Kochen mit Mordlust

von Melanie Bonnke


Das Fleisch war gerade scharf angebraten, als Jakob hereinkam.
„Was kochst du da Schönes?“
„Geschnetzeltes“, sagte ich und wand mich aus seiner Umarmung.
„Ist gleich fertig.“
Ich goss die Sahne hinzu und rührte mit meinem Kochlöffel, bis jedes der Fleischstücke überzogen war. Häschen. Der Gedanke stieß mir bitter auf. Ich nahm ein Glas aus dem Schrank und schenkte mir von dem Weißwein ein, der zum Verfeinern der Soße neben mir stand.
Es war eine schöne Nacht, mein Häschen, bis Bald. Ich trank in einem Zug und dachte den Tag, an dem mein Mann sein Handy Zuhause vergessen hatte. Ohne mir Gedanken zu machen, nahm ich es und las in den Nachrichten. Anhand des Datums wurde mir schnell klar, dass die SMS verschickt worden war, als er wenige Tage zuvor die Nacht in einem Hotel verbrachte. Wichtige Geschäftspartner. Das war seine Erklärung am nächsten Tag, als er erst zur Mittagszeit nach Hause kam. Sie hatten ihn so in Beschlag genommen, dass er den Absprung nicht geschafft hatte.
„Du wirst schon sehen, was du davon hast, mein Häschen“, flüsterte ich.
Als ich Jacob gegenüber am Küchentisch saß, beobachtete ich, wie er zu essen begann. Wie lange schon, ging es mir im Kopf herum. Als ich die SMS gelesen las, war meine Wut grenzenlos.
Inzwischen fragte ich mich, warum mir das Scheitern unserer Ehe nicht schon früher bewusst geworden war.
„Schmeckt es dir?“, wollte ich wissen.
„Sehr gut. Wie immer.“
„Wie läuft es im Büro?“ fragte ich, ihn nicht aus den Augen lassend.
Er blickte kurz auf, als würde er ahnen, was hinter dieser belanglosen Frage lauerte.
„Ich muss dir etwas sagen“, fing er zögerlich an.
Ich blieb ruhig, sah ihn nur an.
Er legte das Besteck neben seinen Teller und fuhr sich mit beiden Händen durch sein Haar.
„Ich habe mich in eine andere Frau verliebt“, brach es entschlossen aus ihm heraus.
„Ich weiß“, sagte ich und genoss es, den Ausdruck in seinem Gesicht zu sehen. Ich beschloss, die Situation so knapp wie möglich zu halten. Meine Wut war gebannt und ich fühlte mich angenehm befreit und kontrolliert. Ich wollte das Unausweichliche hinter mich bringen.
„Ich habe die SMS gelesen, als du dein Handy vergessen hattest“, sagte ich.
„Ich“, stammelte er. „es tut mir so leid.“
„Ich will deine Entschuldigung nicht“, unterbrach ich ihn. „iss auf, und dann pack deine Sachen. Ich möchte allein sein.“
Mit meinem Glas in der Hand verließ ich die Küche, blieb an der Hauswand stehen und sog den Duft ein, den mein Kräutergarten verströmte. Mein Blick blieb an unserem Gartenhaus hängen. Seit Tagen erzählte ich ihm, dass ich Unkraut-Vernichter versprüht hätte und er nicht über die Rasenfläche gehen dürfe. Keine Sorge, beruhigte ich ihn regelmäßig, ich habe mich jeden Tag vor dem Sprühen um deine Kaninchen gekümmert.
Von hier aus konnte er seine elenden Karnickel unmöglich sehen. Demzufolge auch nicht, dass eines der Tiere nicht mehr da war. Das Fell war vergraben, und ich hatte längst für Ordnung gesorgt. Sollte er nachfragen, würde ich ihm einfach erzählen, dass ich ausversehen eine der Stalltüren offen gelassen hatte.
Natürlich aß er sein Rahmgeschnetzeltes nicht mehr auf. Ich hörte wie er aufstand und die Treppe hochstieg. Meine Gedanken wanderten zu der Gefriertruhe im Keller, in der der Rest des Kaninchens darauf wartete von mir zubereitet zu werden. Ich würde mir einen schönen Braten daraus machen, dabei mein Glas auf Häschen erheben und meine neugewonnene Freiheit genießen.

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