Jedes Jahr prämiert die Schule des Schreibens 10 besonders gelungene Einsendeaufgaben. Lesen Sie die prämierten Beiträge der Förderpreisträger 2012.
Hilfe, eine Mausefalle!
Ulrich und Ulrike wohnen seit einigen Tagen im Keller der Familie Berg. Die beiden Mäuse sind froh, ein so gutes Winterquartier gefunden zu haben. Hier gibt es alles, was ihr Herz begehrt: Kartoffeln und Karotten, Äpfel und Birnen. Genug für den ganzen Winter.
Hin und wieder kommt Frau Berg in den Keller, um etwas zu holen. Manchmal ist auch Karin, ihre Tochter dabei. Aber das stört Ulrich und Ulrike nicht. Es gibt hier so viele Verstecke, dass sie ganz schnell verschwinden können.
Eines Tages kommt Herr Berg. Ulrich und Ulrike sind blitzschnell hinter eine Kiste gehuscht und gucken neugierig hervor. Herr Berg stellt ein Kästchen aus Draht auf den Boden und geht wieder.
Ulrike schnuppert: “Riechst du? Speck! Im Kästchen ist Speck!”
“Sei vorsichtig”, warnt Ulrich.
“Ach was! Herr Berg will uns eine Freude machen. Er ist ja so nett. Komm schon!”
Ulrike trippelt zum Kästchen. “Was habe ich gesagt, Speck!” Ihre Augen glänzen begeistert.
“Warte!”, ruft Ulrich.
Aber Ulrike will nicht warten. Speck bekommen sie schließlich nicht alle Tage.
Das Kästchen hat eine kleine Türe. Sie ist offen. Ulrike muss nur hineingehen und sich den Leckerbissen holen.
Sie flitzt ins Kästchen, packt den Speck und will wieder hinausrennen. Aber da prallt sie gegen die verschlossene Türe.
“Die war doch eben noch auf!” Ulrike versteht nicht, was geschehen ist.
“Ich habe dich gewarnt.” Ulrich geht langsam um das Kästchen herum. “Das ist eine Mausefalle. Dein netter Herr Berg hat sie aufgestellt, um uns zu fangen.”
“Hör auf zu reden”, sagt Ulrike. “Hilf mir lieber, da wieder rauszukommen!” Sie rennt aufgeregt im Käfig herum.
“Wie denn?”, fragt Ulrich. “Die Türe ist doch zu.”
“Du ziehst und ich schiebe. Zusammen können wir sie bestimmt öffnen.”
Aber so sehr sie auch zerren und stoßen, die Türe bewegt sich nicht einen Millimeter.
“Es hat keinen Sinn”, schluchzt Ulrike. “Ich sitze in der Falle.”
Dicke Tränen kullern über ihr Gesicht.
Ulrich streckt seine Vorderfüsse durch die Stäbe und streichelt über Ulrikes Fell. “Sei nicht traurig. Ich bleibe bei dir.”
Die ganze Nacht liegt Ulrich auf dem kalten Boden neben der Mausefalle.
Er kann nicht schlafen, genauso wenig wie Ulrike.
“Was werden sie mit mir machen?”, fragt Ulrike immer wieder.
“Ich weiß es nicht.” Ulrich wagt nicht daran zu denken.
Endlich wird es hell. Aber es dauert noch lange, bis sich die Türe öffnet.
Herr Berg kommt mit Karin in den Keller.
Im ersten Moment will Ulrich sich verstecken. Aber dann bleibt er neben der Mausefalle stehen.
“Schau!”, ruft Karin, “eine Maus ist in der Falle und eine daneben. So süß! Schau ihre Augen, wie kleine Perlen, und das Fell, so weich!”
“Na so was!”, Herr Berg staunt, als er Ulrich neben der Mausefalle sieht.
“Sie sind bestimmt Freunde”, sagt Karin.
Herr Berg lacht: “Schon möglich!”
Er nimmt einen Kessel und legt die Mausefalle hinein. Dann öffnet er die kleine Tür. Ulrike trippelt aus ihrem Käfig. Karin nimmt Ulrich und legt ihn zu Ulrike in den Kessel.
“Was werden sie mit uns machen?”, flüstert Ulrike.
“Ich weiß es nicht”, flüstert Ulrich zurück.
“Was werden wir mit ihnen machen?”, fragt auch Karin.
Herr Berg fährt ihr übers Haar. Dann schaut er die beiden Mäuse an.
Ulrike und Ulrich wagen kaum zu atmen. So gespannt sind sie auf die Antwort.
“Wir bringen sie in den Wald”, sagt Herr Berg. “Da finden sie sicher einen Platz zum Überwintern.”
Das kleine Mädchen hüpft von einem Bein aufs andere. “Ich gebe ihnen ein paar Karotten mit, dann haben sie etwas zu fressen.”
“Tu das”, lacht Herr Berg.
“Was hab ich gesagt”, flüstert Ulrike. “Herr Berg ist doch wirklich nett.”
“Na ja! Nur Karotten!” Ulrich ist nicht begeistert.
Da legt eine grosse Hand einen Apfel, eine Birne und ein Stück Speck in den Kessel. Ulrikes Augen glänzen: “Was sagst du nun?”
Ulrich blinzelt: “Herr Berg ist doch wirklich nett.”



