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8. Platz:

Nadine Jaworski

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Sternschnuppentanz

Kurzgeschichten-Wettbewerb 2014 Runde 2

Das Urteil der Jury:

Eine Vorlesegeschichte für die Weihnachtszeit, an der sowohl Kinder als auch Erwachsene ihre Freude haben können. Die Autorin verbindet eine charmante Idee zur Entstehung von Sternschnuppen mit einer kleinen Erinnerung daran, dass es zu Weihnachten nicht um Regeln und Ordnung, sondern um Freude und Großzügigkeit gehen sollte. Der neue Engel Gabriel ist zwar naiv und unerfahren, bringt aber gerade dadurch einen Funken Weisheit in die vorweihnachtlichen Routinen.


Sternschnuppentanz

„Pass damit auf!“, warnte der alte Engel Johannes den Neuankömmling Gabriel. „Die Kerzen dürfen nicht tropfen. Du musst sie vorsichtig anzünden.“

„Warum dürfen sie nicht tropfen?“, fragte Gabriel neugierig und gab sich bei der zweiten Kerze mehr Mühe.

„Erstens schmücken wir für Weihnachten, das wichtigste Fest im Jahr, und da muss alles blitzsauber und perfekt aussehen, zweitens verklebt das Wachs die Wolken und es ist eine Heidenarbeit, sie wieder sauber zu kriegen, und drittens verbrennst du dir die Finger, wenn das Wachs darauf tropft. Dann lässt du die Kerze womöglich noch fallen.“

„Wäre das denn so schlimm? Wir haben doch genug Kerzen“, hakte Gabriel weiter nach.

„Ja, weißt du denn nicht, was passiert, wenn eine Kerze auf die Erde fällt?“, fragte der alte Johannes verblüfft.

„Nein. Was denn?“

„Sobald die Kerze die Wolkendecke durchdrungen hat, wird sie zur Sternschnuppe.“

„Ehrlich? Wie schön!“

„Schön schon, aber die Menschen dürfen sich etwas wünschen, wenn sie eine Sternschnuppe sehen.“

„Na und?“

Johannes seufzte: „Glaubst du denn, es ist so einfach, die Wünsche der Menschen zu erfüllen? Den Wunsch, den sich der erste Mensch, der die Sternschnuppe sieht, wünscht, musst du erfüllen, weil du die Kerze hast fallen lassen.“

„Und wie mache ich das?“

„Das ist es ja: Du wirst als Mensch zurück auf die Erde geschickt, wo du dann drei Tage Zeit hast, den Wunsch zu erfüllen. Schaffst du das nicht, wirst du bestraft.“

„Bestraft?“, fragte Gabriel beunruhigt, „muss ich dann in die Hölle?“

„Nein, wo denkst du hin? Wir kollaborieren doch nicht mit der Opposition!“, rief Johannes entsetzt. „Du verwandelst dich in eine Wolke.“

„Und dann bleibe ich für immer eine Wolke?“

„Nein, Wolken regnen ab, lösen sich auf und entstehen wieder neu. Hast du in Erdkunde nicht aufgepasst?“, fragte Johannes entnervt.

„Doch, aber da haben sie uns auch etwas anderes über die Entstehung von Sternschnuppen erzählt“, maulte Gabriel trotzig. „Kann ich denn wieder ein Engel werden?“

„Wenn du es schaffst, eine herab fallende Kerze aufzufangen, bist du frei.“

„Sind alle Wolken verwandelte Engel?“, wollte Gabriel wissen und sah auf die Wolken hinab. „Nein, nur ein paar wenige.“

„Und woran erkennt man sie?“

„Die meisten bleiben so hoch wie möglich, um herunterfallende Kerzen schneller zu erspähen. Deswegen schneit es meistens erst nach Weihnachten, weil die Wolken auf herunter fallende Kerzen hoffen, während wir dekorieren.“

„Na, dann tun wir ihnen doch einfach den Gefallen“, meinte Gabriel euphorisch und warf die Kerzen hinab.

„Nein!“, schrie der alte Engel, doch es war zu spät. „Warum hast du das getan?“, stöhnte er. „Es ist Weihnachten. Da sollte sich jeder etwas wünschen dürfen.“ Johannes schwieg einen Moment und dachte nach: „Hmm. Stimmt schon. Aber womit schmücken wir jetzt den Himmel?“ Gabriel bewunderte den Tanz der tausend Sternschnuppen und meinte lächelnd: „Ich glaube, das hat sich schon erledigt.“

Nun musste auch der alte Johannes lächeln. „Na dann: Mögen all eure Wünsche in Erfüllung gehen. Fröhliche Weihnachten!“

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