Prämierte Kurzgeschichten 2001
Rosemarie Stoffel: Jugendliebe
Diese Geschichte spart vieles an Fakten aus und schöpft gerade daraus ihre besondere Kraft. Lässt sie doch Raum für die Phantasie des Lesers, der gehalten ist, die gemeinsame Vergangenheit des Paares, das Leid der Frau über die Trennung, die vielen Jahre des Nichtvergessen-Könnens - all das sich vorzustellen und damit wahrhaftig einzutauchen in diesen unsentimentalen und dabei doch so persönlichen Text. Eine beachtliche Anfängerleistung!Ellen Macher: Der Garten des Lebens
Auch "Der Garten des Lebens" appelliert an die Phantasie des Lesers. In einfachen klaren Bildern erzählt er eine Parabel auf das menschliche Leben, die der Leser für sich übersetzen muss. Kunstvoll arbeitet die Autorin mit wiederkehrenden Motiven, setzt Bedeutungsspielräume frei und kommt doch immer wieder auf ihr Grundmotiv zurück: den Garten des Lebens und dessen verantwortungsvolle Pflege durch den Menschen. Ein spielerischer und dabei nachdenklich stimmender Text.Elke Jindra: Freitag
Sprachlicher Witz und selbstironischer Humor zeichnen diese Geschichte aus. Die Ich-Erzählerin ist dem Leser unmittelbar sympathisch, weil sie so kritisch mit sich selbst umgeht und doch ausreichend Distanz zu ihrer Situation behält, um nicht ins Selbstmitleid zu verfallen. Das tötet jeden Text. Doch diese Gefahr umgeht die Autorin geschickt, reiht dafür mit kraftvollem Schwung die Ereignisse jenes Freitags aneinander und enthält sich so ganz dem schnell übertrieben wirkenden Überschwang an Gefühlen. Eine vergnügliche Lektüre!Wilhelm Hengl: Die Liebe seines Leben
Verkehrte Welt: Die Logik des Abnormen setzt den Maßstab, den kein Mensch bei gesundem Verstand und Gefühl für sich übernehmen kann. Genau darin liegt die besondere Kunst dieser Geschichte, die sich konsequent in die kranke Psyche eines Serienmörders hineindenkt und das Makabre zum ihr eigenen Gesetz erklärt. Klar und präzise ist die Sprache, seziert wie der Täter seine Opfer jenen selbst im krankhaften Detail seines Tuns. Makaber, bissig, böse: Die Umkehrung der Moral lässt uns zunächst schmunzeln, doch dann bleibt das Lachen im Halse stecken.Cornelia Tews: Ein Unfall
Diese Geschichte hat bereits beachtliche literarische Qualität. Ungemein dicht erzählt, bedrängt sie den Leser geradezu in der Schilderung nurmehr eines kurzen Augenblicks, den die Autorin wie ins Unendliche dehnt und den Blick öffnet auf das Leben eines Mannes, der immer Angst hatte, als Versager zu gelten. Grandios, wie sich hier eine Spannung aufbaut, im Stakkato der knappen Sätze, die unweigerlich auf den Aufprall, das Ende, den Tod zusteuern. Hier und Jetzt des Bremsversagens verknüpfen mit einem Versagen ganz anderer Art, des Vertrauens in sich selbst.Irene Hohe: Der Nordmann
Witzig und ernsthaft zugleich spielt dieser Text mit alten Mythen, der Verkleidungs- und Sensationslust des Menschen. Mittels genauer Beschreibungen - des Mannes bei den Vorbereitungen des privaten Wikinger-Spektakels, der Frau, die auf ihn wartet - baut die Autorin gekonnt eine Spannung auf, die einen besonderen Höhepunkt erwarten lässt. Doch außer der Irritation des armen Ponys geschieht zunächst nichts, und erst in der reizenden Pointe am Schluss löst sich die Spannung. Toll, wie der Leser hier ohne viel Aufwand von der ersten bis zur letzten Zeile in Atem gehalten wird.RoIf Bläsing: Der Rekord
Auf die Plätze - fertig - los: knapp und punktgenau umreißt die Einleitung die Ausgangssituation, dann folgen pointierte Charakterskizzen der am Rennen beteiligten Jungen, bis sich schließlich alles in Startposition befindet. Kein Wort zu viel, keines zu wenig, zeigt auch dieser Text, was genaue Beschreibungen vermögen: Sie laden die Atmosphäre mit Spannung auf und vermitteln einen bildhaft anschaulichen Eindruck vom Geschehen und seinen Protagonisten. Realismus pur, verwirklicht im Rahmen einer mit Witz und Humor erzählten Jungenstreichgeschichte.




