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1. Preis

Konstanze Treber

für "Der Keller"

Urteil der Jury:

Nächtliche Wahrnehmungen können einem ebenso leicht Streiche spielen, wie Erinnerungen aus Kindertagen. Man weiß, was man gehört und gesehen hat. Und man weiß, dass man es nicht gehört und gesehen haben kann.

Die Erzählerin dieser Geschichte erinnert sich an einen Keller, den es niemals gegeben hat. Und falls doch, ist etwas Böses dort geschehen. Und wäre dieses Böse nicht geschehen, dann wäre die Erzählerin vermutlich jetzt nicht mehr am Leben. Kann eine Kellertür samt Treppe einfach verschwinden? Kann ein zudringlicher Mann in Parteiuniform mit seinen Blumen, Pralinen und Drohungen einfach verschwinden? Es wird bewusst offen gelassen, wer hier lügt: Die Familie des kleinen Mädchens - oder dessen überstrapazierte Fantasie.

Das Besondere an dieser Geschichte: Was das Kind noch nicht begreifen kann, liegt für den erwachsenen Leser im Subtext offen zutage. Nichts muss ausgesprochen werden. Alles erschließt sich. Nur eine Antwort auf die Frage nach der Kellertür muss wohl für immer offen bleiben.

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2. Preis

Sandy Crier

für "Gewitterstimmung"

Urteil der Jury:

Eine Bergbäuerin auf dem Heimweg von der Mahd findet ihren betrunkenen Schwiegervater hilflos über einer Schlucht hängend. Sie versucht, ihn zu retten, reckt sich ihm entgegen. Etwas lässt sie innehalten. Eine Erinnerung. Und sie trifft eine radikale Entscheidung.

„Gewitterstimmung“ ist eine stilistisch souveräne, dichte, visuell geschriebene und dezent mit Mundart angereicherte Rachegeschichte. Man sieht die Landschaft, spürt das Wetter, die Blasen an den Händen der Bäuerin, den Atem des Schwiegervaters. Und man gönnt ihm, was er verdient. Damit könnte es zu Ende sein. Die Autorin baut jedoch eine Kleinigkeit ein, die über den Schluss hinausweist - etwas, das der Bäuerin zum Verhängnis werden könnte.

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3. Preis

Katrin Laskowski

für "Erna ist weg"

Urteil der Jury:

Es beginnt mit einem Paukenschlag. Erna ist weg! Doch wer ist Erna? Eine senile Großtante, ein kleines Kind? Ernas Verschwinden jedenfalls versetzt die Erzählerin in Angst und Schrecken. Die Versicherung ihrer Tochter, dass Erna schon wieder nach Hause findet und ihre Bisse nicht wirklich gefährlich sind, ist kaum beruhigend. Erna könnte überall sein - allein die Vorstellung kostet Nerven. Also setzt die Erzählerin ein Kopfgeld aus.

In humorvoll lockerem Ton geschrieben, zeigt diese Geschichte sowohl das Grauen als auch die komische Seite des Lebens mit Kindern, die ihre eigene Vorstellung davon haben, was ein sanftmütiges, freundliches Haustier ausmacht.

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4. Preis

Lisa Hollenbach

für "Von Schulprojekten, Gummibärchen und Tolkien"

Urteil der Jury:

Was als Zwangsgemeinschaft beginnt, kann sich zu einer aufrichtigen Freundschaft entwickeln. Am Anfang haben Peter und die Erzählerin nur muffiges Grunzen, Patzigkeiten und böse Blicke füreinander übrig. Später teilen sie ihre Gummibärchen miteinander und lesen sich aus dem „Herrn der Ringe“ vor. Bis Peter stirbt.

Es ist keine Kinderfreundschaft, die hier durch die gemeinsame Liebe zu einem Buch wächst, sondern eine zwischen einer Jugendlichen und einem alten Mann. Dabei moralisiert der Text nicht, sondern zeigt mit treffenden Beschreibungen und starken Dialogen, wie sich gegen alle Wahrscheinlichkeit doch etwas entwickeln kann. Die Geschichte schließt mit einem Tolkien-Zitat, das programmatisch für die Freundschaft zwischen Peter und der Erzählerin ist: Geschichten geraten einem aus der Hand, und diese hat eine ungeahnte Wendung genommen.

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5. Preis

Nadine Jaworski

für "Schwerelos"

Urteil der Jury:

„Schwerelos“ beginnt mit einem Trick. Die Erzählerin ist in Todesangst, gefesselt, starke Männer schleifen sie auf einen Abgrund zu, stoßen sie hinein. Cut.

Wir springen in die Vergangenheit, erleben mit, wie es zu dieser Situation gekommen ist - und begreifen, dass die Erzählerin nicht nur selbst Schuld ist, sondern es tatsächlich so haben wollte. Die ganzen 300 Meter bis zum Grund der Schlucht schreit sie einen markerschütternden Schrei. Und überlebt doch. Interessant an dieser amüsant und lebensnah geschriebenen Schilderung ist der Wechsel der Zeitform: Was jetzt geschieht, ist in der Vergangenheitsform geschrieben, was schon geschehen ist, steht in der Gegenwartsform - und rückt dem Leser dadurch in seiner Erlebnisqualität ziemlich nah auf den Pelz.

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