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Das lief ja wie geschmiert

Richard hielt vor seinem Haus. Nun war Zeit, erstmal Luft zu holen. Und das war dringend nötig. Einmal, zweimal, nein dreimal. So schnell war alles gegangen, er konnte es kaum glauben.

Es sollte doch nur ein Scherz sein, oder besser gesagt, eine Mutprobe. Eine Mutprobe für Erwachsene. Richard, genannt Richi, ging seit kurzem zu einer Therapeutin, er hoffte, damit seine Schüchternheit in den Griff zu bekommen. “Nun, dann machen wir ein so genanntes Selbstsicherheitstraining” hatte sie zu ihm gesagt. “Überlegen Sie mal, was ihnen am allerschwersten fällt.”
Nun, da gab es Verschiedenes, schließlich blieb er beim Banküberfall hängen. Eine Bank überfallen, klar, das war`s. “Wenn Sie sich überwinden, das zu tun, was Ihnen schon gedanklich so schwer fällt” hörte er die Worte seiner Therapeutin “verschwinden die meisten Alltagsängste von selbst.” .Das hörte sich gut an. Richi verbrachte das Wochenende grübelnd und dann stand sein Entschluss fest: Eine Bank sollte es sein.

Er besorgte sich eine Schreckschusspistole, die sah täuschend echt aus, aber war ungefährlich, wie ihm der Verkäufer versicherte. Und dann ging alles ganz schnell. Er ging in die erstbeste Bankfiliale, keiner war dort, nur eine Rentnerin, die gerade vor dem Kassenschalter wartete. Richi schob der Kassiererin seinen vorbereiteten Zettel hin, auf dem stand: ICH SCHIESSE SOFORT WENN SIE ALARM GEBEN. ALLES GELD IN DIESE TASCHE. Und der Rest passierte von alleine. Die Kassiererin starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an, sagte kein Wort und nahm nach kurzem Zögern seine Tasche. Sie öffnete das Geldfach und stopfte, so schnell sie konnte, alles Geld in die Tasche.
Und dann passierte etwas, womit Richi nicht gerechnet hatte. Es war, als ob ein anderer die Führung über sein Tun übernahm. Er nahm die Tasche, zeigte mit der Pistole einmal auf beide Frauen und sagte mit kurz angebundener Stimme: “Kein Wort, Sie bleiben hier stehen, bis ich zur Tür raus bin. Und zwar zehn Minuten lang. Sonst” und er sah auf das Namensschild vor der Kassiererin “sonst werden Sie, Frau Winter nicht mehr lange Freude an ihrem Leben haben.”

Er verliess die Filiale, setzte sich in sein Auto und fuhr davon. Offensichtlich hatten sich die beiden Frauen an seine Anweisungen gehalten, denn er wurde nicht verfolgt, hörte kein Polizeiauto um die Ecke fahren oder ähnliches.
“So” sagte er zwei Tage später zu seiner Therapeutin Frau Marjan “so, das hätten wir. Ich habe meinen Auftrag erledigt.” Und er stellte die prall gefüllte Tasche auf den Tisch.
“Welche Aufgabe?” stammelte sie, denn sie wusste nicht, worum es ging, gleichwohl spürte sie den Ernst der Lage.
“Nun” sagte Richi “ich habe das Schwerste getan, was ich mir vorstellen konnte, ich habe eine Bank überfallen.”
“Sie haben was?”
“Eine Bank habe ich überfallen. Und dann klappte alles so gut, wie ich nie gedacht hätte. Meinen zweiten Zettel, auf dem stand, dass alles nur ein Scherz ist, habe ich vergessen abzugeben und nun habe ich eine Tasche voll mit Geld.”
“Aber Herr Rückling, wir waren doch noch gar nicht so weit. Ich habe nicht gesagt, dass Sie das auch tun sollen. Sie sollten sich nur bis heute überlegen, was für Sie die schwierigste soziale Situation ist, die Sie sich vorstellen können. Alles weitere wollte ich heute mit Ihnen besprechen.”
“ Das hat sich wohl erübrigt.”
“Und was tun Sie jetzt mit dem Geld?”
“Nun, das ist Ihr Problem” sagte Richi, “mir ging es nur darum, meine Ängste los zu werden.” Und er stand auf, liess die Tasche auf dem Tisch von Frau Marjan stehen und fühlte sich plötzlich sehr, sehr leicht. Pfeifend verliess er das Haus. Das war ja wirklich prima gelaufen. Frau Marjan hatte recht gehabt: Seine Ängste waren weg, wie weggeblasen. Ihr verblüfftes, ratloses Gesicht blieb ihm noch lange in Erinnerung, genauso wie eine Zeitungsnotiz, die er zwei Tage später in der hiesigen Zeitung fand:” Die Polizei steht vor einem Rätsel. Nachdem am Montag die Mosdorfer Bankfiliale überfallen wurde und vom Täter bislang keine Spur zu finden war, wurde in der gleichen Bankfiliale, von den Angestellten unbemerkt, eine Tasche abgestellt, in der genau die Summe war, die bei dem Überfall erbeutet wurde. Sachdienliche Hinweise zu diesem Vorfall erbittet die Polizei von der Bevölkerung.”

Richi lächelte, nun hatten die ein Problem, er jedenfalls war seines los.

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