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Seegang - seekrank?

Glücklich gelandet auf Zypern. Von Deutschlands eisiger Kälte hatten wir uns verabschiedet. Abenteuerlich sollte es hier werden!
Ab 2. Weihnachtstag war eine Seereise geplant. Lange hatte ich überlegt. Auf´s Meer für drei Nächte? Werde ich seekrank? Der Gedanke versetzte mich in Panik ... "Eine Schiffskreuzfahrt ist sehr erholsam", meinte mein Mann Christoph. "Alles läuft ruhig ab. Moderne Schiffe sind ausgewogen und schwanken nicht ..." Schließlich entschloss ich mich für das Abenteuer "Kreuzfahrt".

Am Abend des 2. Weihnachtstages hieß es "Einschiffen". Ich war mutig. Hatte Traumziele vor Augen. Die Schiffsroute war verführerisch! "Zypern" muss man unbedingt mit einer Seereise nach Israel und Ägypten verbinden. Da ich viel von der Welt sehen wollte, sagte ich mir, Augen zu und durch ... Das Vier-Sterne-Schiff hieß "Gloria". Die Stufen hinauf schienen endlos. Ich war gespannt, kannte ja nur InseIfähren. Mit Kreuzschiffen hatte ich keine Erfahrung ...
Schließlich oben angekommen, begrüßte uns die Schiffscrew herzlich. Von Kapitän bis Schiffsarzt strahlten uns alle entgegen. An der Rezeption lief es wie im Hotel ab. " Einchecken!" Es dauerte. Wie sieht eine Kabine aus? Liegt sie über oder unter Wasser? Hört man den Krach vom Maschinenraum? Werde ich seekrank? Fragen über Fragen. Meine Geduld wurde strapaziert. Wie das "ZDF-Traumschiff" stellte ich es mir nicht vor. Die Empfangshalle sah kaum danach aus.
Endlich! Die Prospekte der Route "Zypern - Israel - Ägypten - Zypern" und den Kabinenschlüssel in der Hand, suchten wir unser Deck.
"Ein Labyrinth", rief ich, "ein Labyrinth!" Alle Lifte waren blockiert. Die Gänge, durch die wir kraxelten, endeten überall und nirgends. Ungeheuerlich, das Traumschiff! Ein großes Restaurant sollte hier sein, Bars und Shops. Also, Kurs auf ...! Endlich, geschafft!
Aufgeregt standen wir vor unserer Kajüte. Schlüssel ins Schloss und auf ... Wie jetzt? Was hatte man uns im Reisebüro erzählt? Phantastische Außenkabinen, paradiesischer Luxusliner? Ich begriff, hier war ich falsch!
"Ich will hier raus!" zischte ich, "raus, weg!"
"Warte doch mal ab", besänftigte mich Christoph.
"In dem Hühnerstall kriege ich Platzangst", schrie ich aufgelöst.
"Reg' dich nicht so auf, Röschen", meinte er, "das wird schon. Du gewöhnst dich dran, alles wird gut", versuchte er zu trösten.
"So eine enge Bude", fluchte ich, "da passt kaum der Koffer rein!" Es half nichts ...
Die Abendessenszeit rückte näher. Auf dem Prospekt las ich, die Mahlzeiten werden in zwei Gruppen eingenommen. Jeder Gast muss pünktlich sein, da nur eine Stunde gegessen werden kann. Auch das noch. Herdentrieb! Da wurden wir per Lautsprecher zum Abendbrot gerufen. Raus aus dem Stall. Das Restaurant suchen. Das gleiche! Alle Fahrstühle, die maximal vier Personen beförderten, waren blockiert. Also Trepp auf, Trepp ab. Suchen, finden ...

Der Speisesaal war festlich geschmückt. Kellner mit Weihnachtsmützen grüßten uns und luden zu Tisch. Okay, ich lächelte wieder. Meine Enttäuschung legte sich. Ein weihnachtlich dekorierter Tisch war für uns gedeckt. Menüwahl hieß es am Weihnachtsabend. Ich war friedlich. Für den Moment jedenfalls.
Plötzlich gab es einen Ruck ... Wir legten ab. Noch konzentrierte ich mich auf mein köstliches Abendbrot. Aber das Schwanken lenkte mich unaufhaltsam ab. Langsam wurde ich panisch. "Was, so soll es weitergehen", dachte ich, "die ganze Nacht? Drei Nächte?" Ich krallte mich Hilfe suchend in die Arme meines Mannes. Er prophezeite mir, unsicher lächelnd, das hört gleich auf. Sein Wort in Gottes Ohr.

Das Abendmahl war schnell vorbei. Wir mussten den Weihnachtssaal verlassen. Gruppe Zwei wollte jetzt essen. Also, taumelnd in die Kajüte zurück ...!
Da glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen! An jeder Tür und in den Gängen hingen weiße Pappbehältnisse. Mein Puls schlug schneller.
"Kotzbeutel", widerfuhr es mir! Ich krächzte wankend: "Was soll das?"
Mein Mann hielt sich kerzengerade und brummelte was von "starkem Seegang". Mit einem "Ohne mich" kroch ich in die Nasszelle. Mini-Dusche und Klosett machten mich rasend. Ich schwankte gegen die Toilette. Raus aus der winzigen Kammer. Gucken, was der "Luxusliner" noch zu bieten hat. Wie erwartet: Überlaute Lifemusik und Tanz in allen Bars. Mir war die Lust verhagelt. Ich wollte keinen Drink. Das gottverlassene Schiff schwankte mörderisch. Ich muss hier raus. Boden unter den Füßen haben ...!
Aber, die Chance war vertan. Wir kreuzten im tiefsten Mittelmeer. Mir war schlecht, schwindlig elend.
Ich suchte den Schiffsarzt. Fand ihn qualmend und Wein trinkend in einer Kammer.
"Can you help me?" bat ich zitternd.
Rauchend fragte er: "Yes please, what can l do for you?"
Kraftlos wimmerte ich: "I have travel sickness!"
Weiter kam ich nicht. Der stinkende Zigarettenrauch gab mir den Rest. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich erbrach im hohen Bogen. Alles schwankte. Ich trat weg ...
Auf einer Liege spürte ich mich wieder. Der Arzt versorgte mich. Mir war kotzübel. Fröstelnd lag ich da. Irgendwie benommen. Zähneklappernd und kaltschweißig. Ich bekam eine Infusion. Taumelte in den Halbschlaf, merkte aber das widerliche Wanken noch immer ...

Am Morgen danach hieß es: auf ins "Holy Land" Israel mit Jerusalem, die Klagemauer, heilige Stätten und Bethlehem. Mir ging es besser. Tapfer, noch geschwächt, aber sehr erwartungsvoll, verließ ich das Schiff. Den Gedanken, abends wieder drauf zu müssen, verjagte ich. Es wurde ein himmlischer Tag im "Heiligen Land". Jesus Christus' Geburts- und Grabeskirche zu sehen!

Noch zwei Nächte verbrachte ich auf der "Gloria". Der Seegang hatte sich gelegt.

Kairo, die Millionenstadt am Nil, das Ägyptische Museum und die Pyramiden von Gizeh bestaunte ich ... Trotzdem, auf ein Kreuzfahrtschiff bringen mich keine zehn Pferde mehr!

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