Buchtipp: Worüber schreiben und warum? Benedict Wells – Die Geschichten in uns
Benedict Wells ist bekannt für die dichte, melancholische Emotionalität seiner Romane, ohne dabei jedoch in Pathos oder Hoffnungslosigkeit zu verfallen. Sein Stil ist klar, ruhig, kontrolliert und unprätentiös, die Figuren sind nahbar, man kann also sehr gut an sie ‚andocken‘ und mit ihnen wachsen.
In Die Geschichten in uns reflektiert Wells über sein Schreiben. Was er dabei über Themenfindung zu sagen hat, ist eine gute Erinnerung daran, worauf wir beim Schreiben achten sollten. Große Stoffe, sagt Wells, werden selten ‚erfunden‘. Sie sind meist bereits in uns vorhanden. Unsere tiefsten, wichtigsten Themen entstehen nicht durch Überlegungen darüber, welches Genre gerade am besten läuft und was das Feuilleton will. Sie entstehen aus unseren inneren Konflikten und Prägungen. Wir sollten also viel weniger nach Ideen suchen, sondern uns lieber öfter mal fragen: Was beschäftigt mich wirklich? Was tut immer noch weh? Was fasziniert mich? Was lässt mich nicht los?
Die Geschichten in uns sind nicht die, die unbedingt den Literaturmarkt umkrempeln sollen. Sondern es geht um innere Narrative, die unser Selbstbild formen. Das können zum Beispiel Überzeugungen sein wie ich bin nicht gut genug oder ich muss das allein schaffen oder am Ende sind wir immer allein. Dies sind die Geschichten oder Prämissen, auf die wir aufmerksam werden sollten, sodass wir sie hinterfragen, entwickeln und verändern können. Wells versteht das Schreiben als Selbsterforschungsprozess, und die stärksten Themen sind die Sätze, die wir uns selbst über das Leben erzählen. Indem wir diese Sätze schreibend in Frage stellen, gewinnen wir innere Freiheit.
Ratgeber
Verlag: Diogenes
ISBN 978-3257073140