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Wer bleibt zum Frühstück?

Mein lieber Schwan. Da hatte ich mir ganz schön was eingebrockt.
Ich hatte leichtsinniger Weise einen Nebenjob bei einem Verlag angenommen. Ich wollte in meiner Freizeit noch etwas nebenbei verdienen und mich gleichzeitig weiterbilden. Ständig auf Männersuche zu gehen brachte mir nichts außer Frust. Und wenn man erst nach dem Traummann sucht, findet man ihn ja doch nicht. Sagt man jedenfalls. Also beschloss ich, dass Kapitel “Mann” abzuhaken und mich Sinnvollerem zu widmen.
Ich war ziemlich gefrustet mit meiner ganzen Situation und wollte etwas Neues beginnen. Ich selbst hätte nicht gedacht, dass es mit 29 Jahren noch so schwierig wird, einen Mann beziehungsweise Lebensabschnittsgefährten (LAG) zu finden.
Aber das letzte, überzeugende Argument für diesen Job bekam ich von meiner Mutter.
Als ich an einem Sonntag mit meiner schlechten Laune meine Eltern besuchte, meinte meine Mutter auf einmal:
“ Jeder Topf findet mal seinen Deckel. Aber es gibt auch Milchtöpfe, die brauchen keinen Deckel!"
Meine Mutter wusste ja gar nicht, was sie mit diesem Spruch anrichtete.
Danke, ich komme auch allein zurecht.
Von nun an zählte ich mich zu den Milchtöpfen. Die haben am Topfrand einen extra Ausguß, aber ansonsten existierten sie ohne Deckel. Auf deutsch: Die kriegt auch keinen mehr ab!
Völlig deprimiert erzählte ich am nächsten Tag meiner Freundin die “Milchtopftheorie” meiner Mutter. Alexandra lachte sich erst mal kaputt, da sie selbst auf Männersuche war. Aber letztendlich meinte auch Sie, dass sei ja hammerhart und nicht sehr aufbauend von meiner Mutter.
Vor lauter Frust gründeten wir die “MTP”: die Milchtopfpartei.
Wir heiteren uns gegenseitig auf, wenn unsere Laune am Tiefpunkt angelangt war, führten stundenlange Telefonate und stellten Gebote auf, die man als Milchtopf unbedingt beachten musste.
Eines der obersten Gebote lautete:
Gehe niemals ungeschminkt im Supermarkt einkaufen. Selbst, wenn es nur zehn Minuten dauert. Garantiert sind gerade dann alle gutaussehenden Männer unterwegs oder du triffst eine Bekannte, die aussieht, als wolle sie an einem Modelwettbewerb teilnehmen und nicht im Supermarkt einkaufen. Folglich bekommt man schon einen mitleidigen Blick zugeworfen.
“ Du siehst aber blass aus. Geht s dir gut ?”, ist dann noch der schlimmste Satz, der folgen kann.
“ Danke, ich kann nicht klagen !”, lautete dann meine Antwort. Denn einem Milchtopf geht es nach außen hin niemals schlecht. Es braucht ja nicht immer jeder wissen, wieweit man in Sachen “Deckel” voran kommt oder eben auch nicht.
So ging die Zeit ins Land. Uns Milchtöpfe gab es immer noch. Auch die ersten Frühlingsgefühle konnten an unserem Zustand nichts ändern. Mitunter lernten wir hier und dort einige “Deckel” kennen, aber richtig passten sie dann doch nicht auf unseren Topf.
Die eine Sorte Deckel wird nach dem zweiten Tag des Kennenlernens schon zu lästig durch ständige Anrufe. Außerdem meinen Deckel oftmals, schon das kommende halbe Jahr vollständig durchzuplanen, ohne auch nur im geringsten darauf zu achten, was man überhaupt für Interessen als Milchtopf hat.
Die andere “Deckelsorte” ist am Anfang ziemlich charmant und glänzt durch gutes Aussehen. Sie wirken supernett und geben sich die größte Mühe (was aber noch lange nicht heißt, dass sie ernsthaft nach einem Milchtopf Ausschau halten).
Haben sie den Topf erst mal richtig inspiziert, fallen sie sofort durch konsequentes Nichtmelden auf. Manche Deckel widersprechen sich auch indem was sie sagen und was sie tun. Da kommen Deckel von sich aus auf die Idee, man könnte ja mal Händchen halten, wenn ein Psychothriller am Fernsehen kommt. Im gleichen Atemzug bekommt man aber in den Topf geschüttet, dass ein Deckel lieber für sich ist und keine Topf braucht. Na bitte!
Bei dieser Deckelsorte wird man als Milchtopf zwar oft zu Hause besucht und hat einen schönen Abend. Aber man wird nie, oder nur ganz selten das Vergnügen haben, mit diesem Deckel zusammen in die Öffentlichkeit zu gehen. Falls es aber doch dazu kommt, dass man zusammen eine Kneipe betritt, achten die meisten Deckel darauf, dass genügend Abstand zu uns Milchtöpfen vorhanden ist. Nicht, dass noch andere Milchtöpfe auf die Idee kommen, Topf und Deckel hätten sich gefunden.
Es ist also äußerst schwierig, dass passende Stück zu finden. Es gibt natürlich noch viele verschiedene Deckelsorten. Da wäre noch die Sorte Deckel, die ihren Topf bereits gefunden hat, aber immer wieder von neuem Ausschau hält nach anderen, vielleicht frischeren, interessanteren Milchtöpfen. Nach dem Motto: Mal sehen, was dieser Topf für Überraschungen parat hält.
Auch mit dieser Sorte machte ich bereits Bekanntschaft.
Zuerst wird ganz verschwiegen, dass m(M)an(n) bereits seinen Topf gefunden hat. Dann, nach dem zweiten oder dritten Treffen rücken sie raus mit der Sprache.
“ Ach so, na klar. Wie konnte es auch anders sein,” dachte ich mir. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sich mal ein wirklich gutaussehender, in dem Fall Polizist, für mich interessierte. Zusätzlich erzählte er noch, er arbeitete beim Sondereinsatzkommando und ich könnte nur seine Diensthandynummer bekommen.
Wusste ich doch, die Sache hatte einen Haken.
Und nach diversen sms bekam ich dann mitgeteilt:
“ Da meine Freundin Wind von der Sache bekommen hat, dürfte ich doch bitte nur noch zwischen 7.00 Uhr und 17.00 Uhr Werktags mailen, da wäre er im Dienst.
Also gut. Somit war das Kapitel “Sondereinsatzkommandodeckel” auch erledigt. Das hatte ich wirklich nicht nötig, da er keine Anstalten machte, seine Freundin wegen mir zu verlassen.

Kurz und bündig: Das Leben eines Milchtopfs grenzt manchmal hart ans Überlebenstraining. Manchmal passiert wochenlang nichts. Dann wieder, melden sich mehrere Deckel gleichzeitig und es geht zu wie auf der Achterbahn. Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. Langweilig wird es nie.
Ein von weiblichen Milchtöpfen beliebter Spruch aus dem Film: “Ein unmoralisches Angebot” lautet:
“ Wenn du etwas wirklich liebst, musst du es gehen lassen. Kommt es dann zu dir zurück, gehört es dir für immer!”
Aber auch hier musste ich feststellen: Das Leben ist kein Kinofilm.
Eine sehr schöne Zeit erlebte ich mit einem elf Jahre älteren Deckel. Er sah sehr gut aus, war gebildet und mit ihm erlebte ich viele neue, kulturell interessante Dinge. Von Deckelrost keine Spur. Er betonte zwar immer, er wolle keine Beziehung, aber letztendlich waren wir doch über zwei Jahre zusammen. Dann, am Rosenmontag tat es einen Riesenknall und wir trennten uns. Für mich brach eine Welt zusammen. Meiner Meinung nach, hatte ich alles getan, damit wir uns so oft wie möglich sehen konnten. Leider wohnten wir 150 km auseinander. Zum Schluss war meistens ich es, die zu ihm fuhr. Aber es war mir egal. Die Fahrerei auf der Autobahn nahm ich für Dirk, so hieß mein Deckel, gerne in Kauf. Als es dem Ende entgegen ging, stellte ich mir jedoch öfters die Frage: Bin ich überhaupt erwünscht ?

Nach unserer Trennung ging es mir sehr lange sehr schlecht. Ich kam überhaupt nicht damit zurecht und fühlte mich zum ersten mal so, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Dirk war mein absoluter Traumdeckel. Ein halbes Jahr lang lebte ich dann so vor mich hin und lernte die verschiedensten Deckel in meiner Heimatstadt kennen. Leider war kein passender für mich dabei.
Aber gerade dann, als ich von meinem Deckel “Dirk” endlich richtig loskam, fing er wieder an und meldete sich. Ich war natürlich sofort happy und schwebte auf Wolke sieben (der Spruch aus dem Film: Ein unmoralisches Angebot fiel mir wieder ein).
Zuerst waren die Abstände, an denen wir uns trafen recht groß. Aber dann, im Herbst sahen wir uns fast jedes Wochenende und hatten eine zweite, wunderschöne Zeit. Als mein erneuter Traumdeckel dann auch noch eine Stelle als Lehrer in der Nähe meiner Heimatstadt antrat, schien das Glück für mich perfekt.
Die Silvesterfete 2001 war auch super. Wir tranken Feuerzangenbowle und zusammen mit mehreren seiner Kumpels verbrachten wir eine schöne Nacht.
Den 1. Januar 2001 verbrachte ich mit meinem Deckel komplett “im Herd”. Das Wetter war schlecht, was sollten wir auch anderes machen. Und müde waren wir sowieso.
Doch dann, Ende Januar änderte sich die Zeit des Verliebtseins rapide. Irgendwie passte das Topf-Deckel-Verhältnis nicht mehr. Ich musste plötzlich wieder öfters ohne Deckel auskommen. Angeblich war der Stress in der Schule sehr groß. Da mein Deckel Lehrer war, hatte er auch am Wochenende viel zu tun. Arbeiten korrigieren und Unterricht vorbereiten. Da ich ein sehr verständnisvoller Milchtopf war, machte ich mir zunächst keine Gedanken.
Der ganze Stress dauerte dann circa vier Wochen. Anschließend eröffnete mir mein Deckel Dirk, dass es nicht n u r der Stress war, warum er keine Zeit mehr für mich hatte.
Seine Arbeitskollegin, auch auf Deckelsuche, war ziemlich verliebt in ihn und er wohl auch in sie. Ich ließ den Telefonhörer sinken und dachte, ich müsste mich übergeben.
Aber es kam noch schlimmer. Nicht nur, dass mein Deckel eine andere hatte, sondern zu allem Überfluss war der neue Topf von ihm auch noch acht Jahre älter wie er. Da Dirk ja schon 40 ist, musste S I E ja schon 48 sein. Um Himmels willen. Ich dachte immer, Dirk stünde eher auf jüngere Milchtöpfe, die noch nicht so “angerostet” und “verbeult” waren.
Aber da S I E eben ein Haus, zwei Kinder und einen Hund hatte, konnte ich natürlich nicht mehr mithalten.
Wieder brach eine Welt für mich zusammen und diesmal war es noch schlimmer. Mein Deckel war doch freiwillig zu mir zurückgekommen. Und dann so was. Ich war bitter enttäuscht und wollte mit Deckeln jeglicher Art nichts mehr zu tun haben.
Von nun an genoss ich mein Milchtopfleben in vollsten Zügen. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte fuhr quer durch Deutschland und sah mir die verschiedensten Städte an.
Zwischendurch machte ich mir zwar so meine Gedanken, warum alles so kam, wie es kommen musste.
Denn s o hässlich bin ich nun auch wieder nicht. Ich hatte keine Abartigkeiten an mir und glaube doch, relativ umgänglich zu sein. Von vielen Deckeln bekam ich zu hören, ich wäre zu gutmütig, aber so bin ich nun mal.
Wenn mir etwas wirklich am Herzen liegt, bin ich bereit, einiges dafür zu tun.

Jetzt stand ich da mit meinem Talent und sollte zu verschiedenen Fotos eine Kurzgeschichte schreiben. Je länger ich mir diese Bilder ansah, kam es mir vor, als hätte ein sensationslüsterner Amateur diese Bilder geschossen.
Schrecklich. Auf den Fotos sah man lauter zertrümmerter, zerbombte und eingefallene Häuser. Menschen flüchteten über die Straßen und suchten Schutz.
Und dazu sollte ich eine Geschichte schreiben. Es kam mir vor, als sollte es ein Drama werden, aber kein Zeitungsbericht.
Die Anzahl der vorgegebenen Zeilen erschien mir auch viel zu hoch. Das artete ja in einen Roman aus.
Natürlich sind mir ein paar Sachen eingefallen. Aber letztlich waren es alles deprimierende, traurige Geschichten. Oder aber es entwickelte sich zu einem Drama. Horrormeldungen las man ja den ganzen Tag schon in der Zeitung. Drum wollte ich nicht auch noch eine Schreiben. Gab es nicht mal was Positives ?
Wenn ich an solche Unglücke wie Krieg, Hochwasser oder Unwetter denke, fallen mir gleichzeitig wieder die Bilder von New York ein. Nie werde ich vergessen, wie ich fassungslos vor dem Bildschirm saß und mir zwei Stunden hintereinander das schreckliche Szenario ansah, wie die Flugzeuge in das Word-Trade-Center rasten.
Egal, wie ich die Sache drehte und wendete. Je länger ich mir das Bild ansah, desto mehr wusste ich, es würde eine Geschichte werden, in der ein schreckliches Unglück passierte bzw. schon passiert ist. Dabei ging es mir derzeit so gut und ich hatte eigentlich überhaupt keinen Sinn für diese Aufgabe.
Vor drei Wochen nämlich, in meinem Urlaub, bi ich von Fulda nach Frankfurt gefahren. Aufs Museumsuferfest. Und prompt hatte ich einen ganz netten Deckel kennen gelernt. Er hieß Volker, sah phantastisch aus und war auch noch supernett. Zuerst war mir ja ein bisschen mulmig, da ich alleine unterwegs war. Aber meine Mädels hatten alle keine Zeit oder bereits ein Date. Und so beschloss ich, alleine nach Frankfurt zu fahren. Schließlich hatte ich Urlaub und wollte was erleben.
Ich hatte Volker erst gar nicht beachtet. Mutterseelenallein stand ich an einem Tisch und gönnte mir einen Caipirinha. Es war übrigens am Museumsuferfest der Radeberger Stand. Auf der Sachsenhausener Seite. Nur, um Unklarheiten zu vermeiden. Am Nebentisch standen zwar vier Kerle, aber zunächst beachtete ich die gar nicht. Und doch musste ich mich immer mal umdrehen, denn plötzlich wurde der eine, Volker, immer interessanter. Aber mehr wie Blickkontakte waren nicht drin.
Dann geschah das Unglück. Unaufgefordert stellte sich ein meiner Meinung nach total hässlicher Typ an meinen Tisch und meinte, er müsste mir auch noch einen Caipirinha ausgeben.
Und jetzt?
Naja, dachte ich. Eigentlich bin ich ja mit dem Auto da. Aber wenn mich der Kerl schon gar nicht fragt, was ich überhaupt trinken will. Und wie der aussieht. Egal, den Caipirinha nimmst du erst mal mit, den Typ wirst du schon wieder los.
So stand ich dann mit dem unsympathischen Mann am Tisch. Ein Gespräch kam auch nicht zustande. Er wusste nicht so recht, was er reden sollte und ich musste mich ständig zu den anderen Jungs umdrehen. Volker grinste mittlerweile auch immer. Wie das Schicksal aber so spielte, gingen die vier vom Nebentisch plötzlich einfach davon. Volker sagte noch “Tschüß”, zu mir und zack, weg waren sie.
Na toll, dachte ich. Jetzt stehe ich hier mit meinem Talent, einem Caipirinha, den ich gar nicht haben will und lasse mir den Abend versauen. So nicht.

Gesagt, getan. Kurz entschlossen ließ ich den Typen neben mir stehen und machte mich in die Richtung auf, in die die vier verschwunden waren. Im Grunde hatte ich ja alle Hoffnungen schon aufgegeben. Wie sollte ich denn in diesen Menschenmassen jemals diesen einen, hübschen wiederfinden? Es war mir ein Rätsel. So lief ich durch die Menschenmassen und war schließlich am Stand vom “Journal-Frankfurt” angelangt. Und wie ich da so suchend vor mich hinsah, sehe ich doch tatsächlich meine vier Jungs wieder. Total happy wollte ich direkt zu ihnen hingehen. Aber Stopp. Nachlaufen wollte ich keinem. So hielt ich mich erst mal zurück und wartete ab. Doch plötzlich wäre ich Volker fast direkt in die Arme gelaufen.
“ He, da bist du ja. Du warst aber jetzt schnell von dem Stand da vorne verschwunden. Wie kommt’s? War das nicht dein Freund, der dir den Caipirinha ausgegeben hatte?”
So empfing mich Volker. Und ruckzuck waren wir ein zweistündiges Gespräch verwickelt.
So gegen 23.00 Uhr beschloss ich, mich zu verabschieden. Immerhin musste ich noch alleine zum Auto laufen. Und in Frankfurt wollte ich nicht noch in tiefster Nacht herumirren. Ist ja leider nicht mehr ungefährlich.

Und nach dem Motto”: Geh, wenn es am Schönsten ist, verabschiede dich zuerst von ihm!” tat ich das dann auch. Jedoch gestaltete es sich als schwierig. Nach so einem schönen Gespräch hätte ich schon erwartet, dass Volker mir seine Telefonnummer gab. Aber was tat er: NICHTS!
Absolut gar nichts. Er bedauerte zwar, dass ich ja nun schon gehen musste, aber sonst?

Mann oh Mann. Ich hab gedacht, ich krieg die Krise. Schließlich zog ich davon. Doch nach ein paar Schritten kramte ich in meiner Tasche herum. Suchte Zettel und Stift, schrieb meine Handynummer auf und ging zurück zu Volker.
Riskier`s einfach, was hast du schon zu verlieren, dachte ich. Entweder, er meldet sich oder er lässt’s.
So gab ich ihm dann doch noch meine Telefonnummer und zog nun endlich weiter. Bis dahin hatte ich seine Telefonnummer immer noch nicht.
“ Ich melde mich auf jeden Fall”, hörte ich Volker noch sagen.
Aber, das sagen ja viele.
Beschwingt und glücklich fand ich dann endlich mein Auto wieder und fuhr nach Hause. Ich war ziemlich aufgewühlt und konnte auch gar nicht richtig schlafen. Am Samstag morgen schaltete ich natürlich sofort mein Handy an. Und siehe da, Volker hatte sich tatsächlich gemeldet. Wir mailten ein paar mal hin und her. Und da an diesem Wochenende auch noch Weinfest in Fulda war, kam er dann am Sonntag auch schon zu mir.
Wir verbrachten einen wunderschönen Abend am Weinfest, mit vielen verschiedenen Weinsorten. Es waren wohl zu viele, denn nachts war’s mir dann irgendwie ganz schlecht obwohl es keinen Grund dazu gegeben hatte. Er war ein Traum.
Nach einer kleinen, mitternächtlichen Rückenmassage ging es dann wieder aufwärts mit mir.
Volker blieb dann noch bis Dienstag morgen. Er war selbständiger Schreiner und konnte sich seine Arbeit also einteilen (Schreiner machen Frauen glücklich!).Wir bummelten am Montag noch durch Fulda und hatten natürlich einen noch schöneren Montagabend.
Natürlich hatte ich auch ein bisschen Angst vor seinem Besuch. Ich wusste ja gar nicht, wie er so ist, wie er sich gibt. Letzten Endes wusste ich ja gar nicht, wer überhaupt zu mir kommt, nach nur einem Gespräch am Museumsuferfest. Andererseits: No risk, no fun. Aber die lockere Art von Volker, das war wirklich okay.
So verbrachte ich meine letzten Urlaubstage gut gelaunt. Am kommenden Wochenende habe ich Volker besucht. Da das Wetter mitspielte, machten wir eine schöne Motorradtour durch den Taunus zum Feldberg.
Abends erzählte ich ihm dann von meinem Nebenjob im Verlag. Er war völlig platt. Ich zeigte ihm die Fotos und spontan meinte er: “ Schreib doch, ein Männlein steht im Walde.....!”

“Na klar”, meinte ich, “ das ist es überhaupt. Passt ja auch klasse zu den Bildern!”
Das konnte ich natürlich nicht schreiben, aber so war er eben, mein Neuer. Spontan und unkompliziert.
Ehrlich gesagt kam ich mir eher vor wie: “Ein Männlein steht im Walde...!”, da mir ja außer Katastrophenmeldungen nichts, aber auch gar nichts zu den Fotos einfiel.
“ Ein Männlein steht im Walde....”, das passte doch gar nicht. Oder doch?

Mittlerweile waren eineinhalb Wochen vergangen. Von Volker, meinem neuesten Deckel hörte ich nichts mehr. So plötzlich, wie er aufgetaucht ist, verschwand er auch wieder. Irgendwann bekam ich noch eine sms von ihm. Anfangen konnte ich damit nichts, da ich immer noch nicht wusste, was ihm an meinem Topf nicht passte.
Es müsste dann nicht mehr heißen: “Ein Männlein steht im Walde...!”, sondern: “Ein Milchtopf steht allein im Herd....!”.
Da ich nun wieder mehr Zeit für mich hatte, gelang mir dann doch noch ein ganz guter Bericht zu den Fotos. Der Verlag beurteilte meinen Text sogar ganz gut. Meine Laune war bestens. Da es mit meinem neuen Nebenjob weiter aufwärts ging, waren mir die Deckel völlig egal. Ich genoss mein Leben und vor allem hatte ich abends, wenn ich mit meinen Freundinnen unterwegs war, jede Menge Spaß. Wir flirteten hier und da und lernten automatisch wieder neue, andere “Deckel” kennen.
Wer hätte schon gedacht, dass es so eine Menge verschiedener “Deckel” gibt.
Ich hatte jetzt eine Taktik für mich entwickelt mit der ich ganz gut leben konnte.
So schnell werde ich mich mit keinem Deckel mehr ernsthaft einlassen. Denn solange I C H die Fäden in der Hand hatte, wann ich mich mit wem traf, ging es mir gut.
So hatte ich die freie Auswahl und konnte in aller Ruhe mein Leben gestalten, wie ich es wollte.
Am Wochenende genoss ich dann ein ausgedehntes Frühstück. Allein.
Meistens las ich ein gutes Buch und schob nebenbei ein Toastbrot nach dem anderen in den Toaster. Die Zeit verging wie im Flug. Da ich im September diesen Jahres mit einem Spanischkurs begonnen hatte, waren meine Wochen voll ausgefüllt und ich hatte im Grunde keinen Tag, an dem ich Langeweile hatte. So sollte es ja auch sein, das Leben machte wieder Spaß.

Und mal ehrlich: Wer braucht schon einen “Deckel” fürs Frühstück?

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