Kurzgeschichten-Wettbewerb 2009 II


1. Preis: Rebecca Rieper - Momentaufnahmen des Glücks

Rieper gelingt es mit überaus charakterisierenden Dialogen und treffenden Schilderungen, den Leser von Ninas zunächst naivem Antrieb und ihrer Unfähigkeit, gescheiterte Hoffnungen auf ein erfüllbares Maß zu reduzieren, zu überzeugen. Mit eindringlichem Stil und der klar vorbereiteten Schlusswendung überrascht uns die Autorin mit diesem Hartz-IV-Porträt, das stellvertrenden für viele Schicksale stehen mag.

2. Preis: Susanne Feiner – Ende der Vorstellung
Der Text bietet die satirische Studie einer sich steigernden „Panik“ und lässt dem Leser keine Chance, sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit der hektischen Ich-Erzählerin identifizieren und erlebt direkt deren inneren Kampf bis zur selbstironischen Schlusswendung mit. Feiner bedient sich dabei gekonnt der Technik des atemlosen Staccatostils, der die Rastlosigkeit der Hauptfigur zusätzlich betont.

3. Preis: Andrea Severit - Celina
Ein kleines Mädchen erträgt die Auswirkungen des sozialen Abstiegs mit fast schnöder Gleichgültigkeit, hinter der die Erkenntnis von Ausgrenzung und Kummer, der anhalten wird, lauert. Wie Severit sich in dieses kindliche Erleben einzufühlen vermag, ist ganz und gar beeindruckend – mit nüchterner und lakonischer Sprache führt sie den Leser in die Welt deutscher Armut, ohne dabei zu urteilen.

4. Preis: Simone Braune – Alina
Hier dürfen wir uns an einer schon wirklich ausgereiften kleinen Komödie begeistern: sie Autorin führt elegant und geschickt sowohl die Hauptfigur als auch den Leser in eine überaus peinliche Situation und spielt mit Erwartungen, die überraschend nicht erfüllt werden. Ein herrlich komischer Text, der ganz klar und kompakt daherkommt.

5. Preis: Renate Palme – Nach Hause
Eine alltägliche traurige Situation beschreibt Palme hier: die Hauptfigur, offensichtlich unter Demenz leidend und diesen erdrückenden schleichenden Prozess nicht akzeptieren wollend, flüchtet in eine Scheinrealität, die sich aus der Vergangenheit speist. Mit den Techniken der geschickt eingesetzten Wiederholung, dem plastischen inneren Monolog und dem lebendigen Stil macht die Autorin das Fühlen der Hauptfigur in dieser Tragödie ganz und gar plastisch.

6. Preis: Tanja Peter – Arglos
Peter verbindet hier die wichtigsten Themen des Genres Krimi: Korruption, Angst und Überraschungsmomente; und sie konzentriert sich auf einen Ermittler und ein Opfer. Ganz und gar abgerundet wird die schwarze Short Story durch spritzige Dialoge, logische Ortswechsel und die klar pointierten Schilderungen.

7. Preis: Gabriele Laage – Der Anruf
Hier erkennen wir ein wirklich ausbaufähiges Talent für das Analysieren der menschlichen Psyche. Die Autorin verbindet scheinbar mühelos die wichtigsten Aspekte des Genres Kurzgeschichte: direkter Einstieg und Konzentration auf die Befindlichkeit der Hauptfigur. Ganz und gar abgerundet wird das Alltagsdrama über das Aufbegehren einer durch die Pflege aufgeriebenen Frau durch die schön gewählte Erzählperspektive und den berührenden Sprachfluss.

8. Preis: Ann-Kathrin Heil - In besseren Kreisen
Mit schwungvoller und präziser Sprache zeigt uns die Autorin das Psychogramm einer Frau, die sich nicht mit dem begnügen kann, was sie hat: die Sehnsucht nach einem besseren Leben verleitet einen zutiefst unzufriedenen Menschen, zu betrügen. Die alte Moral: man bekommt immer das, was man verdient, arbeitet Heil elegant und satirisch heraus.

9. Preis: Marcel Wachholz - Du bist meine Liebe, du bist meine Sonne , du bist mein ganzer Schatz
Hier schafft es der Autor, aus dem Thema „Eigennutz steht vor Nächstenliebe“ eine Wendung zu gestalten, die jeden Leser beschämen muss und eindringlich verdeutlicht, wie leicht es ist, durch kleine Gesten zu helfen. Der Text, dessen Botschaft getragen ist von klar zirkuliertem Aufbau und plastischen Beschreibungen, überzeugt zudem durch den klaren Stil.

10. Preis: Renate Greiner - Ein sturer Hund
Das klassische Sujet des Generationenkonflikts – Rebellion gegen Tradition – verarbeitet Greiner mit Liebe zum Detail und der Sympathie für ihre Hauptfigur, der der Leser sich anschließen muss. Diese Arbeit überzeugt uns wegen der fein abgestimmten Zeit- und Ortswechsel und der Gabe der Autorin für fließendes Erzählen.

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