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Kurzgeschichtenwettbewerb II / 2007


1. Gabriele Dummschat - Rinderfilet

Dies ist ein auf das Wesentliche reduzierter Text, der sich ganz auf die Emotionen konzentriert, die eine plötzliche Bedrohung auslöst. Die Autorin verzichtet auf alle unnötigen Beschreibungen von Figuren und Umgebung, verzettelt sich nicht in Szenenaufbauten und konzentriert sich auf die überraschende Wendigkeit einer alten Frau, die vor nichts zurückschreckt. Damit zeigt Dummschat, dass sie Kurzgeschichten¬schreiben nicht mehr lernen muss: sie beherrscht es.

2. Bettina Tenge-Lyazami – An einem heißen Sommertag
Hier erleben wir ein Kammerspiel, das dem Leser Einfühlungsvermögen in die Dramaturgie eines Dialogs abverlangt. Die Autorin spielt vortrefflich mit Vorurteilen und Klischees, so dass man sich erschrocken an die eigene Voreigenommenheit erinnert fühlen muss.

3. Ute Mählert – Flucht
Die Autorin greift das Thema Kinderverschleppung auf, und verarbeitet es über reine Beschreibung und die innere Stimme eines gepeinigten Kindes. Ein Text, der ganz ohne Dialoge auskommt und eine atemlose Spannung aufbaut, die auch nach dem Lesen nicht nachlassen will.

4. Monika Fabry – Das schwarze Schaf
Hier erkennen wir ein wirklich ausbaufähiges Talent für das Krimischreiben. Die Autorin verbindet scheinbar mühelos die wichtigsten Aspekte dieses Genres: Tod, Liebe und Psychose. Schön abgerundet wird das Drama durch ironische Erzählweise und gekonnte Zeitsprünge und die Adaption eines noch neuen Typs: die weibliche Auftragskillerin.

5. Gabriele Roth-Petrik – Der Fluch des Schamanen
Diese herrlich komische Zeichnung eines kleinen Rachefeldzugs überzeugt durch klaren und pointierten Stil, und nimmt die tausendfach sich abspielenden Trennungsszenarien auf die Schippe. Diese Arbeit überzeugt uns auch deshalb, weil die Autorin es schafft, den Leser mit unvorhersehbaren und kreativen Wendungen zu überraschen.

6. Waltraud Zeller – Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf
Präzise und mit kompakter Textstruktur kommt die Autorin mit ihrem Psychogramm einer Frau, die sich davor drückt, sich der technisierten Welt zu stellen, auf den Punkt: die Alltags-Komik, die daraus folgt, arbeitet Zeller überzeugend heraus. Dabei verwendet sie elegante Beschreibung und fließende Übergänge, die die Tragikomik um so mehr betonen.

7. Claudia Edelmann - Am Abgrund
Diese Arbeit greift das aktuelle Thema „Kinderarmut“ in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, auf. Zwischen den Zeilen lautet die Botschaft: wie kann das möglich sein. Edelmann transportiert sie durch das Er- und Ausleben ihrer anrührenden jugendlichen Hauptfigur, die die Chancenlosigkeit schon hinnimmt.

8. Susann Wessollek – Vom Blatt, das sich gewendet hat, bevor es abgefallen ist.
Ein Nachbarschaftsdienst entwickelt sich zur großen Belastung: die Sorge, die jeder kennt, der sich um Anvertrautes kümmert – und den Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Wie Wessollek den Leser in die sich steigernde Nervosität der Ich-Erzählerin und die psychotische Passion der Nachbarin hineinzieht, ist ganz und gar gelungen.

9. Elke Meyer – Der Nachbarshund
Die Autorin zeigt komödiantisches Talent: Mithilfe des klassischen Aufbaus der Kurzgeschichte und feinem Wechsel zwischen innerem Monolog und Situationsbeschreibung entwirft sie das Bild eines typischen Hausbesitzers, der in seinen Nöten und Ärgernissen immer gefangen sein wird.

10. Karen Ehlers – Prost Weihnachten
Der Text bietet eine schöne Studie einer sich steigernden Unzufriedenheit und lässt dem Leser keine Chance, sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit der Weihnachtsunlustigen identifizieren und erlebt direkt deren inneren Kampf bis zur Selbstberuhigung mit. Die selbstironische Schlusswendung rundet diese Arbeit klar ab.

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