Jedes Jahr prämiert die Schule des Schreibens 10 besonders gelungene Einsendeaufgaben. Lesen Sie die prämierten Beiträge der Förderpreisträger 2012.
Kurzgeschichten 2011 I
1. Christian Rautmann – Die zwei Brüder
Gespannt verfolgt der Leser in dieser modernen Kain- und Abel-Adaption, wie ein traumatisierter Mann sich Stück für Stück die Erinnerung an den Mord am verhassten Bruder erkämpft. Rautmann lotet mit klarer Konstruktion, temporeichem Aufbau und drastischen Schilderungen das Innenleben eines zutiefst Schuldigen aus.
2. Dorothee Schnitzler – Leergut
Die Autorin führt uns hier überdeutlich vor, wie Hunger sich im Wohlstand anfühlt; dabei gelingt es ihr mustergültig, den inneren Konflikt des Kindes mit dem rüden Unverständnis der Außenwelt gegeneinander zu setzen. Realitätsnahe Dialoge und pointierte Schilderung des komprimierten Geschehens ergeben eine berührende Analyse einer Parallelwelt
3. Melanie Bonnke – Kochen mit Mordlust
Hier erkennen wir ein wirklich ausbaufähiges Talent für das Schreiben von Thrillerkomödien. Bonnke verbindet scheinbar mühelos die wichtigsten Themen des Genres: Rachephantasien und Überraschungsmomente. Ganz und gar abgerundet wird die schwarze Short Story durch spritzige Dialoge, die stringent durchgehaltene Erzählperspektive und die erheiternde Auflösung.
4. Sandra Harms – Toilettenblues oder über die Schizophrenie
des Alltags
Harms zeigt hier das Talent zur lebendigen Beschreibung und führt Können im Schreiben von innerem Monolog vor, der es dem Leser leicht macht, sich mit den widersprüchlichen Gefühlen einer entnervten Mutter zu identifizieren: Ablehnung, Fluchtgedanken und Schuldgefühle bestimmen diese Erzählung, die durch fast feine Tragikomik besticht.
5. Konstantin Hauf – Der Schweinehund
Hauf konfrontiert den Leser mit den Ängsten, Wünschen und Erwartungen von Leistungssportlern, indem er Außen-Realität und inneres Erleben des Ich-Erzählers elegant miteinander verschmilzt. Dabei gelingt es ihm, dieses Innen und Außen der männlichen Hauptfigur eindringlich über atemlose Beschreibungen und staccatoartigen inneren Monolog, der zugleich das Laufen symbolisiert, zu zeichnen.
6. Theresa Rode – Das Versprechen
Ein durch fließenden Stil bestimmter Text, der die sensible Zeichnung einer verängstigten Ehefrau zeigt und dem Leser keine Chance lässt, sich zu entziehen. Unvermittelt muss er sich mit den Nöten, die nach jahrelangen Konflikten entstehen und auch mit der Kontrollwut des Ehemannes identifizieren. Die ernüchternde Schlusswendung rundet diese Arbeit klar ab.
7. Annett Bastian - Lippenstift
Hier zeigt sich ein Talent fürs Komödiantische: die Autorin führt leicht und geschickt mit spritzigem Stil sowohl die Hauptfigur als auch den Leser in eine peinliche Situation und zeigt uns die Konsequenzen menschlicher Schwächen. Ein herrlich komischer Text, der auch durch Kompaktheit überzeugt.
8. Sandra Duffner – Zwischen Himmel und Hölle
Die Autorin liefert hier eine Neu-Interpretation des klassischen Themas Schuld und lässt die die Hauptfigur keine Erlösung erfahren. Mit sparsamen Andeutungen und klaren Dialogen beschreibt sie nicht nur das Trauma nach einem Unfall, sondern streift gleichzeitig den Konflikt zwischen den Generationen.
9. Nina Berner – Der Fall Heiko Wiesner
Auch hier liegt ein Mensch im Stadium zwischen Leben und Tod; Berner hingegen verarbeitet nur am Rande die Thematik der Schuld, sondern orientiert sich an der zunehmenden Jugendgewalt. Dabei lässt sie die Ich-Erzählerin mit einem flüssigen inneren Monolog die Stationen von Liebe, Hilflosigkeit und zähem Weitermachen durchlaufen.
10. Nadja Kurz – Endlich eigentlich
Kurz gelingt mit ihrer Geschichte eine wunderbare Personifizierung ihres Schreibwunsches. Sie erklärt der Leidenschaft, sich schreibend auszudrücken, ihre Liebe und beschreibt – ohne Kitsch und Pathos - eine Zärtlichkeit, wie sie zwischen Paaren zu finden ist.



