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Die Glühwürmchen und die Liebe

Es war eine lauwarme Sommernacht Ende Juni. Das Haus, in dem wir seit kurzer Zeit wohnten war sehr aufgewärmt, besonders das Schlafzimmer, das sich in der ersten Etage befand.

Wir wohnten in einem alten Teil eines Bauernhofes. Besser gesagt in einem alten Schweinestall, der mit viel Liebe komplett renoviert wurde. Vom Schlafzimmer aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf unsere Terrasse und den alten Schuppen unseres Nachbarn. Der Schuppen war mit Hopfen und wilden Wein zugewuchert.

In dieser warmen Nacht hatte ich mich nach einer ausgiebigen Dusche mit einer Zigarette auf die Fensterbank des Schlafzimmers gesetzt. Ich hatte das Licht ausgelassen und saß da nun nackt im Dunkeln und lauschte den Grillen. Plötzlich schoss ein grün fluoreszierendes kleines Etwas auf meine Zigarettenglut zu und verschwand eben so schnell wieder. “ Ein Glühwürmchen,” rief ich begeistert. Mein Mann, der neben an im Badezimmer war, kam ins Schlafzimmer. “Was hast du gesagt?” “ Ich habe gerade ein Glühwürmchen gesehen.” “Was für ein Quatsch, die gibt es doch nur im Märchen.” Ich musste lachen. Er stellte sich ebenfalls nackt hinter mich und schloss seine Arme um mich. Sei Körper fühlte sich unsagbar weich und warm an.

Plötzlich tauchte wieder eins auf und flog direkt auf die glimmende Zigarette zu. “ Ich glaub es nicht,” rief er begeistert, “ich habe noch niemals Glühwürmchen gesehen.” Wir schauten beide zum alten Schuppen und trauten unseren Augen kaum. Ein ganzer Schwarm von Glühwürmchen tänzelte zwischen dem Hopfen und dem wilden Wein. Es war ein wunderschöner Anblick.

Zärtlich fing mein Mann an meinen Rücken zu streicheln. “Mein Gott ist das romantisch,” hauchte er mir ins Ohr, so dass ich eine Gänsehaut bekam. “Laß uns doch auch ein wenig Glühwürmchen spielen.” Er lächelte mich verführerisch an, nahm meine Hand und zog mich auf das Bett. Er küsste mich zart und leidenschaftlich, während er mit seiner Hand meinen Körper erkundete. Ich wollte nur noch mit ihm schlafen, und drängte mein Becken an seines. Wir liebten uns wild und hemmungslos.

Die folgenden Sommer besuchten uns die Glühwürmchen immer wieder.

Oft saßen wir auf unserer Terrasse und konnten sie genau beobachten. Wir genossen den Anblick und konnten uns nichts Schöneres vorstellen. Wir waren wahnsinnig in einander verliebt, tranken unseren Wein, während die Glühwürmchen anscheinend nur für uns da waren. Der Hopfen und der wilde Wein hatten mittlerweile die ganze rechte Front von unserer Terrasse zu gewuchert. Es war ein Paradies für uns.

Der Sommer ging in den Herbst über, dann in den Winter, wieder in den Frühling und schließlich wieder in den Sommer. So zogen die Jahre an uns vorbei. Im Laufe der Jahre verwitterte der alte Schuppen zunehmend, man könnte meinen, wie unsere Ehe.

Die Nachbarn begannen eines Tages damit, den Schuppen einzureißen. Mit ihm wurde der wilde Wein und der Hopfen aus dem Boden gerissen. Wir fingen ebenfalls an unsere Ehe einzureißen - keine zärtlichen Wörter mehr, keine Umarmungen, kein Sex. Wir waren wie der alte Schuppen geworden. Die Nachbarn stellten einen Bretterzaun zu unserer Terrassenseite auf. Irgendwie passend, die Romantik war futsch und Glühwürmchen sahen wir lange nicht wieder.

Dann begann ich den unansehnlichen Zaun wieder zu bepflanzen, und arbeitete an unsere Ehe. All die vielen Jahre waren es nicht wert, sie auf zu geben. Es war ein schwieriger Prozess, der sich über eine lange Zeit hin zog.

Während die Pflanzen immer mehr gediehen und den hässlichen Zaun zuwachsen ließen, arbeitete ich mit meinem Mann an unserer Ehe und wir redeten wieder miteinander und nahmen uns in den Arm. Das Gefühl von Glück und Liebe stellte sich langsam wieder ein.

An einem warmen Sommerabend, nachdem wir gemütlich gegrillt und leckeren Soave getrunken hatten, kuschelten wir uns aneinander. Wir unterhielten uns so gut wie lange nicht mehr. Plötzlich schoss ein kleines Licht über den Tisch. “Ein Glühwürmchen, ich glaub es nicht.” Hauchte ich begeistert. Automatisch schauten wir zu dem mittlerweile zugewucherten Zaun. Glühwürmchen! Es waren so viele, dass wir sie nicht mehr zählen konnten. Mein Mann kuschelte sich noch näher an mich heran. “Wenn das kein gutes Zeichen ist, dann weis ich auch nicht weiter. Jetzt wird alles wieder gut.” Er gab mir einen Kuss, nahm meine Hand in die seine und führte mich nach oben ins Schlafzimmer.

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