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Afrika, Jungbrunnen der Weltmode
Es scheint, dass Afrika vor allem als unerschöpfliches Ideenreservoir für clevere Amerikaner und Europäer herhalten muss: Wer Picasso, Modigliani oder Joan Miró liebt, wird nach einem Besuch in Zentralafrika staunend feststellen, dass die Masken, Fetische und Skulpturen des schwarzen Kontinents bereits vor Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, von ähnlich revolutionärer Ästhetik waren wie heute. In der Musik geschah Vergleichbares: Louis Armstrong, Ella Fitzgerald oder Lionel Hampton lösten das Jazzfieber aus, das ohne das afrikanische Erbteil kaum denkbar ist und dennoch als Inbegriff amerikanischer Kultur gilt. Und in unseren Tagen nehmen wir schöpferische afrikanische Musiker wie Youssou N’Dour oder Cesaria Évora zur Kenntnis und entdecken ihre Heimat als Wiege einer aufregenden Klangwelt, ohne die die international gefeierte “Worldmusic” wohl kaum das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätte. Afrika erobert die Laufstege Es gibt jedoch inzwischen eine aufstrebende Generation von ebenso stilsicher wie innovativ arbeitenden afrikanischen Modemachern, z.B. Oumou Sy, Alphadi oder Joël Andrianomearisoa, von denen man aus erster Hand erfahren kann, wo die afrikanische Ästhetik heute steht und wie sie von der Welt gesehen werden will. Ihr Rohstoff sind Formen und Materialien unterschiedlichster Provenienz, die sie zu einer bestechenden Synthese von überraschenden und spannungsvollen Gegensätzen vereint. Körbe und Kalebassen Die 1952 geborene Senegalesin entwirft neben Haute Couture und “Prât a Porter” auch Schmuck und andere Accessoires und beherrscht verschiedenste Techniken des Färbens, Webens und Stickens. Dabei ist die durch eine Fülle von witzig-ironischen Kreationen hervorgetretene Künstlerin Autodidaktin, gleichwohl unterrichtet sie an der renommierten Pariser “Ecole des Beaux Arts” und leitet ein eigenes Atelier sowie ein Internet-Café. Daneben entwirft Oumou Sy auch Kostüme und Ausstattungen für Theaterinszenierungen und Filme afrikanischer Regisseure wie Djibril Diop-Mambéty, Ousmane Sembène oder Idrissa Ouédraogo. Haute Couture in der Wüste Alphadi absolvierte seine Ausbildung in Paris und in Washington. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1987 von der “Fédération de la Couture et du Prêt a Porter” in Paris den “Oskar” als bester afrikanischer Modeschöpfer. Um die kulturelle Eigenständigkeit Afrikas zu betonen, hob Alphadi im November 1998 erstmals ein Internationales afrikanisches Modefestival in Agadez aus der Taufe, einer Oase inmitten der Wüste. Auch auf dem Anschlussfestival in Niamey im November 2000 präsentierten Modeschöpfer aus aller Welt ihre Kollektionen. Wunderkind aus Madagaskar Der Mut zum Experiment mit unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Metall, Stein und Kunststoffe, die man eher mit Bildhauerei als mit Mode assoziiert, sind typisch für seine Arbeitsweise. Abstrakte Schnitte, auch in reinem Schwarz oder Weiß, verführen zu kühnen Modellen, die auf Performances und Happenings präsentiert werden. Das Studium an der Akademie seiner Heimatstadt Antananarivo nahm Joël Andrianomearisoa bereits im Alter von zwölf Jahren auf. Später folgte dann noch ein Aufbaustudium in Paris und sogar eine Zusatzausbildung in Architektur. Mit gerade achtzehn Jahren führte er seine ersten Kreationen vor, und aufgrund seiner Fantasie und Kreativität entstand danoch eine Fülle von Aufsehen erregenden Kollektionen. Auch für das Theater sowie für Film und Fernsehen entwarf Joël Andrianomearisoa Kostüme und Bühnenbilder, inszenierte im Jahr 2000 Performances im “Centre Pompidou” sowie im “Musée d’Art Moderne” der Stadt Paris. Selbstbewusst gegenüber dem Westen Vielleicht war es ein Segen, dass Afrika erst jetzt auf der Bühne der Weltmode in Erscheinung getreten ist, denn es wird deutlich, dass sein Potential nicht nur gänzlich unverbraucht, sondern auch von enormer Vielfalt ist. Schließlich liegen Länder wie Senegal, Madagaskar oder Niger Tausende von Kilometern auseinander und weisen trotz vieler Gemeinsamkeiten so viele individuelle Züge auf, dass die Gefahr einer raschen kreativen Erlahmung kaum droht. Die Gratwanderung zwischen Tradition und Vision, zwischen Perlen und Plastik, zwischen Sand und Seide bleibt stets eine sinnliche Entdeckungsreise, zu der sie ihre europäischen Freunde und Bewunderer verführen möchten und bei der ein Ende noch lange nicht abzusehen ist. |
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