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Josua
Er lässt seinen Blick nicht ab von diesem Stück Leben. Für einen Moment vergisst er die Trauer. Um ihn herum rennen viele Menschen durcheinander, rempeln ihn an, schimpfen ihm hinterher, während sie eilig weiterlaufen. Er steht allein, mit seinem Apfel. Mit dem Daumen streicht er zärtlich über die weiche Schale. Die Welt um ihn versinkt. Langsam dringen die Erinnerungen in sein Bewusstsein.
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Erde spritzte ihm entgegen. Staub überdeckte seinen kleinen Körper. Sein Schädel brummte von der Explosion. Die Schreie drangen gedämpft an seine schmerzenden Ohren. Die Hand seiner Mutter krallte sich in seine. Ihr Gewicht riss ihn zu Boden. Er wollte aufstehen, aber die Hand seiner Mutter hielt ihn unten. Er zerrte und zog. Doch sie gab nicht nach. Erst jetzt drehte er sich zu ihr. Seine Mutter lag am Boden. Riesige Augen starrten ihn an. Ihr Mund weit aufgerissen. Erde und Staub bedeckten ihren Körper. Blut quoll aus ihrer Hüfte. Ihr linkes Bein fehlte. Noch im Tod krallte sie sich an ihren Sohn. Josua starrte auf seine Mutter. Sein Puls ging immer schneller. Schwer keuchend versuchte er sich mit aller Gewalt, von der Hand seiner Mutter zu befreien. Er zerrte und zog an den schlanken Fingern seiner Mutter. Doch sie bewegten sich nicht. Im Staub sitzend, stieß er sich mit den Beinen ab. Krallte seine freie Hand tief in den Arm seiner Mutter. Endlich gab sie ihn frei. Er sc haute auf seine Mutter. Reglos stand er da. Der Donner einer weiteren Bombe schreckte ihn auf. Am Ende der Straße sah er ein Haus in sich zusammenfallen. Er warf eine letzten Blick auf seine Mutter. Dann rannte er los.
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Ein blutüberströmter Mann stolpert an ihm vorbei, stößt ihn hart in die Schulter, so dass Josua beinahe seinen Apfel verliert. Fest presst er ihn mit beiden Händen an seine Brust. Der Mann starrt ihn aus schreckensgeweiteten Augen an. Unverständliche Laute entrinnen seinen Lippen. Blut quillt aus einer Wunde an seinem Kopf, fließt ihm über das linke Auge, den Hals hinab. Er hält sich den rechten Arm. An der Stelle, an der die Hand sein sollte, ist nur Dreck, Blut und Knochensplitter. Josua zittert. Ein Mann mit weißem Kittel kommt und führte den Verletzten weg.
Lange starrt dieser noch Josua an, wispert Unverständliches. Der Mann wendet seinen Blick erst von Josua ab, als der Arzt ihn auf ein Krankenbett setzt und seine abgerissene Hand untersucht.
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Die Stimmen aus dem Lautsprecher drangen nur leise an sein Ohr. Er verstand die Bedeutung der Worte nicht. Das einzige, was er verstand war, dass sie aufgefordert wurden, ihre Wohnung zu verlassen. Sein Vater packte eilig ein paar Sachen in einen kleinen Rucksack. Am Tisch saß seine Mutter und weinte. Josua stand mitten im Zimmer. Er zitterte am ganzen Körper. Brüllend saß seine Schwester auf dem Boden. Dicke Tränen rollten über ihre Wangen. Der Vater warf sich den Rucksack über die Schulter und setzte sich das weinende Baby auf die Hüfte. Lange sah er seiner Frau in die Augen. Seine Hand strich zärtlich über ihr Haar. Die Mutter drückte ihre Wange in seine Hand. Schließlich nahm sie Josua bei der Hand und sie verließen eilig die Wohnung. Aus allen Häusern kamen Leute auf die Straße gelaufen. Viele hatten einen Rucksack auf dem Rücken oder trugen Koffer. Alle rannten die Straße hinab. Josua und seine Mutter rannten mit dem Strom. Der Vater war ihnen ein paar Schritte voraus, das Baby fest auf dem Arm.
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Eine Frau kniet sich vor ihn. Sie trägt einen weißen Kittel, der mit roten Flecken übersät ist. Ein Stethoskop hängt um ihren Hals. Sie redet hastig auf ihn ein. Josua hat Schwierigkeiten, ihren Worten zu folgen. Er entziffert, dass sie wissen will, ob er Schmerzen habe, ob er verletzt sei. Josua schüttelt den Kopf. Sie tastet ihn ab. Kopf, Arme, Beine befühlt sie mit beiden Händen. Als sie sieht, dass er wirklich nicht verletzt ist, steht sie auf und läuft eilig weiter. Josua blickt wieder auf seinen Apfel hinab.
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Josua stolperte allein durch die Straßen. Die Erwachsenen rannten über ihn hinweg. Sie sahen ihn nicht. Plötzlich kniete ein Mann vor ihm. Ein Soldat. Josua erstarrte. Das Gesicht des Soldaten war staubig. Sein Gewehr hing an seiner Seite. Der Lauf deutete auf Josua. Der Soldat sagte etwas, doch Josua verstand die Sprache nicht. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er den Soldat an. Dieser griff mit beiden Armen nach Josua. Josua wollte sich gegen den Soldaten wehren. Doch dessen Arme waren zu stark. Sie packten den Jungen und hoben ihn hoch. Der Soldat stand auf und hielt Josua mit dem linken Arm fest. Mit der rechten Hand griff er nach seinem Gewehr. Er drehte sich um und rannte los. Josua zitterte. Der Soldat rannte mit ihm die Straße entlang. Er bog in eine Seitenstraße und blieb vor einem großen Haus stehen. Über dem Eingang flatterte eine weiße Flagge mit einem roten Kreuz darauf. Der Soldat ging in das Gebäude. Drinnen rannten viele Menschen durcheinander. Stimmengewi rr vermischte sich mit Schreien. Der Soldat setzte Josua ab. Er führte ihn zu einem Stuhl und deutete ihm, sich darauf zu setzen. Er kniete sich zu ihm herab und sprach auf ihn ein. Als er merkte, dass Josua seine Sprache nicht verstand, sagte er in Josuas Sprache, langsam und mit starkem Akzent, zwei Worte: Hospital! Sicher! Der Soldat griff in seine Tasche und holte einen Apfel hervor. Er wischte den Apfel an seiner Uniform ab und gab ihn Josua. Als Josua den Apfel genommen hatte, stand der Soldat auf und verließ das Gebäude. Josua sprang von dem Stuhl. Er wollte dem Soldaten hinterherlaufen, doch dieser war schon verschwunden. Er blickte auf den Apfel in seinen Händen. Das grelle Licht der Neonröhren spiegelte sich in der wachsigen Schale.
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Der laute Knall einer Bombe bringt alle zum Schweigen. Josua wird durch den Raum geschleudert. Er spürt, wie etwas Schweres auf ihn fällt. Schmerzen durchzucken seinen kleinen Körper. Die Lichter flackern. Steinbrocken fliegen durch den Raum. Staub macht das Atmen unmöglich. Alles ist still. Die Hektik weicht unheimlicher Starre. Plötzlich bricht Panik aus. Schreie quälen die betäubten Ohren. Menschen rennen durcheinander, suchen einen Ausgang, den es nicht mehr gibt. Bombendonner erschüttert das Gebäude. Josua ist unter Trümmern begraben. Nur sein linker Arm mit dem Apfel darin ist frei. Sein Blick klebt am Apfel. Er spürt seine Kraft schwinden. Langsam öffnet sich seine Hand. Der glänzende Apfel rollt über den Boden. Zieht eine kleine Spur in den Staub. Schaukelnd kommt er zu liegen. Seine Schale glänzt ungetrübt. Josuas Lider werden schwer. Sein Atem wird flacher. Er hält den Blick auf dem Apfel. Bis ihm die Augen zu fallen.



