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Morgengrauen

Ein unerwünschter Druck auf ihre Blase weckte Katie in den frühen Morgenstunden. Sie öffnete nicht gleich die Augen, versuchte, ihren Körper zu überreden, weiterzuschlafen. Erfolglos. Es war fünf Uhr morgens und sie musste zur Toilette. In T-Shirt und Slip schlich sie aus dem Zimmer. Erst im Flur erinnerte sie sich, das Peter nicht zu Hause war. Sie musste sich nicht bemühen, leise zu sein.

Im Dunkeln huschte sie schlaftrunken zur Toilette. Als sie die Spülung betätigen wollte, ließ ein Geräusch sie zusammenzucken. Sie lauschte. Eine Tür wurde geöffnet, leise Schritte. Ihr Herz erstarrte mitten im Schlag. Einbrecher. Ein Dieb war in ihrem Haus und sie war allein. Während sie Peter und seine Geschäftsreisen verfluchte, wurden im Wohnzimmer Schubladen aufgezogen und wieder geschlossen. Ihr Herz holte seinen Aussetzer nach, in dem es begann, in rasanter Geschwindigkeit gegen ihre Brust zu hämmern. Die Kälte der Fliesen kroch über ihre nackten Füße in ihren Körper.

Was sollte sie tun? Flucht, war ihr erster Gedanke. Konnte sie aus dem Fenster klettern? Im fahlen Licht der Morgendämmerung sah sie die Umrisse des kleinen Fensters. Sie müsste auf die Toilette steigen und sich dann über die Fensterbank durch die schmale Öffnung heben. War sie stark genug? Konnte sie diesen Fluchtversuch unbemerkt wagen? Sie sah sich bereits halb durch die Fensteröffnung hindurch gekrochen, während der Einbrecher sie von innen wieder zurückzog. Die Vorstellung schnürte ihr die Kehle zu. Vielleicht stand vor dem Haus auch ein Komplize. Entmutigt verwarf sie den Gedanken wieder.

Im Flur schepperte die Bodenvase. Der Dieb war anscheinend dagegen gestoßen und versuchte, das Geräusch zu ersticken. Ihre Augen suchten den Toilettenraum ab. Gab es irgendetwas, was sie zu ihrer Verteidigung einsetzen konnte? Sie hätte heulen mögen, wagte aber kaum, zu atmen. Was, wenn der Einbrecher die Tür öffnete? Der Raum war klein, sie konnte sich nirgends verstecken.

In der Wohnung wurde es still. Vielleicht war der Einbrecher wieder fort, hoffte sie. Es gab ja auch nichts, was sich zu stehlen lohnte. Sie wollte erleichtert aufatmen, als sie erneut Schritte hörte. Er ging zum Schlafzimmer. Abermals stockte ihr der Atem. Jetzt würde er das zerwühlte Bett finden. Ein leises Klacken erklang, dann wechselten die Schritte die Richtung. Der Fremde war im Arbeitszimmer, verschüttete geräuschvoll den Inhalt der Schränke auf dem Boden. Er fühlte sich sicher. Vielleicht dachte er, sie wäre nicht zu Hause? Sie überlegte, ob sie die Chance nutzen sollte, um aus dem Klo hinaus und aus der Wohnung zu rennen. Das Arbeitszimmer befand sich schräg gegenüber der Toilette, entgegengesetzt zur Haustür. Doch bevor sie diesen Entschluss umsetzen konnte, hörte sie wieder Schritte. Sie kamen auf die Tür zu, hinter der sie sich verbarg. In ihrer Panik griff sie zur Klobürste, stellte sich, wild entschlossen ihre Ehre und ihr Leben zu verteidigen, vor die Tür.

Die Tür wurde aufgestoßen. Sie schrie, der Mann schrie. Er wich einen Schritt zurück. Sie konnte sich nicht bewegen, stand mit erhobener Klobürste schreiend im Toilettenraum. Dann erstarb ihr Schrei. Vor ihr stand Peter. Erschöpft und erleichtert ließ sie ihren Arm sinken.

„Katie, warum bist du nicht im Bett?“

Etwas an der Art, wie er es sagte, irritierte sie. Ihr Blick fiel hinter ihn, in das Arbeitszimmer. Papiere und Ordner lagen wild auf dem Boden verstreut. Was hatte das zu bedeuten? Sie sah Peter fragend an, ihr Herzschlag beruhigte sich nur langsam. Warum war er überhaupt hier? Viel zu spät sah sie die Pistole in seiner Hand, mit Schalldämpfer. Es war das letzte, was sie sah.

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