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1. Preis

Stephan Geschke

für "Das letzte Wort"

Urteil der Jury:

In eindrucksvollen Bildern erzählt Stephan Geschke von der Unfähigkeit eines Sohnes Worte für das Sterben des Vaters und die Endgültigkeit des damit verbundenen Abschieds zu finden. Denn wie soll ein Mensch etwas beschreiben, für das er nicht einmal stumme Gedanken zulassen möchte? In dem sterilen Krankenzimmer wird Sprache durch den Rhythmus der Beatmungsmaschine ersetzt, der den Raum wie das bedrohliche Zischen eines Raubtieres erfüllt. Am Ende nimmt der Sohn das letzte, das unausgesprochene Wort mit in sein Leben und macht auf diesem Wege den Vater in der Erinnerung unsterblich.

Stephan Geschkes literarisch gelungene und ansprechende Kurzgeschichte zum Thema „Abschied und Sterben“ vermittelt den Lesern am Ende die hoffnungsvolle Botschaft, dass die Erinnerung an den geliebten Menschen auch nach dem Tode weiterleben wird.

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2. Preis

Rami Ashour

für "Samy"

Urteil der Jury:

Samy ist ein sechsjähriger Junge, der eine herausragende Eigenschaft hat: Er kann lachen und fröhlich sein.  Eine Bombe nimmt ihm nicht nur seine Tante, sondern auch seine Beine. Aber niemals seine Fröhlichkeit. Die Unschuld des Kindes auf der Flucht in eine bessere Zukunft, Samys Glaube an die Seelen, die zu Schmetterlingen werden und sein lautes Lachen wollen so gar nicht zu der Beschreibung des Grauens, des Schrecklichen passen, das die Erwachsenen auf der Flucht übers Meer durchleben müssen.

„Das Wichtigste im Leben ist das Leben selbst“, könnte die Prämisse dieser ebenso bedrückenden wie beeindruckenden Kurzgeschichte lauten. Rami Ashour hält den Lesern das Grauen des Krieges mithilfe der Figur des kleinen Samy schonungslos vor Augen. Mit dem Stilmittel der Kontrastierung gelingt dem Autor ein erzählerischer Kunstgriff, der den Lesern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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3. Preis

Birgit Hörner

für "Zauberworte"

Urteil der Jury:

Von der suggestiven Macht und der Kraft der Worte, die einen Autor, der eine Schreibbarriere überwunden hat, plötzlich befallen und der erbarmungslos in einen Abgrund immer neuer Worte und Einfälle gerissen wird, erzählt Birgit Hörners Geschichte „Zauberworte“. Egal nach welchem Wort der Autor auch greift – es öffnet neue Türen und lässt Welten entstehen, in denen der Autor sich nicht wohl fühlt. Auf hoher See wird ihm schlecht, er schwankt, greift nach einem anderen Wort, das immer neue Assoziationen heraufbeschwört. "Kanonendonner, Segelschiffe. Raubeinige Piraten“. Bis es ihm am Ende gelingt, das Zauberwort zu treffen und seine Geschichte, sein Buch zu schreiben. Er liegt neben seiner Jugendliebe Haut an Haut und erinnert sich an Omas Kuchen.

Birgit Hörner spielt in ihrer Kurzgeschichte rasant mit der Sprache, deren Regeln sie gekonnt beherrscht und zeigt, dass Schreiben unmittelbar mit dem eigenen Leben verbunden ist. Als Autor findet man die schönste aller Welten eigentlich nur in sich selbst. Vorausgesetzt man trifft das richtige Zauberwort.

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4. Preis

Asta Birgitta Heesen

für "Lied für Hilde"

Urteil der Jury:

Der Autorin gelingt in „Ein Lied für Hilde“ eine detailreiche und tiefgehende Figurencharakterisierung. Aus der Sicht des Kindes, das die Ich-Erzählerin in den 70er Jahren, zwischen Mainzelmännchen und ZDF-Hitparade war, erscheint Oma Hilde seltsam ambivalent. Zwar gibt es bei ihr die leckeren Reibeplätzchen mit Rübensirup, die aber nie ohne Beigeschmack bleiben. Als das fünfjährige Kind Hakenkreuze nachzeichnet, versetzen diese der Mutter einen gewaltigen Schock. Oma Hilde hingegen bleibt erstaunlich ruhig. Es sind die feinen Nuancen und Zwischentöne wie der Geruch von 4711 und feiner Fa-Seife, der zwischen den schweren Möbeln hängt, die zeigen, wie vielschichtig ein Charakter in einer Geschichte sein kann. Diese Eigenschaft, mithilfe einer Figur im Text das Unausgesprochene zwischen den Zeilen sichtbar werden zu lassen, zeichnet die Erzählung von Asta-Birgitta Heesen in besonderer Weise aus.

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5. Preis

Andrea Schmidt

für "Stille"

Urteil der Jury:

In Ihrer Beschreibung „Stille“ entführt die Autorin Andrea Schmidt die Leser an einen Ort, der für sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist mit den Begriffen Stille, Gewahrsein und Lebendigkeit. Detailreichtum, sprachliche Genauigkeit und Bildhaftigkeit wecken Sinneseindrücke und Emotionen der Leser.

Andrea Schmidt ist ein intensives Portrait des Gartens ihrer Urgroßeltern gelungen, das in der Erinnerung unsterblich bleibt und dessen Einfluss bis in die Gegenwart reicht: Heute Nachmittag war ich wieder dort. Es ist Mai, die Natur ist prachtvoll erblüht. Nichts muss sein. Es ist so einfach.

Es ist der Autorin hervorragend gelungen Orte und Gegenstände mithilfe der Genauigkeit, die sie in die Sprache legt, spürbar und erlebbar zu machen. Eine Eigenschaft, die in dieser Form keiner anderen Kunstrichtung, sondern vor allem der Sprache und ihren Ausdrucksmöglichkeiten innewohnt und deren Regeln Andrea Schmidt gekonnt beherrscht. 

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