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Die Frau

„Nichts als Regen.“ Die Frau langweilte sich. Sie musste noch Wäsche waschen, die Betten machen, das Bad putzen, die Kinder abholen, kochen, mit den Kindern essen und so ging es in einem fort, jeden Tag. Sie musste hier heraus. Aber wie?

Sie setzte sich ins Auto und fuhr los.

Sie landete im Einkaufszentrum. Das war also die große Freiheit. Das An –probieren war furchtbar. Trotzdem kaufte sie schließlich ein Kleid. „ Immer gut aussehen für den Ehemann.“

Wenn sie sich beeilte, konnte sie noch die Kinder abholen. Also schnell zur Schule, die Kinder ins Auto gepackt und zwei Tiefkühlpizzen in den Ofen geschoben. „ Gleich gibt’s Essen!“

War sie eine schlechte Mutter? Das fragte sie sich, nachdem sie ordentlich die Küche aufgeräumt und sich mit ihrem Ältesten wegen der Hausaufgaben gestritten hatte, auf dem Balkon. In der linken Hand hielt sie einen wohlverdienten Kaffee, in der Rechten eine Zigarette. Es regnete noch immer. Gott sei

Dank war der Balkon überdacht.

Am Nachmittag hatte ihr ältester Sohn ein Fußballspiel. Im strömenden Regen.

Sie setzte sich durchnässt in den Vereinsraum und bestellte einen heißen Kakao. Sie hatte mit den anderen Müttern keinen Kontakt. Sie hatte sie genau

angeschaut, aber sie interessierten sie nicht.

Plötzlich fühlte sie sich beobachtet. Ihr gegenüber saß ein Mann und sah sie weiter an, als sie zurückschaute. Sie musste wieder wegsehen. Schließlich nahm sie all ihren Mut zusammen und blickte ihn an. Er gefiel ihr. Sie fragte

ihn: „ Spielt Ihr Sohn Fußball?“

„Na klar, wahrscheinlich bei den Gegnern. Ich habe Sie noch nie hier gesehen.“

„Ich bin zum ersten Mal hier. Es ist ein Auswärtsspiel.“

Eine Weile schwiegen sie.

„Darf ich Sie noch mal wiedersehen?“, fragte er, „Sie haben so ein wunderbares Lachen.“ Sie schluckte.

„Es ist sonst nicht meine Art. Aber vielleicht sehe ich Sie sonst nie wieder.

Würden Sie einen Kaffee mit mir trinken?“ Sie zögerte.

„Freitag um eins, mittags, im Café Flo. Bitte“, fügte er hinzu. „Um eins ist zu spät. Um zwölf?“ „Gut“ , sagte er und stand auf, „ich muss jetzt zu meinem Sohn.“

Was hatte sie gerade getan? Noch nicht einmal eine Telefonnummer hatte sie, um höflich abzusagen. Sie würde nicht hingehen. Schließlich war sie verheiratet.

Es wurde Freitag. Sie spürte ein Ziehen im Unterleib. Ganz zufällig zog sie sich supersexy an. Schwarzes Jerseykleid, sehr

figurbetont. Selbst auf die Unterwäsche achtete sie. Auch schwarz.“ Siehst du,

das willst du?“ Um zwölf war sie ohne nachzudenken in der Nähe vom Café Flo. „ Du Feigling“, sagte sie zu sich selbst und betrat das Café.

Er war schon da. Er trank einen Espresso. Seine dunklen langen Haare fielen ihm in die Augen. Sie setzte sich. Ihre Hände zitterten. Der Kellner kam.

„Einen Cappuccino, bitte“, bestellte sie. Sie sahen sich an. Er hatte dunkel –

braune, fast schwarze Augen. In seinen Haaren entdeckte sie das erste Grau. Wie alt mochte er sein? Seinen Mund wollte sie sofort küssen. „Sag mal, spinnst du?“, wies sie sich zurecht.

Noch immer hatten sie beide kein Wort gesprochen. Schweigend tranken sie ihren Kaffee, bezahlten und gingen vor die Tür. Draußen murmelte er:“ Das

war wohl keine gute Idee.“

Sie küsste ihn. Dann ging sie zum Auto.

„Wann sehen wir uns wieder?“, rief er ihr hinterher.

„Montag um zehn“, sagte sie , „ am gleichen Ort“, und war verschwunden.

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