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Der Fluch des Schamanen
Walter Zeitler war ein Antiquitätenhändler mit Leib und Seele. Er besaß einen kleinen Laden in der Nähe des Stadtzentrums und hatte sich zu einem tüchtigen Geschäftsmann entwickelt. Vor einem Jahr hatte seine Frau Vera ihm mitgeteilt, dass sie sich von ihm trennen würde. Sie sagte, er sei „alt“ geworden und genauso langweilig wie die Gegenstände in seinem Laden.
Da er recht wohlhabend war, wurde die Scheidung zur Schlammschlacht, in welcher Vera um jeden Cent feilschte, den sie kriegen konnte. Mittlerweile lebte sie auf seine Kosten bei ihrem neuen Lebensgefährten und ließ es sich gut gehen.
Abends saß Walter allein in dem kahlen Haus, das ihm noch geblieben war. Die meisten Möbel hatte sie mitgenommen. Die Räume standen leer und hatten jede Gemütlichkeit verloren. Seine einzige Freude war noch der Antiquitätenladen. Er liebte die Atmosphäre, die ihn jeden Tag beim Betreten umfing: Es roch nach Möbelpolitur, Leder und Duftkerzen. Auf den Regalen standen Kristallgläser, Porzellanvasen, Nippesfiguren und allerlei Krimskrams; es gab alte Möbel, Holzkästen mit Silberbestecken, Ölgemälde und verschiedene Schmuckstücke. Sein Geschäft hatte sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht und viele Kunden kamen regelmäßig, um nach etwas „Besonderem“ zu stöbern.
Erst kürzlich hatte er auf einer Auktion einen kleinen Tonkrug ersteigert. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Opfergefäß, das sich früher angeblich im Besitz eines Schamanen befunden hatte. Ein Kollege warnte ihn noch: „Pass lieber auf, solche Gegenstände sind manchmal mit einem Fluch belegt und sollen ihren neuen Eigentümern Unheil bringen!“
„So ein Mumpitz“, dachte Walter und stellte das Gefäß in eine Vitrine in seinem Laden.
Tags darauf überkam ihn eine seltsame Müdigkeit. Er schlief stundenlang und verließ kaum noch das Haus. Sein Geschäft blieb geschlossen. Die Leute wunderten sich zwar, dachten aber dass er verreist sei. Ein paar Tage später hatte sich sein Zustand so sehr verschlechtert, dass er beim Blick in den Spiegel sichtlich erschrak. Er sah furchtbar aus: Seine Haut schimmerte grau, er hatte eingefallene Wangen und sein Haar war schütter geworden. Irgendwie hatte er das Gefühl, um Jahre gealtert zu sein. Selbst ein Besuch bei seinem Hausarzt brachte keinen Befund. „Herr Zeitler, ich weiß nicht, was mit Ihnen los ist, aber Ihr Gesundheitszustand ist mehr als bedenklich. Sie sollten besser auf sich Acht geben, sonst werden Sie nicht mehr lange zu leben haben!“
Entsetzt verließ Walter die Praxis. Er schlurfte mit schweren Schritten zu seinem Wagen, jede Bewegung stellte mittlerweile eine Anstrengung für ihn dar. Nach ein paar Kilometern Autofahrt war er am Ende seiner Kräfte. „Ich werde sterben“, ging es ihm durch den Kopf, als er mit dem Fahrzeug an den rechten Straßenrand steuerte und erschöpft über dem Lenkrad zusammenbrach. Es war in diesem Augenblick, als ihm der kleine Tonkrug wieder einfiel.
Eine Woche später öffnete er wie gewohnt seinen Laden. „Hallo Herr Zeitler, Sie sehen ja richtig erholt aus!“ rief ihm seine Nachbarin zu. „Ach, ich hatte nur eine schlimme Grippe, aber jetzt geht es mir wieder richtig gut“, erwiderte Walter mit einem zufriedenen Lächeln auf seinem Gesicht.
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Es war ein schöner Frühlingstag, an dem Vera damit beschäftigt war, Geranien in ihrem neuen Vorgarten zu pflanzen. Der Duft von frisch gemähtem Gras lag in der Luft. Sie grub gerade das Blumenbeet um, als sie plötzlich auf etwas Hartes stieß. „Ein Stein“, dachte sie zuerst, konnte kurz darauf jedoch fühlen, dass es sich um etwas Rundes handelte. Vorsichtig entfernte sie die Erde und zum Vorschein kam ein kleiner Tonkrug. „Der ist ja hübsch“, ging es ihr durch den Kopf, „der passt bestimmt ganz wunderbar auf das Fensterbrett in der Küche.“ Mit ihrem Fund in der Hand stand sie auf und ging ins Haus.



