Buchtipp: Drei Epochen, ein Thema: Emilia Hart – Die Unbändigen
Handelt es sich bei Die Unbändigen von Emilia Hart um einen Historischen Roman oder einfach um einen Roman? Wir haben es mit drei Frauen in drei Jahrhunderten zu tun: 1619, 1942 und 2019. Alle kämpfen mit den Einschränkungen, die Gesellschaft und Konventionen ihnen auferlegen, und alle suchen Freiheit über Naturverbundenheit und den Mut zum Widerstand. Über Generationen zeigt sich, wie Unterdrückung, Wissen und Widerstand weitergegeben werden und endlich Selbstermächtigung möglich machen. Emilia Hart nutzt dabei die historischen Settings als Spiegel sehr aktueller Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung. Dafür nutzt sie das altbekannte Hexenmotiv, das sich durch alle Epochen zieht: Die Bezichtigung als Hexe wird als wiederkehrende Strategie gezeigt, unangepasste Frauen zu kontrollieren.
Emilia Hart geht es hier deutlich nicht um historische Rekonstruktion, sondern um den thematischen Kern. Sie historisiert nur, wo unbedingt nötig, die Sprache bleibt ansonsten durchgängig modern. Ein ‚klassischer‘ Historischer Roman würde mehr auf Milieurekonstruktion, Zeitkolorit und epochenprägende Ereignisse schauen. Hart hingegen schaut mehr auf zeitübergreifende Muster, die bis in die Gegenwart wirken.
Wofür werden Genreelemente hier also genutzt? Ist das Genre integraler Bestandteil der Geschichte? Oder geht es mehr darum, das Thema vor dem Genrehintergrund besonders kontrastreich hervortreten zu lassen?
Die Unbändigen will nicht ‚Historie‘ erzählen, sondern es wird ein ‚ewiges‘ Thema durch verschiedene Epochen dekliniert. Wir würden den Roman also eher nicht als Genre einordnen, sondern als Roman, der durch den historischen Zugang einen bemerkenswert unverbrauchten Blickwinkel auf ein gegenwärtiges Thema findet. Kein Wunder, dass Die Unbändigen zu einem solch großen Überraschungserfolg geworden sind.
Roman
Verlag: Harper Collins
ISBN 978-3-365-00544-6