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Das Ende eines Ausflugs

„Hat er geredet?“, fragte der Tierpfleger, als er hereinkam.

David drehte sich zu ihm um.

„Er hat vorhin Guten Tag gesagt und ein Kinderlied gesungen.“

„Was, ein Kinderlied??“

„Ja, Bruder Jakob.“

Verblüfft schaute Pfleger Thomas zum Käfig. Das war ein Durchbruch, denn bisher hatte ihr neuer Gast nur belangloses Zeug von sich gegeben.

Er ging hinüber zur Voliere und betrachtete das schöne Tier eingehend. Ein Afrikanischer Graupapagei, kerngesund und eigenwillig. Ein paar Tage war es jetzt her, als die Polizei die Hilfe der Tierklinik angefordert hatte. Es galt, einen entflohenen Papagei von einem Baum im Stadtpark herunterzuholen. Was sie dann mit einiger Mühe auch geschafft hatten.

Der Papagei beobachtete Thomas von der Seite her. Äußerst kritisch, wie ihm schien. Trotzdem machte er einen Versuch.

„Hallo, mein Lieber. Wenn du Bruder Jakob singst, kannst du mir sicher auch sagen, wie du heißt.“

Der Papagei wankte auf den Füßen hin und her und schwieg.

Thomas zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder David zu.

„Du kümmerst dich heute um die Tiere im Aufwachraum. Und hole mich, wenn der Labrador bereit zur Heimkehr ist. Die Besitzer haben bereits angerufen und nach ihm gefragt.“

Thomas machte sich daran, den Käfig nebenan auszuräumen. Dort war bis gestern ein Falke mit einem verletzten Flügel einquartiert gewesen.

David zögerte einen Moment. Thomas schaute auf.

„Was ist?“

David wies auf die Voliere. „Ich dachte, ich könnte weiter mit dem Papagei arbeiten. Ich habe das Gefühl, wir sind nahe dran mit ihm.“

„Ja, ja“, meinte Thomas, „das kannst du später noch machen. Zuerst die Arbeit. Komm wieder her, wenn du mit den Patienten durch bist.“

Damit war für ihn die Diskussion beendet. Er hörte ein enttäuschtes „Ok.“, dann fiel die Tür ins Schloss.

Sofort wandte sich Thomas dem Papagei zu.

„So, so, du kleines Aas. Dem Azubi singst du Kinderlieder vor. Und was bekomme ich zu hören?“

Der Papagei hatte ihm den Rücken zugewandt. Thomas ging zur Voliere und betrachtete ihn nachdenklich.

„Weißt du, schon als Kind wünschte ich mir so einen Vogel wie dich. Wie habe ich meine Eltern bekniet, dass sie mir endlich einen Papagei kauften.“

Er seufzte.

„Dumm, wie ich war! Meine Mutter hätte das ohnehin nie vertragen. Sie vertrug ja nicht mal mich und meinen Bruder. Wir durften nicht laut sein, nicht raufen, nicht streiten, keine Freunde nach Hause bringen. Und dann haute sie ab. Kannst du dir das vorstellen?“

Der Papagei beäugte aufmerksam die Wand.

„Nein, so was kann man sich nicht vorstellen. Sie hat uns einfach im Stich gelassen. Ist mit nem Kerl abgehauen. Ohne einen Brief, ohne Abschied. Ich war damals elf, ich hätte mir gewünscht, dass man es mir erklärt! Aber mit Vater konnte man nicht darüber reden. Erst recht nicht, nachdem er vor unseren Augen die ganze Wohnungseinrichtung kaputt geschlagen hatte. Ausgerechnet die Hilde von gegenüber hatte uns die letzte Nachricht unserer Mutter überbracht; dass es aus sei und sie jetzt wieder leben wolle.“

Lange stand Thomas bewegungslos da. Dann griff er mit den Fingern ins Gitter.

„Zuerst hab ich geheult. Doch später wuchs ein Plan in mir heran.“ Ein Glitzern trat in seine Augen. „Bezahlen sollte sie für das, was sie uns angetan hat.“

Nach einer Weile fügte er leise hinzu: „Und sie hat bezahlt, glaub mir.“

Im Raum war es totenstill.

Beinahe zärtlich blickte Thomas auf das Tier im Käfig. Sekunden später unterbrach er die Stille.

„Wenn niemand eine Vermisstenmeldung aufgibt, werde ich dich übernehmen. Wir zwei, das wäre doch schön, oder?“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und David trat ein. Thomas drehte sich überrascht um.

„Das ging aber schnell.“

„Tja, Chef, alles erledigt. Der Labrador ist auf dem Damm. Er braucht noch Antibiotika für die erste Zeit zuhause.“

Thomas warf einen letzten Blick auf den Papagei. Das Glitzern war aus seinen Augen verschwunden. Er wandte sich ab, nahm sein Handy und tippte eine Nummer ein. Im Hinausgehen wies er David an, den leeren Käfig zu reinigen.

David hatte gerade ein Gitter entfernt und die Wasserschale aus der Halterung gehoben, als er ein Geräusch vernahm.

Er drehte sich um und schaute dem Graupapagei direkt in die Augen.

Der krächzte laut und deutlich: „Mein Name ist Toshi Mandara. Wohne in Dorneck. Mandara – will nach Hause, will nach Hause!“

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