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2. Platz:

Nico Miceli

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Eine kleine Erzählung

Kurzgeschichten-Wettbewerb 2014 Runde 2

Das Urteil der Jury:

Eine Erzählung, die an Münchhausens Lügenmärchen denken lässt. Der Erzähler reiht ziemlich wahllos die Großtaten aneinander, die er mit seiner Zauberkraft vollbracht hat - gute und gutgemeinte, alberne und heldenhafte. Man könnte ihn für einen Angeber halten, wenn nicht der letzte Satz ihn ebenso knapp wie endgültig in seine Schranken weisen würde. Das lakonische Ende erweitert das Szenario über das Erzählte hinaus: Man kann sich leicht eine Gruppe von Menschen denken, die beisammenhocken und die endlose Nacht mit Geschichten zu vertreiben versuchen.


Eine kleine Erzählung

Ich brauchte nur mit dem Finger auf ein schlechtes Ei zu tippen, und es war wieder frisch. Doch nicht nur das ...

Einmal schlug ich mir mit einem Hammer auf den Daumen. Bei meiner Kraft tat das fürchterlich weh! Der Daumen wurde ganz dick und rot. Schmerzen peitschen durch meinen ganzen Körper. Ich weinte bitterlich. Eine Träne fiel direkt auf meinen Daumen. Da war er wieder heile, wie wenn nichts gewesen wäre.

Ich rief: "Regen!"

Kurz darauf regnete es in Strömen.

Ich konnte tausend Kilo stemmen, ohne Probleme. In einer einzigen Nacht baute ich ein Schloss und schenkte es armen Leuten.

Mit Gedankenkraft konnte ich Metall biegen und Wasser in Bewegung setzten. Eine Zeit lang surfte ich die höchsten Wellen an den schönsten Stränden.

Einmal stoppte ich einen Zug mit bloßen Händen, weil dieser nicht bremsen konnte.

Ich half einer alten Dame über die Straße und erfand gleichzeitig ein Mittel gegen Alzheimer und Demenz.

Ich spielte mit Kindern Kasperletheater. Als es vorbei war und alle heimmussten, fanden es die Kinder sehr schade. Zu gern hätten sie noch mehr gesehen. Also drehte ich einfach die Zeit zurück.

Einmal stand ich an einer Weggabelung und wusste nicht wohin. Da sammelte ich schnell Holz und Steine und baute einen Aussichtsturm. Hundert Meter hoch!

Von dort oben hatte ich einen guten Blick über die Landschaft. Ich hatte einen so guten Ausblick, dass ich mich ganz weit in der Ferne sogar selbst von hinten sehen konnte. Bei der Gelegenheit knipste ich gleich noch ein paar schöne Bilder von dem herrlichen Sonnenuntergang. Dann stieg ich auf eine vorbeiziehende Wolke und lies mich von ihr nach Hause tragen.

Einmal fiel ein Stern vom Himmel und ich warf ihn einfach wieder zurück.

Einmal half ich einer Reinigungskraft, alle Treppen in einem Wolkenkratzer zu reinigen. In fünf Minuten waren wir damit fertig. Allerdings war die Reinigungskraft sauer, weil sie dafür nicht viel Geld bekam.

Ich ritt auf einem Kaktus durch die Wüste.

Einmal überquerte ich den Atlantik auf einem Segelboot - ohne Kompass! Dessen Zeiger drehte sich nämlich in meiner Gegenwart wie ein Propeller im Kreis. Dieses Problem hatten offensichtlich auch andere Schiffe in meiner Nähe.

Doch dann, eines Tages, als ich auf meinem Aussichtsturm wieder den herrlichen Sonnenuntergang genoss, konnte ich nicht genug von dem Anblick der blutroten Sonne bekommen, die den Himmel in ein Aquarell aus tausend Nuancen von Rot, Gelb und Blau färbte. Da schnippte ich mit dem Finger, dass die Sonne noch einmal hochkommt. Doch stattdessen ging sie einfach aus wie eine Lampe. Und meine Zauberkraft war aufgebraucht.

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