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Prämierte Kurzgeschichten 2002

  • Helmut Frantzen: Eine nicht alltägliche Begegnung
    Diese Geschichte ist mit großer Einfachheit und Klarheit erzählt. Wie über den lieben Gott, der für den Jungen nicht an einem alltagsfernen Ort existiert, sondern überall um ihn herum ist, erfahren die städtischen Touristen - und mit ihnen der Leser - noch anderes, Wichtiges, was Ihnen neben der Religion abhanden gekommen ist: das Miteinander der Generationen, der respektvolle Umgang mit der Natur. Und umso lieber lässt der Leser sich auf diesen kindlich-weisen Diskurs ein, weil er so gar nicht belehren will, dafür bescheiden bleibt, sich nicht aufdrängt.

  • Michael Schwede: Nicht aus Zucker
    Dass man eine Liebesgeschichte ganz anders, ganz neu erzählen kann, obwohl es schon so viele gibt, zeigt dieser Text. Es nieselt. Zwei Worte, die als immer wiederkehrendes Motiv geschickt die Handlung durchziehen, Hintergrund malen, den Leser an die Alltäglichkeit des Ereignisses erinnern, das für die Figuren doch so besonders ist: der Beginn tiefer Zuneigung. Die Geschichte ist von Grund auf ehrlich. Alltäglich. Sensibel schildert sie die persönliche Erfahrung zweier Menschen und zugleich finden wir uns alle darin wieder, mit unseren Sehnsüchten, unserer Erinnerung. Es nieselt. So banal und so besonders beginnt die Liebe - ein wunderschöner Text.

  • Eva Sarrazin: Katrin sammelt Leben
    Ein Augenblick am Küchentisch, das Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Es wird gar nicht viel geredet, und doch erfährt man unendlich viel. Denn um sich zu verstehen, muss man nicht viel reden. Zeichen, Andeutungen reichen, wie diese Geschichte sensibel vorführt. Kathrin sammelt Leben. Leben bedeutet für sie das Besondere, nicht Alltägliche, Abseitige. Auch dieser Text berührt wegen seiner großen Einfachheit, Bescheidenheit der leisen Töne. Handlungen werden zu Zeichen, die tief unter die Oberfläche verweisen.

  • Trudi Pätz: Gomorrha
    Eine Bombennacht über Hamburg während des zweiten Weltkrieges. Der Leser hört das Glas klirren, sieht die grellen Lichtblitze. Und er ist gebannt von der Spannung, ob es dem Mädchen wohl gelingt, die Wohnung rechtzeitig zu verlassen oder nicht. Anschaulich wie ein Bild malt die Autorin das von den Bomben angerichtete Feuerinferno aus. Gekonnt setzt sie mit dem Schnitt am Anfang von hell zu dunkel, vom friedlichen Blick auf die Alster zur Zerstörung der Bomben, ein filmisches Mittel ein. Lesen und bildhafte Vorstellung gehen bei diesem eindringlichen Text eng zusammen.

  • Ellen Macher: Martin und Eva
    Nicht durch eine straffe Erzählweise, eine besondere Form, sondern vor allem durch den Inhalt wirkt dieser Text. Er könnte auch "Überlebensstrategie" übertitelt sein. Den Riss im Leben der Nachgebliebenen, den der plötzliche Tod eines geliebten Menschen hinterlässt, sucht Eva im Zwiegespräch mit ihrem Mann zu überbrücken. Mit wenigen Worten gelingen hier Personenporträts, die die Figuren ungemein realistisch und lebendig erscheinen lassen. Klare, natürlich wirkende Dialoge verhelfen dem Text zu einer besonderen Anschaulichkeit. Absolut überzeugend, zutiefst glaubhaft.

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