Prämierte Kurzgeschichten 2. Halbjahr 2005
1. Roland Jänicken – Großvaters Visionen
Hier dürfen wir uns an einer schon wirklich ausgereiften kleinen Komödie begeistern: der Autor führt elegant und geschickt sowohl die Hauptfigur als auch den Leser überaus peinliche Situation und spielt mit Erwartungen, die überraschend nicht erfüllt werden. Ein herrlicher komischer text, der ganz klar und kompakt daherkommt.
2. Günther Zechner - Wehe dem, der sich unterschätzt
Hier erkennen wir ein wirklich ausbaufähiges Talent für das Krimischreiben. Zechner verbindet scheinbar mühelos die wichtigsten Themen des Geres: Gewalt, Angst und Überraschungsmomente. Ganz und gar abgerundet wird die schwarze Short Story durch spitzige Dialoge und die schön gewählte Erzählperspektive.
3. Johannna Hess – Pfui Spinne
Hess konfrontiert den Leser in kafkaesker Tradition mit den Urängsten vor Insekten, indem sie Realität und Traum miteinander verschmilzt. Dabei gelingt es ihr, das Innen und Außen der männlichen Hauptfigur so eindringlich über atemlose Beschreibungen und staccatohaltigem inneren Monolog zu zeichnen, dass man sich mit der zunehmenden Panik komplett identifizieren kann.
4. Silvia Weber – Der Geist im Kuhstall
Weber zeigt hier das Talent zur lebendigen Beschreibung und führt Können im Dialog-Schreiben vor: dichte Atmosphäre, die dörfliche Strukturen offenbart und schön charakterisierte Figuren bestimmen diese Erzählung die durch fast kalauerhafte Tragikomik besticht.
5. Monika Gamerith – Die Katzenmutter
Der durch die nüchterne Sprache bestimmte Text bietet die sensible Studie einer einsamen alten Frau und lässt dem Leser keine Chance, sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit dem Zorn der sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit dem Zorn der Ausgegrenzten und auch mit dem ignoranten Verhalten der Umwelt identifizieren. Die ironische Schlusswendung rundet diese Arbeit klar ab.
6. Torsten Barz – Sprung in die Tiefe
Eine alltägliche traurige Situation beschreibt Barz: die Hauptfigur leidet unter Liebeskummer und überträgt ihr Unvermögen, dies zu akzeptieren, in wütenden Aktionismus. Mit den Techniken der geschickt eingesetzten Wiederholung, dem plastischen inneren Monolog und dem lebendigen Stil macht der Autor das Wesen der Hauptfigur in dieser Tragikomödie ganz und gar plastisch.
7. Christiane Pallacks – Gewissheit
Diese kleine Satire nimmt unser Kind-mit-Apfel-Bild mit glasklarem und pointiertem Stil auf die Schippe. „Gewissheit“ überzeugt uns auch deshalb, weil die Autorin es schafft den Leser eine ganz normale alltägliche Wendung des Lebens aus neuem Blickwinkel betrachten zu lassen.
8. Tanja Wechmann – Spaghetti Amore
Tina ist herrlich normal und hat einen ganz normalen grässlichen Tag hinter sich. Weichmann gelingt es mit überaus charakterisierenden Dialogen und treffenden Schilderungen, den Leser von Tinas naivem Antrieb und ihrer Unfähigkeit, zu große Erwartungen auf ein erfüllbares Maß zu reduzieren, zu überzeugen.




