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Die Katzenmutter

Phyllis Zorbas verbrachte ihr bisheriges Leben in dem nun baufälligen kleinen haus am Rande des Dorfes Zaingrat, wo sie in einer stürmischen, klirrend kalten Winternacht geboren wurde. Ihr ganzer Stolz war das Gärtchen, das ihr Haus umschloss, wo sie Rosen züchtete. Oft blieben Spaziergänger stehen, um die bunte Blütenpracht zu bewundern. Phyllis bewohnte ihr Haus mit drei Kater, die ihre Namen griechischen Philosophen verdankten. Der schwarze Kater hieß Sokrates, der graue Platon und der rote angorakater Aristoteles. Das Faible von Griechenland hatte sie von ihren Eltern übernommen, obwohl sie selbst nie dort gewesen war. Mittlerweile hatte Phyllis ihren 74. Geburtstag gefeiert. So, wie die kleinen Wehwehchen ihr Leben bereicherten, trat der Traum vom Griechenland in den Hintergrund. Es war nur eine Woche her, dass Phyllis wieder ihre Nachbarin und Freundin Herta beerdigt hatte. In das Haus der jüngst Verstorbenen zog eine junge Familie mit zwei Töchtern im Volkschulalter ein. Sie kamen aus der Stadt. Phyllis mied diese Städter, die ihre Katzen mit Butterkeksen ködern wollten. Ihre Jungs, wie sie die alte junge Frau sie nannte, waren nicht an Kekse interessiert. Phyllis wusste wohl, dass sie Leute hinter ihrem Rücken über sie sprachen. Sie hielten sie für durchgeknallt mit Katzentick. Sokrates schmiegte sich leise mauzend an ihre Beine, um sie zu trösten. Dankbar kraulte sie dem Kater hinter die Ohren. Seit Herta tot war, wich er kaum von ihrer Seite. Er befürchtete wohl irgendwelche Dummheiten ihrerseits. Es war tatsächlich so, dass Phyllis von Tag zu Tag die Freude am Leben verlor. All ihre Freunde wurden ruhten in ihren Gräbern und mit ihren Nachbarn hatte sie nichts gemein. Die Tage, die nun kürzer wurden, verstrichen und ebneten dem herbst dem Weg. An manchen tagen lichtete sich kaum der Nebel. Phyllis litt zum ersten Mal an Depressionen. Frost überzog den kleinen Rosengarten, doch die alte Frau mit den drei Katzen hatte seit Tagen niemanden mehr gesehen. Ihre Nachbarn sorgten sich erst, als einige Tage später der erste Schnee fiel. Phyliss` Rosen trotzten dem Schnee und den Frost, reckten ihre bunten Köpfe durch den Neuschnee, wodurch sie sich noch ein bisschen Herbst bewahrten. Die Menschen gingen ihn sich, um sich plötzlich in besinnlicher Weihnachtsstimmung um ihre Mitmenschen zu kümmern. Phyllis` Nachbarn vermuteten ein Verbrechen oder Schlimmeres den die Schneedecke in ihrem Garten blieb noch Tage später unberührt. Nicht ein Pfotenabdruck war zu sehen. Schließlich riefen die Nachbarn die Polizei um ihr Gewissen zu beruhigen. Die Beamten brachen die Haustür der alten Frau auf, schalteten das Licht ein und blickten sich erstaunt um. Das Haus war sorgfältig aufgeräumt, die Kästen teilweise geleert und die Futternäpfe der Katzen waren verschwunden. Auf dem Küchentisch lag eine Reisebroschüre über Griechenland und ein Brief, der „ an alle neugierigen Nachbarn“ adressiert war. Der Brief selbst war kurz und bündig.

„ Nach langen Überlegungen habe ich mich entschlossen, mit meinen Katzen Urlaub zu machen. Griechenland soll ja zu jeder Jahreszeit schön sein.

Eure durchgeknallte Phyllis Zorbas.

P.S.: Wartet nicht auf mich! ``

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