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Liebe bis zum Feuer
Unruhig lief er in der Küche umher und strich sich immer wieder mit seinen schmalen Händen durchs volle Haar. “Rede doch mit mir! Es ist unser Hochzeitstag.”, murmelte Leon. Der Regen plätscherte unaufhörlich gegen die Scheibe. Er beobachtete die Blätter, wie sie in der Abendsonne tanzten. “So ein wunderschöner Abend, nur für uns”, sagte er und ging zielstrebig zum Schlafzimmer. Leon sah seine Frau vor dem Spiegel sitzen. Wie in Zeitlupe kämmte sie ihr langes blondes Haar. Auf und ab bewegte sich die Bürste und schmeichelte dem seidigen Glanz ihrer Haare.
“Weißt du noch, wie wir uns kennen lernten. Wir liebten uns so sehr, dass wir gleich zwei Wochen später verheiratet waren,” flüsterte Leon und schlich wieder zurück in die Küche. Dort setzte er sich an den Tisch, um sich erneut eine Zigarette anzustecken. Obwohl die andere noch im Aschenbecher qualmte, zündete er sie wie in Trance an. Leon starrte mit leerem Blick auf den Tisch. Neben einer Tasse alten Kaffee und einer Flasche Rum lagen unzählige Zeitungen, die er alle gelesen hatte. Jeden einzelnen Artikel, auf der Suche nach einer Antwort, hatte er aufgesogen. Die Flasche Rum war so gut wie leer. Nachdem er erneut einen kräftigen Schluck genommen hatte, schaute er die Flasche fragend an. Er wischte mehrmals mit seinem Daumen übers Etikett und hauchte: “Ich weiß sogar noch unser Lieblingslied.” Leise summte er ihren Song und eine Träne begleitete ihn. Erschrocken wischte er sie weg und schlurfte zurück ins Schlafzimmer. Seine große Liebe saß immer noch vor dem Spiegel. Er hielt sich am Türrahmen fest, streckte seine Hand nach ihr aus und versank weinend in Erinnerungen.
Leon sah sich mit seiner Frau in Venedig, sie lachte, er lachte, sie liebten sich, sie waren glücklich. “Und jetzt?”, seufzte er und wischte sich den Rotz von der Nase. “Rede mit mir! Liebe mich! Sei doch wieder da für mich!”
Es zog ihn wieder in die Küche. Die Flasche Rum war nun leer. Eine neue Zigarette klemmte schon wieder zwischen seinen feuchten Lippen. “Was soll ich nur tun?”, schniefte er. “Ich kann doch nicht einfach so weiter machen.” Er wankte wieder zurück ins Schlafzimmer und betrachtete seine Marie. Doch sein Blick war nicht mehr klar, alles verschwamm vor seinen Augen. Leon konnte seine Frau nicht mehr deutlich erkennen. Der Alkohol und die Tränen nahmen ihm die Sicht. Wie angewurzelt stand er am Türrahmen fest, er konnte sich nicht rühren. Leon starrte ohne zu atmen auf die verschwommene Gestalt. Bis er plötzlich etwas roch. Seine Zigarette hatte sich mit den Zeitungen vereint, die sich dem Feuer willig und rasch hingaben. Die Flammen fraßen sich durch die gesamte Küche. Leon konnte nicht mehr atmen, der Rauch nahm ihm die Luft. Er sank zu Boden und konnte sich nicht mehr bewegen, der Rum hatte ganze Arbeit geleistet.
Die Flamen schlugen schon sehr hoch. Etwas rüttelte ihn wach. Leon hatte auf einmal das Gefühl, dass Marie bei ihm war, er hörte sie flüstern, ganz dicht an seinem Ohr.
Leon lächelte und hörte auch das Nahen der Feuerwehr, dann brach er zusammen.
Als er hustend aufwachte, sah er vor sich sein brennendes Haus und wie sich seine Erinnerungen in den Armen der Flammen wohlfühlten. Leon hörte, wie sich das Feuer gegen die Wassermassen wehrte. Plötzlich schrie er auf: “Marie, Marie ist da noch drin.”
“Da ist niemand mehr drin”, beruhigte ihn der Feuerwehrmann und legte ihm eine Decke um die Schulter. “Man sagte mir, dass sie allein leben.” Leon entkrampfte sich. Seine innere Ruhe kehrte zurück. Er atmete hörbar und steckte sich langsam eine Zigarette an. Leon schmeckte den Rauch und blies ihn über seinen Kopf wieder aus. Dann nickte er seinem Retter zu: “Ja, meine Frau starb vor zwei Jahren. Sie gab mir soeben ein Zeichen.



