Buchtipp: Etwas braut sich zusammen: Nina George – Die Passantin
Nina George ist eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen, die mit sogenannten Upmarket-Frauenromanen bekannt geworden ist – eine Kategorisierung, die sie mit Die Passantin hinter sich lässt. Der Roman folgt einer ergiebigen Ausgangsfrage: Was wäre, wenn alle einen für tot hielten? Die gefeierte Schauspielerin Jeanne lebt in einer ebenso leidvollen wie obsessiven Ehe. Als sie aus dem Fernsehen erfährt, dass sie tot ist, nutzt sie die Chance, unterzutauchen und noch einmal ganz von vorn zu beginnen.
Der Anfang des Romans präsentiert uns jedoch keine klassische Exposition, in der wir erst einmal mit Jeanne in Ehe und Ruhm gefangen sind, um dann mit ihr die Schwelle zu übertreten und auszubrechen. Die Passantin setzt später ein – als Jeanne bereits untergetaucht ist und zufällig auf der Straße ihrem Mann begegnet. Der Mann führt eine neue Frau am Arm, die Straße füllt sich für eine Demonstration. Die beiden gehen aneinander vorbei, streifen sich flüchtig mit Blicken, ohne dass der Mann sie erkennt – denn schließlich war ich seit viereinhalb Jahren tot. Mit dieser Formulierung endet die erste Szene.
Auf weniger als einer Seite baut Nina George eine Grundspannung voller Fragen auf: Warum wirkt Jeannes Mann in seiner sanften Art gefährlich? Warum erkennt er sie nicht? Wird Jeanne in den Polizeikessel geraten? Und was soll das heißen, sie ist tot?
Bereits jetzt braut sich etwas zusammen. Wir wissen noch nicht, was das sein wird, aber die Bedrohung ist ebenso deutlich wie die Einladung, Jeanne zu folgen. Ein tolles Beispiel für einen absolut verlockenden Romananfang.
Roman
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3036950730