Sie sind hier:Teilnehmer / "Junge Autoren" / Archiv / 

Prämierte Kurzgeschichten: 1. Halbjahr 2006

Nachwuchsförderung wird bei der Schule des Schreibens groß geschrieben. Lesen Sie hier die besten Kurzgeschichten unserer „jungen Autoren“ 2006 und warum unsere Jury diese Geschichten ausgewählt hat. Auch Ihre Geschichte könnte schon bald dabei sein!

1. Eva Maria Nielsen – Mein ist die Rache

Dies ist ein berührender und leiser Text, der sich mit dem immer noch tabuisierten Thema Missbrauch eindringlich beschäftigt. Es geht um die Bewältigung einer traumatisierenden Kindheit, die sich nur über Abgrenzung erkennen und verarbeiten lässt. Die Stärke der Autorin zeigt sich in ihrer klaren Sprache, die eine bestechende Beschreibung hervorbringt. Pathosfrei verbindet sie ihre Schilderung einer Reise in die verkrustete Vergangenheit mit dem Symbol des Winters als Synonym für Abschied und Bewältigung.

2. Johanna Kullmann – Schatten an der Wand

Auch hier greift eine talentierte Autorin das Thema dunkle Kindheit auf und arbeitet dabei mit schon wirklich ausgereiften Techniken: der innere Monolog der Mutter zeigt überdeutlich jegliches Abgeben von Verantwortung. Hier können wir durch den Perspektivenwechsel zwischen alkoholkranker Mutter und hilflosem Kind die ganze Tragödie sehen, die noch bevorsteht.

3. Astrid Schwarz – Cappuccino mit Erotik

Schwarz konfrontiert den Leser mit leichter Sprache und beschwingtem Stil mit der Thematik lesbische Liebe. Dabei gelingt es ihr, das Innen und Außen der Hauptfigur ganz deutlich zu zeichnen: über feine Beschreibungen und die schön gewählte Metapher des sinnlichen Kaffeetrinkens als Ausdruck für weibliche Erotik muss jedes Tabu für den Leser fallen.

4. Susanne Dressler – Kugelrot und Knofelgrün

Eine alte Frau bringt eine alte Frau um: die Autorin widmet sich dem traditionellen Sujet mit neuer Sichtweise. Nach jahrelanger Gemeinschaft verkehrt sich die entstandene Symbiose zweier Menschen in erkennenden Hass, der zum unweigerlichen Ende führen muss. Dressler arbeitet schon gekonnt mit Andeutungen, leisem Humor und undramatischem Spannungsaufbau.

5. Sybille Baecker – Morgengrauen

Ein Mann bringt eine Frau um, sein Entschluss steht unerschütterlich fest: die Autorin widmet sich einem traditionellen Sujet. Das Neue und Überraschende in diesem Psychodrama ist die Verbindung von äußerer und innerer leerer Anonymität, die Figuren wirken recht stereotyp und das Motiv des Mörders bleibt ganz und gar unklar. Gerade deswegen aber lebt diese Arbeit ausschließlich über den Spannungsbogen und das unvermeidliche Ende.

6. Katharina Baumfeld – Die Sache mit dem Regenschirm

Eine alltägliche traurige Situation beschreibt Baumfeld: die Hauptfigur leidet unter ihrer Lebenssituation und überträgt ihr Unvermögen in sich immer wiederholende Handlungen, die nur schwer zu durchbrechen sind. Mit den Techniken der geschickt eingesetzten Wiederholung, de komödiantischen Schilderungen und dem lebendigen Stil macht die Autorin das Verbohrte der Hauptfigur in dieser Tragikomödie ganz und gar plastisch.

7. Hans-Gerd Küster – Komm doch mal her

Der Autor lässt uns einen erschütternden Blick in die Seele eines Kindes werfen, das durch lieblose Vernachlässigung nicht nur verlernt hat, altersgemäß zu spielen, sondern auch dem Rückzug in die Einsamkeit mehr Raum geben muss als dem wirklichen Leben. Ein bedrückendes Thema, das Küster mit klarem und nüchternem Stil kreativ literarisch verarbeitet.

8. Christian Slenczka - Knock-out

Zwei Kleinkriminelle sind herrlich dumm und haben einen ganz normalen Wunsch. Slenczka gelingt es mit überaus charakterisierenden Dialogen und treffenden Schilderungen, den Leser vom naivem Antrieb und der Unfähigkeit der Protagonisten, zu große Erwartungen auf ein erfüllbares Maß zu reduzieren, zu überzeugen und lässt ihn mit einem zufriedenen Lächeln zurück.

9. Bettina Hartmann – Der Ring

Präzise und mit kompakter Textstruktur kommt die Autorin mit ihrem Psychogramm von Mutter und Kind auf den Punkt: die Sehnsucht nach mehr Liebesfähigkeit verleitet eine zutiefst unzufriedene Frau, zu betrügen und zu verletzen. Nichts wird sich ändern, daran vermag auch die Symbolik des eigentlich verbindenden Ringes nicht zu rütteln.

10. Michael Heimerl – Erwischt

Der Text bietet eine schöne Studie einer sich steigernden Verwirrung und lässt dem Leser keine Chance, sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit einer deutlich werdenden Psychose identifizieren und erlebt direkt den inneren Kampf der Hauptfigur bis zur Selbstberuhigung mit. Die selbstironische Schlusswendung, die das eigentliche Entsetzen nicht abmildern, sondern verstärken soll, rundet diese Arbeit klar ab.

Entdecken Sie jetzt
Ihr Schreibtalent
 
  Schreiben lernen mit dem Leitfaden von der Schule des Schreibens Herr Frau
Persönliche Beratung Online anmelden Gratis-Newsletter