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Große Worte für junge Leser

Gewinner der Runde 3/2016

„Große Worte für junge Leser“ war das Thema der dritten Runde des Genre-Wettbewerbs. Hier lesen Sie die prämierten Geschichten.

1. Preis

Roman Scherrer

für "Das Indianergrab"

Urteil der Jury:

„Von Kindertagen, an denen alles möglich schien“, erzählt die autobiografische Kurzgeschichte „Das Indianergrab“ von Roman Scherrer. Die unmittelbare Ich-Perspektive des Jungen zieht den Leser vollständig in die kindliche Gefühls- und Gedankenwelt hinein. Dadurch verliert auch der Leser schnell den letzten Zweifel an der Existenz des Indianergrabes, das der Junge mit seiner Freundin Tatjana suchen möchte. Ich sah schon das Gerippe, mit üppiger Federpracht im schütteren, madenzerfressenem Haar, und den knochigen nach mir greifenden Händen, über mir gebeugt, den faulen Atem in mein Gesicht aushauchend, heißt es im Text. In der kindlichen Fantasie gibt es keine Grenzen. Die unmittelbare Erzählhaltung lässt die Sicht des Jungen, der Roman Scherrer damals war, authentisch und lebendig wirken. Die Leser erschrecken förmlich vor der vermoderten Hand des Indianers, die sich auf ihre eigene Haut zu legen scheint.

Roman Scherrers atmosphärisch dichte Kurzgeschichte „Das Indianergrab“  bezieht ihre Spannung vor allem durch den Zauber der Wahrnehmung, der in dieser Form nur einem Kind möglich ist. Damit ist es dem Autor ausgezeichnet gelungen, einen der wichtigsten Grundsätze zu erfüllen, die es gibt, wenn man für Kinder schreiben möchte: Sich in die eigene kindliche Gefühlswelt, in die Kindersicht, zurück zu versetzen und am eigenen Leibe zu spüren, wie es sich anfühlt, das Kind von damals zu sein.

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte

2. Preis

Claudia Kurz

für "Zwei Welten"

Urteil der Jury:

„Lass niemals einen Fremden herein“. Mit dieser gut gemeinten Belehrung ihrer sechsjährigen Tochter verlässt die Mutter das Haus, um kurz hinüber zur Nachbarin zu gehen. Allerdings hat sie dem Kind nicht verboten, heimlich durch die Briefkastenklappe zu spähen. Doch bei dem, was sie auf der anderen Seite erblickt, stockt der Icherzählerin fast der Atem. Eine Monsterklaue will nach ihr greifen. „Was, wenn das der Teufel ist, der gleich die Tür aufbricht?“

Die überschäumende Fantasie der Sechsjährigen, die hinter der, mit Narben übersäten Hand eines politischen Flüchtlings alles, nur nichts Gutes vermutet, baut Spannung auf und zieht die Leser sofort in das Geschehen hinein. Die Mutter des Mädchens lüftet am Ende nicht nur das Geheimnis um den Flüchtling Caven und sein Schicksal, sondern öffnet auch „mit dem passenden Schlüssel“ die Tür, um die „zwei Welten“ zu vereinen.

Der Autorin Claudia Kurz ist eine literarisch sehr gut ausgereifte Kurzgeschichte gelungen, die ihre Wirkung vor allem durch die Bild- und Symbolsprache bezieht. Durch Briefkastenklappen schaue ich nie mehr, lautet die Erkenntnis, die die kindliche Hauptfigur gewinnt und die gleichzeitig eine Botschaft an die Leser enthält, nämlich genau hinzuschauen und nicht vorschnell über Fremde zu urteilen. Mit dem, für Kindergeschichten erforderlichen, Happy End geht die Geschichte schließlich in eine neue Sicht über und Caven wird zum Freund der Familie.

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3. Preis

Katrin Laskowski

für "About a girl"

Urteil der Jury:

Lia Hansen, die Hauptfigur der Kurzgeschichte „About a girl“ ist vierzehn Jahre alt und „manchmal aus der Zeit gefallen“. Im langweiligsten Sommer ihres Lebens, wird sie vom Wechselspiel ihrer Gefühle abgetrieben und am anderen Ufer des Flusses wieder angespült. Drift an der Warthe, so hieß das Nest, in dem ich den Rest meiner Ferien verbringen sollte. Langweilig, langweiliger, am langweiligsten. Doch am Ende wird aus dem langweiligen Sommer die aufregendste Zeit ihres Lebens.

Es gelingt der Autorin Katrin Laskowski ausgezeichnet, den Zauber der ersten Liebe und den rasanten Stimmungswechsel ihrer 14-jährigen Protagonistin, der von abgrundtiefer Betrübtheit bis hin zu himmelhochjauchzender Freude reicht, mit ausdrucksstarken Bildern darzustellen. Die Kurzgeschichte „About a girl“ wirkt auf die Leser ebenso leicht, beschwingt, heiter, beflügelt und glückselig wie die Gefühle der pubertierenden Icherzählerin Lia Hansen für die das Ende der zivilisierten Welt genau hier lag, wo es noch nicht einmal ein Netz gab und die am Ende – durch die Begegnung mit dem 15jährigen Nick – wieder sicheren Boden unter den Füßen bekommt.

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