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Erste Hilfe im Busch

Wir flogen zum dritten Mal nach Kenia. Unsere Koffer waren voll mit Kleidung für unsere schwarzen Freunde. Unter anderem hatten wir auch eine Angelausrüstung für unseren Fischerman mit, wie wir ihn nannten. Am nächsten Morgen nach unserer Ankunft suchten wir ihn am Strand von Diani Beech. Mit staunenden großen Augen packte er die Ausrüstung aus. Ein Jahr zuvor waren wir mit ihm in seinem schmalen aus einem Baum gehauenem Boot bis fast an das Riff gefahren, um zu angeln. Jeder von uns hatte eine Nylonrolle in der Hand, an deren Ende ein Angelhaken befestigt war. Dieser wurde mit Schwung ins Meer geworfen. Als ich nach einigen Malen meinen Haken wieder einziehen wollte, hing er an einem Felsen auf dem Grund fest und, soviel ich auch zog, er löste sich nicht. Der Haken war für ihn so wertvoll, dass er ins Wasser sprang und solange tauchte, bis er den Angelhaken vom Riff frei bekam.

Nun versuchte mein Mann ihm beizubringen, wie man mit einer Rute angelte. Die Schwierigkeit war für ihn die moderne Rolle. Mein Mann erklärte ihm auf englisch, dass er seinen Zeigefinger auf die Schnur halten sollte. Und wenn er den Haken ins Meer wirft, ihn rechtzeitig loslassen muss. Den ganzen Vormittag übten sie und er vergaß immer wieder den Finger zu lösen, und der Wurfhaken platschte kurz vor ihm ins Wasser. Mein Mann zeigte ihm, wie es richtig geht. Dann nickte er eifrig: "Yes, yes, my Finger."

Doch irgendwie wollte es nicht so klappen. Doch wir hatten einen Heidenspaß dabei und seine weißen Zähne blitzten, wenn er lachte. Am Abend beobachteten wir mit einem Fernglas von der Terrasse unserer Cottage, dass er mit seinem Boot draußen war und wieder so angelte wie er es gewöhnt war. Er hatte aber nun viele verschiedene Angelhaken und war damit ein reicher Mann, die er anderen Fischer borgen konnte. Die Haken musste er nun gleich ausprobieren, obwohl sein Boot ein Leck hatte. Zwischen seinen Würfen schöpfte er immer wieder mit einem kaputten Plastikeimer Wasser aus dem Boot. Eines Tages wartete er am Strand auf uns und berichtete uns, dass seine Frau krank sei und ob wir ihr helfen könnten. Er wusste, dass mein Mann ein Medizinmann ist und ich eine Medizinfrau bin. Wir sind beide Heilpraktiker. Er sagte: "Es ist nicht weit weg. Nur ein bisschen weg vom Strand."

Wir verabredeten uns für den Nachmittag um zwei Uhr. Ich hatte über meinen Bikini ein T-Shirt an und Sandalen an den Füßen. Ferner hatte ich ein kleines Täschchen mit meinen Utensilien dabei. So liefen wir los. Wir rechneten mit einem Weg von einer halben Stunde. Als die rum war, fragte ich ihn, ob wir bald da sind. Er zeigte vage ins Land hinein. Mir lief der Schweiß die Stirne und an den Pobacken hinunter. Fischerman lief voraus und sein Neffe machte die Nachhut. Wir gingen auf schmalen Wegen durch den Busch. Immer wieder kamen wir an prächtigen Baobab Bäumen vorbei. Der Baum gilt bei den Afrikanern als heiliger Baum und ist die Wohnstätte guter Geister. Mit der Zeit weitete sich der Busch und wir liefen unter Kokospalmen an roten Lehmhütten vorbei, deren Dächer mit Palmenblätter abgedeckt waren. Vor den Hütten saßen die Männer und riefen: "Jambo, Habari?" Was heißt, hallo, wie geht's.

"Mzuri sana", antworteten wir. Es geht uns gut. Dabei war ich kaputt. Die Kinder des Dorfes trabten im Gänsemarsch hinter uns her. Weiße verirren sich selten in diese Gegend. Die meisten Touristen entfernten sich kaum von den Hotels und so waren wir eine Attraktion. Als wir endlich unser Ziel erreicht hatten, waren zwei Stunden vergangen. Fischermans junge Frau war nicht älter als 16 Jahre, und sie hatte sich nichts anderes als den Fuß verstaucht. Aber sie erwarteten, dass wir etwas taten, das wie ein Wunder sein sollte. Sie sah mich erwartungsvoll und doch ängstlich mit ihren großen dunklen Augen an. Ich ging mit ihr und einer Freundin in die Hütte. In dem kleinen Raum stand nur eine Pritsche, auf der das Ehepaar schlief. Der Lehmboden war mit Kokosmatten bedeckt. Ich schob ihren roten Kanga, ein Wickeltuch, hoch und gab ihr eine abschwellende Injektion und strich ihr mit meinem Therapiestäbchen über die Meridiane, um die Energie zu verteilen. Dies wurde von ihrer Freundin staunend beobachtet. Leider konnte ich mich mit ihnen nicht unterhalten. Sie sprachen nur Suaheli. Und davon beherrschte ich nur einige Wörter. Zu gerne hätte ich mehr von ihr gewusst. Ob sie zufrieden ist mit ihrem Leben und ob sie freiwillig geheiratet hat. Sie sah aus wie eine scheue Antilope, die man in einen Käfig gesperrt hat. Mein Mann suchte inzwischen geeignete Bananenblätter, die er ihr anschließend um den Fuß wickelte und mit Lianen fixierte. Das war unser kenianischer Stützverband. Wir sagten ihrem Mann: "Deine Frau muss sich die nächsten Tage schonen. Sie darf nicht viel laufen."

Damit haben wir ihr wohl das schönste Geschenk gemacht. Denn die Frauen müssen schwer arbeiten. Sie sorgen für Nahrung und das Feuer. Das Trinkwasser tragen sie in großen Bottichen oft kilometerweise auf ihren Kopf durch den Busch. Und das meistens noch barfuss. Wie eine Diva saß sie vor ihrer Hütte und ließ sich von den anderen Frauen ihren Verband bestaunen. Als Dank holte ein wendiger Bursche Kokosnüsse hoch aus den Bäumen herunter. Sie teilten sie in der Mitte, und wir erfrischten uns an der wässrigen Milch, bevor es wieder auf den Rückmarsch ging. Fischerman und Neffe begleiteten uns wieder zurück. Mir lief der Schweiß in Strömen herunter. Durch den Schweiß waren meine Oberschenkel an den Innenseiten wundgelaufen. Bei jedem Schritt brannte meine Haut und wurde wunder. Mein Mann zog seine Shorts aus und gab sie mir. Er lief jetzt in Unterhosen nach Hause. Doch ich konnte nun besser laufen. Diese erste Hilfe wird immer in unserer Erinnerung bleiben.

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