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Jugendliebe

Karin war 17 Jahre alt, als sie Joachim kennenlernte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie dachte, daß sie für immer zusammenbleiben würden. Aber wie so oft im Leben, kam es anders.

Wenn Karin in den vielen vergangenen Jahren an Joachim dachte, spürte sie seine Wärme, seine Liebe, die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben und den Schmerz, den sie empfunden hatte, als er sie verließ. Die Gefühle hatten nichts von ihrer Intensität verloren. Sie fühlte alles, als wenn es gestern gewesen wäre. Und heute hatte sie Joachim wiedergesehen!
Bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt war er ihr begegnet. Sie war schon fast an ihm vorbei, als sie ihn aus den Augenwinkeln entdeckte. Gleichzeitig hörte sie seine Stimme: "Karin?" Sie blieb stehen und starrte ihn an. Ihre Stimme versagte. Sie konnte nur nicken. Erst nach einiger Zeit war es ihr möglich, auf seine sprudelnden Fragen zu antworten. Nach ein paar Sätzen schlug Joachim vor, in das kleine Café zu gehen, in dem sie sich früher oft getroffen hatten. Als sie das Café betraten, stellte sich bei beiden eine leichte Befangenheit ein, die Joachim mit einem nervösen Lachen überspielte.
Sie setzten sich. Joachim griff nach Karins Hand. Sie zuckte leicht zurück, aber überließ sie ihm dann. Sie erzählten einander von ihrem jetzigen Leben und sprachen über ihre gemeinsamen Erinnerungen. Den Schmerz, den Joachim Karin zugefügt hatte, ließen sie aus.
Irgendwann verebbte das Gespräch. Karin sah Joachim an. Er hatte sich äußerlich nicht sehr verändert, aber sonst war, von dem was sie einmal so sehr an ihm geliebt hatte, nicht viel übriggeblieben. Wo war der Mann, den sie einst geliebt hatte?
Karin entzog ihm ihre Hand, und sie sahen sich stumm an. Sie merkten, daß sie sich eigentlich nichts mehr zu sagen hatten. Außer einer Erinnerung an eine vergangene Zeit, die ihre Gültigkeit verloren hatte, verband sie nichts.

Sie verabschiedeten sich voneinander mit dem Ausblick auf ein eventuell neues zufälliges Wiedersehen. Doch beide wußten, daß alles, was einmal gewesen war, hier ein Ende fand. Ihre Träume wurden von der Wirklichkeit eingeholt.

Karin ging in ihr Leben zurück mit der Gewißheit, daß sie endlich frei leben konnte. Die Schatten der Vergangenheit waren gewichen. Sie würde in Zukunft an Joachim denken, in Erinnerung an eine schöne Zeit, als sie jung war. Aber der Schmerz würde vorbei sein. Vielleicht würde sie Joachim eines Tages sogar ganz vergessen.

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