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Forschergeist

X2-Alira hatte ein Problem. Ein großes. Sie würde aller Wahrscheinlichkeit nach in wenigen Sekunden von einem Menschen-Männchen geküsst werden und hatte nicht die mindeste Ahnung, was sie in dieser Situation zu tun hatte.
Sie fluchte innerlich. Ihr verdammter Ehrgeiz hatte sie auf die Erde gebracht, hierher, auf einen sonnenbeschienenen Fleck umstanden von großen, grünen Auswüchsen der Erdoberfläche. Bäume hießen die Dinger, wenn sie sich recht erinnerte. Ihr verdammter Ehrgeiz, die beste Abschlussarbeit an der Fakultät ‚Außerirdische Psychologie’ von Gogra einzureichen. Für Studienzwecke war sie vom Planeten X-tra2 hierher gekommen. Hatte die 134 Lichtjahre bis zur Erde in weniger als sechs Stunden, selbstverständlich gasförmig, zurückgelegt und nun saß sie hier völlig planlos auf einer Picknickdecke. Ihr gegenüber ein nach menschlichen Maßstäben ansehnliches Exemplar eines Männchens, Alter 34, Name Herbert. Was die Menschen für alberne Namen hatten. Ihr eigenes Gas hatte sie in ein hübsches blondes Menschen-Weibchen einfließen lassen.
Als Vorarbeit zu ihren Studien hatte sie sich wochenlang aus dem Planet-ExtraNet Erden-Liebesfilme heruntergeladen und eingehend analysiert. Es lief eigentlich immer nach dem selben Schema ab. Die Neuerung ihrer Forschung war – und darauf war sie sehr stolz -, dass sie mit diesem Experiment das Balzverhalten der männlichen Erdbewohner selbst erleben und genau beschreiben konnte. Das hatte vor ihr noch keiner gemacht.
Herbert lächelte sie an. „Weißt Du eigentlich, wie schön du bist?“
Wusste sie nicht. Für einen Blick in den Spiegel nach der Transformation in Isabella – noch so ein blöder Name – hatte die Zeit nicht mehr gereicht.
Das Männchen steckte ihr eine rote Frucht, die aussah wie ein Grümpf, in den Mund. Verführerisch lächeln. Ja, genau, das musste sie jetzt tun. Es schien zu funktionieren, er fuhr ungestört mit seiner Balz fort.
„Ich würde dich gerne küssen, wenn ich darf“, sagte er dann.
Was jetzt?
„Äh, ich ... ich weiß nicht ...“, stammelte X2-Alira als Isabella.
„Ich begehre dich so sehr.“
Okay, Augen zu und durch. Dafür war sie schließlich hergekommen.
Herbert zog Isabella/X2-Alira an sich und presste seine Lippen auf ihre.
Igitt.
Dann begann seine Zunge, ihre Lippen zu trennen und tastete sich in ihren Mundraum vor.
Wollte er seinen Grümpf wieder haben?
X2-Alira ließ ihn gewähren und kopierte sein Verhalten sogar ein wenig. Es klappte ausgezeichnet. Er ließ sich überhaupt nicht stören. Gut, denn sie wusste, dass man das System, welches man erforschen wollte, nicht durch das experimentelle Set-Up stören durfte. Nur so würde man aussagekräftige Ergebnisse bekommen.
Er begann an ihren Kleidungsstücken zu nesteln, öffnete die obersten Knöpfe ihres Kleides, fuhr mit seiner Hand unter ihren BH. Dann drückte er ihre Schultern auf die Decke und schob sich langsam auf sie.
Puh. War der schwer.
Als nächstes fummelte er an seinen Bein-Bekleidungsstücken herum und förderte ein schlauchförmiges Körperanhängsel zutage.
Du lieber Weltraum über X-tra2! Was war das denn?
X2-Aliras Gedanken begannen zu rasen. Sie hatte irgendeinen Fehler gemacht. In den von ihr analysierten Liebesfilmen war so etwas nie vorgekommen. Außerdem, wenn sie sich recht erinnerte, hatte sie bei der Transformation in Isabella an deren Körper auch nichts dergleichen wahrgenommen.
‚Ich vermassle es’, war ihr erster Gedanke. Ihre einzige Rettung war pneumatische Plastologie. Mit Gasdruck an der Stelle bei Isabella auch so einen Schlauch wachsen lassen. Das müsste klappen. Sie musste sich beeilen. So wie sie Herberts Gesichtsausdruck deutete, blieb ihr nicht mehr viel Zeit.
Herbert stöhnte und rieb seinen schweren Körper an ihrem. Dann schob er mit einem heftigen Ruck ihr Kleid hoch und das darunter liegende weiße Stofffetzchen nach unten.
Und schrie auf. Sprang hoch.
Und rannte weg. Immer noch schreiend.
X2-Alira richtete sich auf und sah ihm verwundert nach. So vermehrten sich nun die Menschen? Sie verstand die Welt nicht mehr. Hatte der kurze Augenkontakt des Männchens mit dem Schlauch des Weibchens für die Begattung ausgereicht? Oder teilte sich das Männchen nun mitotisch, indem es beim Wegrennen in viele neue Menschlein zersprang.
X2-Alira war enttäuscht. Sie seufzte. Sie hatte den alles entscheidenden Moment verpasst und würde das Experiment wiederholen müssen.

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