Jedes Jahr prämiert die Schule des Schreibens 10 besonders gelungene Einsendeaufgaben. Lesen Sie die prämierten Beiträge der Förderpreisträger 2012.
Kurzgeschichten-Wettbewerb 2010 I
1. Preis: Yvette Tegtmeier – Zugfahrt
Dieser kleine, leise Text, der unsere G8-Zug-Vorgabe zum Ausgangspunkt hat, kommt ganz ohne dramatische Höhepunkte und ausufernde Details aus. Trotzdem gelingt es der Autorin nicht nur, die Figuren überaus plastisch zu charakterisieren, sondern auch zu zeigen, dass auch scheinbar nichtige Alltagserlebnisse Freude und Zauber in sich bergen. Tegtmeier zeigt großes Können in der Reduktion auf das Wesentliche.
2. Preis: Claudia Heitkamp – Die Eukalyptusmethode
Hier dürfen wir uns an einer schon wirklich ausgereiften kleinen Komödie begeistern: die Autorin führt elegant und geschickt sowohl die Hauptfigur als auch den Leser in die Situation vieler Eltern erwachsener Kinder, die einfach nicht ausziehen wollen, und spielt mit Erwartungen, die überraschend nicht erfüllt werden. Ein wunderbar komischer Text, der ganz klar und kompakt daherkommt.
3. Preis: Sabine Tieste – Teufelswerk
Dies ist eine fast lyrisch anmutende Erzählung, die durch eindringliche und bildreiche Beschreibungen besticht. Tieste zeigt nicht nur Talent zur literarischen Verarbeitung biografischer Fakten, sondern auch das Einfühlungsvermögen in kindlichen Forschergeist, der an dem starren Denken der Erwachsenen immer wieder scheitern kann.
4. Preis: Barbara Moosmann – Sparmaßnahmen
Diese rabenschwarze Satire nimmt das Verhalten Gewinn orientierter Manager nicht nur auf die Schippe, sondern zeichnet absolut überzeugend das Bild einer gewissenlosen Kaste des Kapitalismus. „Sparmaßnahmen“ überzeugt uns auch deshalb, weil die Autorin es schafft, dem Leser ohne vorgehaltenen Moral-Finger das Offensichtliche aus neuem Blickwinkel betrachten zu lassen.
5. Preis: Carola Vieritz – Allein
Der durch die nüchterne Sprache bestimmte Text bietet die sensible Charakter-Analyse eines verbitterten älteren Mannes und lässt dem Leser keine Chance, sich dessen Haltung zu Vertrauensbruch und seinem Verfangensein in durch dörfliche Traditionen bestimmtes Ausharren zu entziehen. Die offene Schlusswendung mit der Aussicht auf Vergebung rundet diese Arbeit klar ab.
6. Preis: Christiane Lohrenz – Ruhestand
Diese komödiantische Ich-Erzählung legt das hektische Verhalten frisch pensionierter Männer mit temporeichem und pointiertem Stil unter die Lupe. „Ruhestand“ überzeugt uns auch deshalb, weil die Autorin es schafft, den Leser mit kreativen Wendungen, beachtenswerter Gabe zur Charakterisierung und feinen Dialogen zu überraschen.
7. Preis: Erika Guthardt – Arztbesuch
Hier erkennen wir ein wirklich ausbaufähiges Talent für das Schreiben von Horror und Fantasy. Guthardt verbindet scheinbar mühelos die wichtigsten Themen des Genres: realitätsfremde Erscheinungen, Aufbau düsterer Anspannung und nicht vorhersehbare Überraschungsmomente. Ganz und gar abgerundet wird die schwarze Short Story durch spritzige Dialoge und den ironischen Unterton.
8. Preis: Alexandra Iseli – In flagranti
Iseli konfrontiert den Leser mit den Ängsten eines jeden Menschen, der einen Seitensprung des Partners befürchtet, indem sie Realität und überbordende Fantasie ihrer Hauptfigur elegant miteinander verschmilzt. Dabei gelingt es ihr, das Innen und Außen Ihrer Protagonistin so eindringlich über atemlose Beschreibungen und staccatohaltigem inneren Monolog zu zeichnen, dass man sich mit ihrem zunehmenden Zorn komplett identifizieren kann.
9. Preis: Heike Kroll – Leider verloren
Kroll zeigt hier das Talent zur lebendigen Beschreibung und führt Können im Dialog-Schreiben vor: dichte Atmosphäre und kompakte Erzählweise mit schön charakterisierten Figuren bestimmen diese Kurzgeschichte, die durch die tragikomische Unternote viel Flair bekommt.
10. Preis: Thomas Greiner – Schatten und Licht
Greiner gelingt es, aus den Themen Einsamkeit und Suche nach Nähe eine Wendung zu gestalten, die erfrischend normal wirkt. Der Text überzeugt uns durch die gelungene Mischung aus Szene-Sprache, der sehr bildhaften Zeichnung eines in seinem Trott gefangenen Mannes und der Erkenntnis, dass zur Veränderung Mut gehört.



