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Italien schien wirklich nicht mein Fall zu sein

Unser erstes gemeinsames Rendezvous stand unter keinem guten Stern: Ich war zwanzig Lenze jung - ein "Backfisch" sagte man damals - und glaubte, den Gipfel der Glückseligkeit erreicht zu haben, als ich mit "Touropa" auf große Fahrt nach Ruhpolding ging. Ein kleiner Abstecher von dort nach Venedig war finanzmäßig drin. Also auf nach "Bella Italia", von dem Catarina Valente unisono mit Silvio Francesco schwärmte, Rudi Schuricke schmalzte und jeder, der schon da war, so euphorisch berichtete.

Meine erste - und letzte - Gondelfahrt endete in einem Fiasko: Aus einem Fenster eines maroden Palazzos übergoss man uns mit einer undefinierbaren Flüssigkeit, die ich später in meinem stickig-heißen Hotelzimmer versuchte, aus meinen Kleidern zu waschen. Bella Italia? Nein danke! Mein Bedarf daran war gedeckt.

Es vergingen über vierzig Jahre, in denen es mich - samt eigener Familie - immer wieder in den Norden zog. Italien ruhte sanft.

Vor 6 Jahren beschloss ich, eine neue Attacke auf Italien zu wagen. Meine Reise in die Toscana wurde ein ähnliches Desaster wie seinerzeit der Venedig-Ausflug. Unsere Reiseleiterin stopfte uns derart mit fotokopierten Daten der Etrusker, Medicis und sämtlicher "artisti famosi" voll, dass mir nur noch der Kopf schwirrte. Ihr schwirrte er auch - allerdings vom guten toskanischen Wein. Die Unterbringung war nicht die beste, eine Angina tat ihr Übriges dazu ... Hatten sich alle italienischen Geister gegen mich verschworen?

Welcher Teufel mich ritt, den Millenniums-Jahreswechsel am Gardasee verbringen zu wollen, weiß ich nicht. Unser Hotel in Palma war super. Das Wetter ebenfalls, nur ich kochte. Diesmal aber nicht vor Arger, sondern weil mein Zimmer brütend heiß war. Als sich die Heizung mit einem Knall verabschiedete, war ich glücklich. Nun durfte ich endlich die Kehrseite der Medaille kennenlernen: es wurde lausekalt.

Der Ausflug nach Sirmione bei 5 Grad minus erschien mir daher vergleichsweise angenehm. Schneidend kalter Wind, aber strahlende Sonne am azurblauen Himmel. Und dann dieses Städtchen! Diese verwinkelten Gassen! Die kleinen Lädchen! Über allem eine südländische Heiterkeit, dies dolce fa niente ... Lag's an meiner Stimmung oder war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Sirmione versöhnte mich mit allem bisherigen italienischen Ungemach. Verona setzte mit einer zauberhaften Fremdenführerin und 10 Grad plus am nächsten Tag noch eins drauf - ich war plötzlich von Italien begeistert. Im Café, in Restaurants und auf der Straße lauschte ich der Sprachmelodie und bedauerte, so wenig - oder besser nichts - davon zu verstehen. Das musste ich ändern! Ich meldete mich zu einem Italienisch-Kurs an.

Nach nur 3 Monaten buchte ich eine Fahrt ins Tessin. Ganz bewusst: Ich wollte meine ersten Sprachkenntnisse ausprobieren. Aber wie viel Überwindung kostete es, die paar Brocken, die ich schon beherrschte, an den Mann bzw. an die Frau zu bringen! Stolz wie Oskar verlangte ich zum ersten Mal in meinem Leben an der Rezeption meinen Zimmerschlüssel mit "quattrocentocinquantadue"! Innerlich klopfte ich mir auf die Schulter: gut gemacht!

Petrus war allerdings der Meinung, er müsste mir wieder das bisher übliche italienische Negativ-Klischee verpassen: Er schüttete an Wolkenbrüchen runter, was die Wolken hergaben. Vier Tage am Stück. Aber wenn er glaubte, er hätte mir damit die Laune vermiesen können ... Ich besaß zwar kein Paar trockene Schuhe mehr, aber dafür konnte ich probieren, mit dem Tabakwarenhändler ebenso zu parlieren wie mit dem Barmann. Es holperte noch ziemlich, aber es gab dadurch immer viel zu lachen. Und Lachen ist völkerverbindend!

Nach 15 Lektionen Italienisch habe ich jetzt die Halbzeit erreicht. Meine Tochter behauptet inzwischen, ich sei süchtig nach meinen Lektionen. Mag sein, aber ein Tag ohne meine "Familie Tosi" aus dem Lehrbuch wäre für mich wirklich ein verlorener Tag. Der Stoff ist logischerweise schwieriger geworden. Ich gebe zu, manchmal habe ich auch schon ganz schön auf die Grammatik geschimpft. Aber Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu werden! Und mit 66 Jahren fängt doch das Leben erst an! Schließlich will ich doch wieder nach Italien und das möglichst bald!

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