Kurzgeschichtenwettbewerb I / 2007
1. Katrin Ressel – Eine Geschichte über eine unausgesprochene Liebe
Dies ist ein auf das Wesentliche reduzierter Text, der sich ganz auf die Emotionen konzentriert, die unerfüllte Sehnsucht produzieren kann. Die Autorin verzichtet scheinbar bewusst auf alles Beiwerk: keine unnötigen Beschreibungen von Figuren und Umgebung, keine Szenenaufbauten und nur ein einziger Dialog. Gerade deswegen aber überzeugt diese Arbeit, denn wir bekommen ein klares Bild von den beiden Akteuren, die sich die gegenseitige Anziehung nie eingestehen.
2. Fritz Mädler – Wie uns der Dorfpolizist von Beeveren zu einer neuen Bleibe verhalf
Eine Geschichte, die uns in die kalten und bedrückenden Nachkriegszeiten versetzt: die Konsequenzen der Vertreibung aus der Heimat und die meist eher feindselige Duldung an neuen Orten im Westen Deutschlands kann Mädler in dieser Arbeit über feine Beschreibungen, die klare Bilder hervorrufen und pointierte Dialoge, die Ablehnung und Menschlichkeit zugleich ausdrücken, transportieren.
3. Kerstin Peske – Lehrjahre sind keine…
Nichts ist schwerer, als die Tragikomik alltäglicher Situationen so herauszuarbeiten, dass der Leser nicht gelangweilt gähnt: es gilt, auf eine unvorhersehbare die Pointe am Schluss hinzuarbeiten und dabei den Leser bei der Stange zu halten. Dies gelingt Peske mit leichter Hand, spritzigem innerem Monolog und der Wiedergabe von Dialogen, in denen sich jeder wieder erkennt.
4. Ewald Weber – Die Fahrscheinkontrolle
Ein belehrender Bildungsbürger, der kleinlich auf unnötigem Recht besteht, nur weil es eine Vorschrift gibt: Weber entwirft eine herrlich komisch überzeichnete Figur, die durch die Gegenspielerin, die die Stellung des erstaunten Lesers repräsentiert, erst recht glänzen kann. Diese Arbeit überzeugt vor allem durch die Technik der kompakten, schnörkellosen Dialogtechnik, die das Absurde des Inhalts wunderbar herausarbeitet.
5. Nils Rohn – Nur eine kleine Rundfahrt
Eigentlich legt Rohn hier nur einen kleinen Kalauer in langer Form vor: mit knapper Einführung der Protagonisten, die die Eigenschaften dumm, klug und schadenfroh verkörpern und präziser Herausarbeitung der Pointe gelingt es ihm über die klare Dialogtechnik und sparsamsten Beschreibungen, Witz im Alltäglichen zu verdeutlichen.
6. Monika Kienpointner – Wiedersehen
Beitrag auf Wunsch der Preisträgerin gelöscht.
7. Marta Smoczynska-Knüpfer – Die Versuchung
Die Autorin legt hier eine sehr schöne Umsetzung der siebten Grundschul-Aufgabe vor: ohne Klischees und schnörkeliges Pathos zeigt sie uns einen ganz normalen Familienvater, der der Verlockung des Fremdgehens fast nicht widerstehen kann. Dass die Verführung den Namen Eva trägt, kann kein Zufall sein. Überzeugend an diesem Text sind der direkte Einstieg und der elegant gehaltene Spannungsbogen.
8. Annette Kaiser-Tiede – Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Niemand, der das größte der Geschwister war, kennt dies nicht: Eifersucht, Groll und das vom-Thron-der–Einzigartigkeit-gestoßen-sein bewegt jedes Kind, das sein bisheriges Leben fortan mit einem Neuankömmling teilen soll und in den Konflikt mit moralischen Vorgaben gerät. Kaiser-Tiede widmet sich dem alltäglich wiederkehrenden Tabu, indem sie sich behutsam in Denken und Fühlen eines Neunjährigen einarbeitet.




