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Johns namenlose Kinder
“Das Haus hat zwei Badezimmer”, sagte er. Meine Frau nahm meine Hand und schenkte mir ein Lächeln hinter dem Rücken des Maklers, der uns weiter darüber informierte, was für ein unglaubliches Schnäppchen das Haus war, nachdem was geschehen war.
“ Ich kann Ihnen noch den Keller zeigen. Natürlich nur, wenn Sie wollen”, sagte er.
“Klar”, sagte meine Frau. “Wo lang?” Der Makler antwortete nicht. Er war nicht begeistert davon, in den Keller zu gehen, das sah man, aber es war sein Job und in jedem Job gibt es schlechte Tage. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Tag einer der schlimmsten für ihn war. Wir folgten ihm die Treppe hinunter. Als wir unten waren, sah ich die Umrisse eines Mannes aus Kreide auf dem Boden.
“Es tut mir leid”, seufzte der Makler. “Die Putzfrau hat wohl vergessen, das wegzuwaschen. Vielleicht war sie auch nicht mal hier unten, obwohl sie mir beteuert hat, dass sie den Keller auch sauber gemacht hat. Nun ja, ich muss Ihnen gestehen, ich habe es auch nicht kontrolliert.”
“Wir sind nicht abergläubisch”, sagte meine Frau. “Aber vielleicht können Sie dafür vom Preis runterkommen.”
“Ich dachte, sie wären nicht abergläubisch”, sagte der Makler mit seiner charmanten Art, die er in diesem Moment auch dringend brauchte. Zwei Tage später zogen Alice und ich in unser neues Haus ein. In der ersten Nacht in unserem Haus fragte ich sie, ob sie Angst habe. “Wovor?”, fragte sie mich. “Vor toten Menschen? Ich habe mehr Angst vor den Lebenden als vor den Toten. Ich dachte, ich brauche nie mehr Angst zu haben. Das hast du mir an unserem Hochzeitstag versprochen, erinnerst du dich?”
“Ja, ich erinnere mich ganz genau”, antwortete ich. “Du weißt doch, ich habe ein starkes Gedächtnis.”
“Ich habe auch ein gutes Gedächtnis, junger Mann. Ich erinnere mich nämlich auch, dass du mir viele Kinder versprochen hast. Wie willst du das einlösen?” Ich nahm sie in meine Arme und trug sie in unser neues Schlafzimmer.
Als ich aufwachte, spürte ich, dass mein Körper sich nicht so schnell aufrichtete, wie ich mir gewünscht hätte. Durchs Fenster sah ich, dass es draußen immer noch dunkel war. Meine Frau war nicht im Bett. Ich hörte Stimmen aus dem Erdgeschoss. “Alice?”, rief ich. Die Worte klangen anders, nicht wie meine normale Stimme. Mein Hals war trocken. Ich brauchte Wasser. Ich ging ins Badezimmer und schaltete das Licht an. “Mein Gesicht!”, schrie ich. “Was ist mit mir passiert!” Die Stimmen, die von unten kamen, waren plötzlich still. Ich hörte Alice rufen: “John?”
Ich lief hinunter, so schnell ich konnte. “Nicht so schnell, nicht so schnell”, sagte eine alte Frau, die auf dem Sofa saß, ein Mann in meinem Alter und eine junge Dame neben ihr.
“Was zum Teufel geht hier vor?”, fragte ich. “Was ist mit mir passiert? Warum bin ich plötzlich so alt? Wo ist Alice?”
Die alte Frau stand vom Sofa auf, und kam zu mir herüber und wollte meine Hand nehmen. Ich wich ein Stück zurück. “Keine Angst, John”, sagte sie. “Ich bin es, Alice. Deine Frau. Erinnerst du dich nicht mehr?” Meine Augen waren immer gut gewesen, aber ich musste ihr Gesicht genau anschauen. “Alice?”, fragte ich. “ Bist du es? Was ist mit uns passiert, Alice?”
“Komm, Vater”, sagte der Mann in meinem Alter. “Setz dich hin. Ich mache für dich Tee, du magst doch schwarzen Tee, oder?”
“Lass ruhig, Brüderchen, ich mach es für ihn. Komm, Vati, setzt dich bitte hin und beruhige dich.” Tränen rannen der jungen Dame das Gesicht herunter, als sie zur Küche ging. Ich schaute mich um und merkte, dass unsere neuen Möbel nicht mehr neu waren. Die Farbe an der Wand war auch anders. Ich saß neben dem Mann in meinem Alter. “Wer bist du?”, fragte ich.
“Ich bin dein Sohn”, sagte er. “Na klar”, sagte ich und lächelte. Ich schaute ins Gesicht der gealterten Alice. Sie lächelte nicht mehr zurück. Sie drückte meine Hand fester. “Du hast Alzheimer, John”, sagte sie.



