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Freitag

Freitag - alle sagen endlich Freitag, Wochenende - ich nicht! Ich hänge durch. Mein Freund hat mich vor ein paar Wochen sitzen lassen. "Ich hab's dir ja gleich gesagt, typisch Rheinländer!" Diese spitze Bemerkung meiner Mutter habe ich immer noch im Ohr. Als ob alle Rheinländer grundsätzlich Bigamisten oder Beziehungsflüchtlinge wären. Aber die Tatsache, daß ich seitdem allein bin, stimmt mich nicht sonderlich fröhlich. Besonders an den Wochenenden ist dieser Zustand ausgesprochen unbefriedigend. Und außerdem wird es Herbst. Wie ich diese grauen Tage hasse, an denen es nicht richtig hell wird und meist ein leichter Dauerregen die sowieso schon trübe Sicht noch mehr verschleiert. Auf dem Weg ins Büro rolle ich mit der Masse der morgendlichen Berufspendler und hänge meinen Gedanken nach.

Wen könnte ich heute anrufen und etwas für morgen oder Sonntag abmachen? Im Geiste gehe ich die recht kurze Liste meiner Freundinnen durch, aber im Augenblick sind die alle mehr oder weniger fest liiert und verbringen die Wochenenden natürlich mit ihren Männern. Selbst meine heftig übergewichtige Kollegin vom Lande hat einen, "mit dem sie geht". Und vermutlich wird diese Beziehung über kurz oder lang in eine vielleicht langweilige, aber wahrscheinlich krisensichere Ehe mit ein paar Kindern und Mitgliedschaft im Verein der Landfrauen münden, Apfelkuchen-Backwettbewerbe eingeschlossen.

Irgend etwas stimmt bei mir ganz offensichtlich nicht. Ich bin Anfang 20, nicht sehr groß, schlank, sehe ganz passabel aus, habe einen guten Job, fahre einen Sportwagen, traue mich nur nicht, allein etwas zu unternehmen. Bin ich vielleicht so altmodisch, auf einen Märchenprinzen zu warten? Meinen verflossenen Freund aus Bonn hatte ich auch nur kennengelernt, weil mich eine Freundin, deren Liebster auf Geschäftsreise war, an einem Samstag abend in eine ländliche Disco verschleppt hatte. Der Knabe war groß, blond, schlank, hatte ein römisches Profil und mir sofort die Sinne vernebelt, als wir auf der Tanzfläche zusammen stießen. Wir verbrachten dann den Rest des Abends miteinander, tauschten unsere Telefonnummern aus und hatten schon am Sonntag danach unsere erste Verabredung. Ich bin altmodisch, sonst hätte ich jetzt "date" gedacht und nicht Verabredung!

Verflucht, beinahe wäre ich in das Taxi reingerauscht. Vollbremsung mit aufkreischenden Reifen. Ich muß meine ganze Kraft aufbringen, um den Wagen in der Spur zu halten. Tagträume im morgendlichen Berufsverkehr können äußerst unbekömmlich werden. Aber wo ist dieser Kerl, der mich derart unverschämt von rechts geschnitten hat, eigentlich so plötzlich hergekommen? Wütend hämmere ich auf die Hupe ein, gestikuliere wild, der Fahrer, allein im Wagen, grinst nur in seinen Rückspiegel. An der nächsten Ampel ordnet sich das Taxi rechts ein, ich stehe links von ihm und durchbohre den Menschen am Steuer mit meinem eisigsten Blick. Er sieht zu mir rüber und grinst weiter.

Grün! Mit Vollgas und durchdrehenden Rädern jage ich meinen Flitzer über die Kreuzung, da kann der Diesel nicht mithalten. Zu meiner Überraschung sehe ich das Taxi dann aber an der letzten Kreuzung, bevor ich zu meiner Garage abbiegen muß, im Rückspiegel direkt hinter mir. Ich tue so, als ob ich ihn nicht bemerkt hätte, und fahre zur Garage, das Taxi ebenfalls. Ganz offensichtlich werde ich verfolgt, denn daß ein Fahrgast auf dem Garagenhof wartet, ist ziemlich unwahrscheinlich. Ich stoppe vor meinem Tor, steige betont gelassen aus, schließe in aller Ruhe auf und lasse das Tor hochschwingen, steige wieder in den Wagen und fahre in die Garage. Nun muß ich da ja aber wieder raus, und das Taxi steht immer noch dort, wo es vor einer Minute unmittelbar hinter meinem Wagen gehalten hat. Der Fahrer lehnt feixend an der Wagentür. Ein Mann Mitte 20, groß, blond, schlank, zwar nicht mit einem römischen Profil, aber mit einem großen Mund und schönen Zähnen ausgestattet ... meine Güte, was mache ich mir denn da für Gedanken?

Ich rufe mich innerlich zur Ordnung und angele auf Zehenspitzen nach dem Bindfaden, mit dessen Hilfe ich überhaupt nur in der Lage bin, das Tor wieder herunterzuziehen. In diesem Moment schreitet mein Verfolger ein, greift mit einem seiner langen Arme über meinen Kopf hinweg und schließt das Tor, zieht den Schlüssel ab und überreicht ihn mir mit einer übertrieben galanten Verbeugung. Dabei entschuldigt er sich für seine Fahrweise. "Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe. Darf ich Sie als Entschädigung heute zum Abendessen einladen?" Ich lehne ab, gebe ihm aber nach einigem Zögern meine Telefonnummer vom Büro.

Sechs Monate später haben wir geheiratet.

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