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Praktikum

„Guck, Mama! Babyhund!“

Mein kleiner Hannes zeigte aufgeregt auf das Tigerkind, das neben seiner Mutter versuchte, einen Bissen Fleisch von einem blutigen Klumpen zu reißen. Jetzt war es geschafft - aber was für ein Stück. Viel zu sperrig, davon musste der Kleine noch ein Häppchen abtrennen.

Träge blinzelnd beobachtete die Tigerin die Bemühungen ihres Jungen. Das kaute schmatzend an seiner Mahlzeit, und – schluck – war der Brocken herunter. Oder? Doch nicht ganz. Der kleine Kerl fing an zu husten, reckte den Hals mit weit geöffnetem Rachen vor und würgte. Immer wieder hob er die breite Babypfote zum Kopf, kratzte und schabte vom Ohr über den Kieferknochen zum Hals, rutschte ab. Mit jedem neuen Versuch wurde die Bewegung schwächer und wiederholte sich schließlich nur noch als sinn- und ziellose Luftübung.

Die Trägheit war aus dem mütterlichen Blick vollständig gewichen. Die Tigerin fauchte irritiert, ihre Schwanzspitze begann heftig zu schlagen.

Das Würgen und Husten wirkte nun krampfartig, der Körper des kleinen Kerls begann zu zittern, immer heftiger. Entsetzt und panisch schaute ich um mich. War hier denn niemand, der helfen konnte? Hannes begann zu weinen.

Dort, ein junger Mann ging auf die Tür zwischen den Tigerkäfigen zu.

„Hallo, Sie! Schnell!“ Er schaute sich um, sein Blick folgte der Richtung meiner ausgestreckten Hand.

„Es hat sich verschluckt!“

In diesem Augenblick erstarrte der kleine Tiger mit weit vorgerecktem Hals, zitterte noch einmal und fiel seitlich um.

Die Tigerin war inzwischen aufgestanden und schubste das Junge mit einer Pfote.

Der junge Mann hatte die Situation sofort erfasst und tauchte bereits an einer kleinen Tür in der Rückwand des Käfigs auf. Er drängte die Tigerin von dem Jungtier ab und schob ein Trenngitter zwischen die beiden. Entschlossen griff er in den Schlund des Kleinen, zog und zerrte – nach einem Ruck hielt er den Fleischbrocken in der Hand. Das Tigerkind rührte sich nicht.

Der Wärter prüfte den Puls des Tieres und blickte dann fassungslos um sich.

„Ich bin Studentin. Medizin. Kann ich helfen?“

Er hörte mich nicht, bestand nur noch aus Entsetzen.

„Das Herz schlägt nicht. O Gott!“

„Lassen Sie mich rein, schnell! Ich versuch, ihn wiederzubeleben.“

Nach kurzer Zeit kam er mit einer Kollegin angerannt, der ich hastig meinen Hannes in den Arm drückte, dann hetzte ich hinter dem Tierpfleger her.

Im Käfig beugte ich mich über den kleinen Tiger. Ich begann sofort seinen weichen Brustkorb zu drücken. Wie oft musste man das machen bei einem Tiger? Keine Ahnung! Wie bei Kindern? Vielleicht.

„Ein sauberes Tuch.“

„Sofort.“

Weiter. Vorsicht, die Rippen sind noch so zart.

Jetzt Pause. Beatmen.

„Hier, das Tuch.“

Ich legte es über die Katzennase, umschloss sie mit meinen Lippen und schickte Atemstöße hindurch. Wieder Herzmassage. Atemstöße. Puls fühlen. Nichts. Weiter. Nicht müde werden. Herz. Atem. Fühlen.

Da! Puls! Das Herz schlägt.

Ich blicke auf, in die starren Augen des Pflegers. Ein tiefer Atemzug löst meine Verkrampfung. Der junge Mann erwacht aus seinem Alptraum.

Jetzt erst höre ich die Tigerin nebenan fauchen und maunzen.

Auf dem Arm der jungen Frau weint mein Kind vor den Gitterstäben. Ruft nach mir.

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