Schreibtipp 8 Krimi

Schreibtipp: Spannung im Krimi

Ein Krimi ist die Geschichte der Aufklärung eines Verbrechens, das meist bereits vor Beginn der Handlung verübt wurde. Ermittler/-innen lösen das Rätsel, wer der/die Täter/-in ist und wie und warum das Verbrechen begangen wurde. Ziel der Aufklärung ist Sühne: der/die Täter/-in soll bestraft werden.
Im Zentrum stehen also offene Fragen – wer, was, warum, wie? Es sind grundsätzlich immer offene Fragen, die, in jedem Genre, für die Spannung sorgen. Und in jedem Roman sind die zentralen Fragen: wird der Held / die Heldin ihr Ziel erreichen? Wird er oder sie zudem ihre tiefsten Bedürfnisse erfüllen und glücklich werden?

Mystery und Suspense
Krimis und Thriller sind Genres mit fließenden Übergängen, lassen sich aber dennoch anhand der Art des Spannungsaufbaus ganz gut unterscheiden.
Es gibt im Wesentlichen zwei Wege des Spannungsaufbaus: Suspense und Mystery. Schauen wir uns dazu zwei Romane von Thomas Harris an.

Suspense: In Roter Drache geht es um den FBI-Agenten Will Graham, der im Fall eines Serienmörders ermittelt. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, benötigt er die Hilfe eines anderen Serienmörders; die des genialen Psychiaters Hannibal Lector. Einige Jahre zuvor hat Will Graham ihn überführt, wobei er fast von Lector getötet worden wäre. Will gerät auch diesmal wieder in Gefahr, denn Lector spielt ein doppeltes Spiel. Die Frage, wer der Mörder ist, spielt in diesem Roman keine besonders wichtige Rolle. Seine Identität wird dem Leser früh verraten. Der Roman bezieht seine Spannung aus den menschlichen Abgründen und vor allem aus der Gefahr, die für den Helden immer größer wird.

Mystery: In der Fortsetzung mit dem Titel Das Schweigen der Lämmer begegnen wir Hannibal Lector wieder. Diesmal hilft er von seiner Zelle in einer geschlossenen Psychiatrie aus einer jungen FBI-Schülerin, einen Serienmörder zu finden. Die Identität des Mörders ist diesmal bis zum Schluss ein Geheimnis. Es geht in diesem Roman also darum, den Täter zu enttarnen – und zwar rechtzeitig, bevor er sein nächstes Opfer tötet. Der Thrill wird hier durch die Rätselspannung verstärkt, denn erst, wenn das Rätsel gelöst ist, wird auch die Heldin Sicherheit finden.

In Thrillern wird ein großer Teil der Spannung durch suspense erzeugt. Die Figuren geraten in bedrohliche Situationen, und dann werden sie und die Leser/-innen möglichst lange hängen gelassen mit der Frage, wie die Sache wohl für sie ausgehen wird. Im Krimi steht hingegen mystery im Mittelpunkt. Es geht um die Aufklärung eines Verbrechens. Das heißt nicht, dass es hier nicht auch akut bedrohliche Situationen gibt. Aber die Rätselspannung steht im Vordergrund. Dabei gibt es zwei leitende Fragen, die für Spannung sorgen:

Wer ist es gewesen?
Ein ganzes Subgenre – Whodunnit (= who has done it?) – ist nach dieser Frage benannt. Hier wird meist recht schnell eine begrenzte Zahl gleichermaßen Verdächtiger vorgestellt. Als Autor/-in können Sie dann Hinweise auf den richtigen Kandidaten streuen und zugleich falsche Fährten auslegen, sodass die Frage, wer es denn gewesen ist, möglichst lange offen bleibt.
Der Schauplatz ist meist begrenzt und in sich abgeschlossen. Die Figuren jagen sich nicht um die ganze Welt, sondern es geht z.B. um eine bestimmte Kleingartensiedlung, ein bestimmtes Kreuzfahrtschiff oder ein bestimmtes Krankenhaus.
Die Ermittler sind scharfsinnig und haben eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, und sie agieren kaum oder gar nicht mit dem Einsatz von Gewalt. Nicht Faustkämpfe oder Schusswechsel führen dazu, dass die Verbrecher gefasst werden, sondern die schrittweise Klärung des Tathergangs. Das Erzähltempo ist entsprechend oft eher gemächlich, damit man auch Zeit zum Miträtseln hat. Die Ermittlerfiguren sind außerdem sympathisch – oft auf etwas exzentrische Weise wie die gute alte Ms. Marple.

Warum ist es geschehen?
In einem anderen Subgenre – dem sog. Hard Boiled (= hart gesotten) steht die zweite leitende Frage im Zentrum: Warum wurde das Verbrechen verübt?
Hier sind Tathintergründe und Milieuschilderung ebenso wichtig wie die Aufklärung des Verbrechens. Wir haben hier nicht von Anfang an einen Kreis von Verdächtigen, sondern der/die Ermittler/-in muss erst einmal herausfinden, wer verdächtig sein könnte. Dazu begibt er/sie sich in das Milieu des Opfers und ‚hört sich um‘. Oft steckt dann auch Sozialkritik in der Milieuschilderung. Schauplatz ist meistens die Großstadt.
Gewalt ist den Ermittler-Figuren nicht fremd, sie sind eben ‚hart gesotten‘, und die Grenze zwischen ihnen und den Verbrechern verschwimmt mitunter. Stil und Erzähltempo sind hier eher drängend als gemächlich und es gibt auch öfter Bedrohungsszenarien, die Richtung Thriller/Suspense gehen.

MERKE

Was für eine Art von Krimi es wird, hängt davon ab, welche Spannungs-Fragen Sie ins Zentrum stellen. Geht es mehr um eine Bedrohung für ihre Held/innen? Dann bewegen Sie sich Richtung Thriller. Geht es vor allem darum, das Rätsel eines Verbrechens zu lösen? Dann sind Sie deutlicher im Bereich Krimi. Steht die Frage „Wer war es?“ im Zentrum und Sie lieben das intellektuelle Spiel mit Hinweisen und falschen Fährten? Oder geht es Ihnen mehr um die Frage, warum ein Verbrechen geschehen ist und Sie interessieren sich für die sozialen und psychologischen Zusammenhänge?
Sich über diese Fragen klar zu werden, wird Ihnen helfen, Spannung systematisch aufzubauen.