausprobieren, wie es ist, einen Roman zu schreiben. Meine erste Geschichte handelte von einem jungen Iren, der zur Goldgräberzeit nach Amerika auswanderte, um dort sein Glück zu suchen!

Und damit hatten Sie gleich Erfolg?
Nein, leider nicht. Vorgedruckte Standard-Absagen waren die logische
Konsequenz. Ich startete einen zweiten Versuch, doch auch dieses Manuskript
scheiterte.

Das hat Sie aber nicht entmutigt...?
Nein, aber ich musste mir eingestehen, dass mir einfach das notwendige Basis-Wissen fehlte, um einen erfolgsversprechenden Roman zu schreiben. Ich musste mich also entscheiden: Entweder den Traum vom eigenen Buch aufgeben, oder mir das notwendige Wissen aneignen. Aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Ich entschied mich schließlich für ein Fernstudium der Belletristik an der Schule des Schreibens.

Wie gefiel Ihnen das Studium insgesamt?
Einer der größten Vorteile eines Fernstudiums ist natürlich die freie Zeiteinteilung. Mit ein wenig Disziplin ist der Lehrstoff zeitlich sehr gut zu bewältigen. Die monatlichen Studienhefte waren sehr übersichtlich und logisch aufgebaut. Sehr gefallen hat mir auch das kostenlose Lektorat eines eigenen Romans am Ende des Studiums. In meinem Fall war es die erste Version von 'Am Ufer der Großen Seen'!

Dann ist Ihr erster Romanerfolg ja schon während des Studiums entstanden. Welche Rolle hat Ihr Abschluss an der Schule des Schreibens dabei gespielt, das Schreiben ernsthaft aufzugreifen?
Der Abschluss war eigentlich nicht entscheidend. Wer 24 Monate beim Studium dabei bleibt, hat ohnehin schon bewiesen, wie ernst es ihm mit dem Schreiben ist. Es war eher der feste Glaube an mich selbst, dass ich mir meinen Traum, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, irgendwann erfüllen werde.

Wie bilden Sie sich als Autor neben der Ausbildung an der Schule des Schreibens weiter fort? Haben Sie z.B. schon mal an einem Schreibzirkel teilgenommen?
Die Zeit ist eines der größten Probleme, die ich habe, da ich die Schriftstellerei immer noch in meiner knapp bemessenen Freizeit betreibe. Neben meinem Beruf und meiner Familie bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit. Wenn ich nicht schreibe, lese ich ein gutes Buch oder recherchiere für eines meiner nächsten Projekte. Außerdem lese ich regelmäßig als Mitglied der BvjA die 'Federwelt' und die Literatur-Newsletter 'The Tempest'.

Ihr erster Roman „Am Ufer der großen Seen“ erschien 1999 bei Bertelsmann. Wie ist es dazu gekommen?
Club Bertelsmann hatte damals einen Wettbewerb ausgeschrieben, den 'Großen Romanpreis'. Ich habe mit 'Am Ufer der Großen Seen' teilgenommen und es wurde schließlich als bester Debüt-Roman gekürt. Der Preis war eine Buchveröffentlichung.
Die Zweitrechte an dem Roman 'Am Ufer der Großen Seen' hat sich später der Knaur-Taschenbuch-Verlag erworben. Vor einigen Tagen ist eine Sonderausgabe des Buches erschienen. Es ist bei Amazon.de oder in jedem Buchladen zu bekommen.

Was hat Ihre Familie zu Ihrem ersten Romanerfolg gesagt?
Ich glaube schon, dass sie ein wenig stolz sind. Stolz darauf, dass ich mir meinen Traum erfüllt habe, obwohl kaum jemand daran glaubte. Wer, wie meine Frau, die ersten Schreibversuche von mir mit verfolgt hat, konnte allerdings auch nicht zwingend davon ausgehen, dass es jemals soweit kommen würde.

Ihr zweiter Roman „Rückkehr nach Campbell River“ erschien gerade. Wie entstand die Idee zu diesem Buch?
Ideen für neue Geschichten findet man überall. In Zeitungen, im wahren Leben, oder wie in diesem Fall beim Musikhören. Eines Tages hörte ich den Song 'John Doe No.24' von der amerikanische Songwriterin Mary Chapin Carpenter an. Es ging um einen Jungen, der völlig verwahrlost von der Polizei aufgegriffen wurde. Niemand weiß, woher er kommt, und wie er heißt und was für ein Leben er bislang gelebt hat. Er selbst schweigt, warum auch immer. Sie geben ihm den Namen 'John Doe' und die '24' besagt lediglich, dass er der 24. Mensch ist, den man in diesem Zustand aufgreift. Ich hörte den Song immer und immer wieder und je öfter ich ihn hörte, desto klarer wurde die Geschichte, die ich erzählen wollte. Die Idee für mein Buch 'Rückkehr nach Campbell River' war geboren.

Beide Romane spielen in Nordamerika. Sie scheinen eine besondere Beziehung zu Nordamerika zu haben. Was fasziniert Sie so?
Meine Frau und ich lieben es, mit dem Wohnmobil durch die Staaten zu touren. Die unendliche Weite, die Menschen, das Gefühl von Freiheit, das alles fasziniert uns. Klar, dass ich diese überwältigenden Eindrücke auch in meine Bücher einfließen lassen wollte. Ich benutze die Landschaft, das Wetter, ja selbst die Farbe des Himmels, um Stimmungen zu erzeugen, die für meine Geschichten von großer Bedeutung sind. Wenn Sie 'Am Ufer der Großen Seen' gelesen haben, wird Ihnen klar, was ich meine. Die Geschichte wäre in Deutschland nicht umsetzbar gewesen. Ähnlich verhält es sich mit 'Rückkehr nach Campbell River', das an der Westküste Kanadas spielt.

Wie lange haben Sie an beiden Romanen geschrieben?
Für einen Roman, von der Idee bis zur Fertigstellung, brauche ich ungefähr ein Jahr.

Wo schreiben Sie am liebsten?
In meinem kleinen Sommerhäuschen, das ich mir vor ein paar Wochen in den Garten gestellt habe, oder auf der Terrasse bei einem kühlen Getränk! Ich schreibe ohnehin alles zunächst per Hand und tippe es erst später in den Computer. Das Schreiben vermeide ich allerdings während meiner Reisen durch die Staaten. Dort entstehen zwar eine Vielzahl von Ideen, Dialoge oder einzelne Szenen, aber ich mache mir nur kurze Notizen, um nichts zu vergessen und setze sie um, wenn ich wieder zu Hause bin.

Was macht Ihnen am Schreiben am meisten Spaß?
Zwei Dinge fallen mir spontan ein.
1. Das Entwickeln des Plots und der Protagonisten. Es ist immer wieder spannend, ob man es schafft, die idealen Figuren für seine Geschichte 'zu erschaffen', ihnen ein eigenständiges Leben einhauchen. So wie 'Sarah'. Ich glaube, sie passt perfekt in die 'Ufer'-Geschichte.
2. Das Recherchieren, weil es unglaublich lehrreich und für einen guten Roman unerlässlich ist. Während der Vorbereitungen zu 'Rückkehr nach Campbell River' habe ich mich zum Beispiel intensiv mit der Krankheit Alzheimer und dem Verhalten der Orca-Wale auseinander gesetzt. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wie der Ort 'Campbell River' Anfang der 60er Jahre aussah. All das war nicht so einfach, aber ich glaube, es hat sich gelohnt.

Was tun Sie, wenn Sie beim Schreiben mal nicht so vorwärtskommen wie Sie wollen?
Dann lege ich den Stift einfach beiseite, spiele mit meiner Tochter, lese oder recherchiere für andere Projekte. Irgendwann fällt die Schreibblockade von ganz allein und wenn nicht, dann war das Projekt, an dem ich gerade arbeitete ohnehin nicht so gut, dass es sich lohnen würde, weitere Zeit damit zu vergeuden.

Gibt es ein besonderes schriftstellerisches Vorbild in Ihrem Leben?
Ich lese gern die Bücher von Ernest Hemingway, Robert Olmstead und Robert James Waller. In meinem Bücherregal stehen aber auch Werke von Nicholas Sparks und Ethan Hawke. Vorbilder würde ich sie allerdings nicht nennen. Jeder sollte versuchen, seinen eigenen Stil zufinden.

Sie haben ja auch einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Warum kommen Sie immer wieder zum Roman zurück?
Eine Kurzgeschichte ist meist nur eine Momentaufnahme, und stellt ein relativ kurzer Abschnitt im Leben dar. Bei einem Roman ist die Bandbreite, in der sich meine Protagonisten bewegen, viel größer. Ich kann sie leben und erleben lassen, während man in einer Kurgeschichte wesentlich schneller zum Punkt kommen muss.
Die Kurzgeschichten entstehen meistens aus Ideen, die vom Umfang her nicht für einen längeren Roman ausreichen würde. Vielleicht habe ich irgendwann das Glück, dass sich ein Verlag zur Veröffentlichung eines Erzählbandes entschließt. Mal schauen, was draus wird.

Wie sehen Ihre Zukunfspläne aus? Sind weitere Romanprojekte in Planung? Haben Sie mal daran gedacht, auch mal einen Krimi zu schreiben?
Zur Zeit bin gerade bei der Überarbeitung meines dritten Buches. Es spielt dieses Mal in New Orleans und handelt von María,einer jungen Mexikanerin, die aus ihrer Heimat flüchten musste und dem unbedeutenden Koch Frankie, der dem Traum von einem eigenen Lokal nachjagt. Der Roman handelt von scheinbar unerfüllbaren Träumen und der unerschütterlichen Hoffnung auf ein besseres Leben. Ich hoffe natürlich, dass ich den Knaur-Verlag auch für diesen Roman gewinnen kann.
Ich habe tatsächlich schon einen 'echten' Krimi geschrieben. Er spielt in Ligurien, genauer gesagt in der Cinque Terre. Aber er schlummert noch in der Schublade und wartet darauf, überarbeitet zu werden. Mal schauen, wann ich die Zeit dafür finde.

Welche Bedeutung kommt Schreiben heute in Ihrem Leben zu?
Für mich ist das Schreiben eine Art Flucht vor dem hektischen Leben, das wir alle in der heutigen Zeit mehr oder weniger führen. Wenn ich in meine Traumwelt eintauche, kann ich sehr gut abschalten und meine Gedanken einfach treiben lassen.
Außerdem lernt man, auch Dank des Internets, viele Leute kennen. Das reicht von einer Schweizerin, die ins kanadische Quebec ausgewandert ist, bis hin zu einer deutschen Familie, die eine Fahrschule auf Vancouver Islands besitzt.

Herr Romahn, wir bedanken uns für das Gespräch.

(Das Interview wurde 2004 geführt.)

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