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1. Preis

Mika Berg

für "Top Secret"

Urteil der Jury:

Top Secret ist auf den ersten Blick ein naiv anmutender Text über einen kindlichen Ich-Erzähler, der der rätselhaften Herkunft seines Vaters auf den Grund zu gehen versucht. Die Anmutung ist fröhlich und lebensbejahend. Dennoch steckt der Text voller Hinweise, die ein ernstes Thema entfalten: Wir befinden uns in Köln, der Sohn hat eine dunklere Hautfarbe als seine Halbgeschwister, der Vater spricht nicht gut Deutsch. Die Eltern wollen die Kinder nicht belasten und schweigen darum über die Herkunft des Vaters - weshalb die Kinder ihre eigenen Theorien spinnen. Vielleicht ist er ein Kojote? Aus dem Meer gekommen? …? Das sind keine willkürlichen Ideen; der Kojote spricht auf afrikanische Trickster-Mythen an, eine Flucht übers Meer wird impliziert, ...

Worauf die Kinder sich schließlich einigen: Der Vater ist ein Alien. Ein Fremder. Für die Kinder ist das nicht beängstigend - es ist ein spannendes Rätsel.

Der Text besticht durch seine Leichtfüßigkeit und seinen Optimismus. Er ist realistisch und politisch aktuell, ohne auch nur einen Moment lang aus der kindlichen Perspektive zu fallen oder zu moralisieren. Eine reife Leistung.

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2. Preis

Mona Hobelmann

für "Verlaufen"

Urteil der Jury:

Wenn man sich verläuft, zückt man das Smartphone, sagt kurz Bescheid und bleibt in Kontakt. Angst, Sorge, Hilflosigkeit - all das ist heute nicht mehr nötig. Wirklich eine Erleichterung, oder?

Im Jahr 1980 war das noch anders. Im ersten Teil von Verlaufen vermittelt Mona Hobelmann die Intensität der Gefühle, die damals dazu gehörten. Nicht die Angst, dass man selbst verloren gehen könnte, steht dabei an erster Stelle, sondern das Mitgefühl mit der Mutter, die sich sorgt.

Der zweite Teil des Textes springt in die Gegenwart und schildert dieselbe Situation. Es braucht dafür nur wenige Worte, und das Ganze ist jetzt vollkommen schmerzlos.

Durch die schlichte Gegenüberstellung desselben Vorgangs im Jahr 1980/heute wird der emotionale Kontrast deutlich. Dazu trägt auch die grafische Gestaltung des zweiten Textteils als Messenger-Konversation bei.

Obwohl alles heute so viel einfacher ist, bleibt beim Lesen das deutliche Gefühl zurück, dass dabei vielleicht etwas Wesentliches auf der Strecke geblieben ist.

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3. Preis

Gudrun Hopert

für "Contante"

Urteil der Jury:

Contante erzählt vom Verlust der unbeschwerten, spendablen und geliebten Tante Anne aus der Großstadt. Als sie stirbt, ist die Erzählerin erst sechs Jahre alt. Sie beobachtet die trauernden Erwachsenen, schnappt Gespräche auf, macht sich einen Reim darauf. Die Wut der Erzählerin findet Billigung beim Opa, und die Oma ist da, um die Traurigkeit aufzufangen. Doch sie ist nicht bunt und fröhlich, wie die Tante, ihr entströmt die Aura von Küche und Arbeit, und die Tante einer Freundin hat eine Frisur wie ein Rauhaardackel und klobige Schnürschuhe. Ab jetzt ist nicht nur die Tante unwiederbringlich fort, sondern mit ihr auch die kindliche Unbeschwertheit. An ihre Stelle tritt die Erkenntnis, dass Menschen sterben - und damit die Angst.

Die Autorin bearbeitet ein universelles Thema, indem sie tief ins Individuelle eindringt. Sie erklärt nichts, sie zeigt einfach. Der Text lebt von einer genauen Beobachtung des Konkreten, vom Visuellen und andern sinnlichen Eindrücken. Diese Eindrücke haben für die Erzählerin eine starke persönliche Bedeutung, weshalb dieser Text auf kurzer Strecke  Welthaltigkeit entfaltet: Auf gerade mal drei Seiten entsteht eine ganze ländliche Familie samt ihren Marotten, Beziehungen und ihrer Nachbarschaft.

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4. Preis

Sabine Hurni

für "Das Bild"

Urteil der Jury:

Das Bild beschreibt die Entwicklung einer jungen Malerin von der mechanisch arbeitenden Kunsthandwerkerin hin zur autonomen Künstlerin. Das Handwerk braucht sie, weil sie von den regionalen Motiven, die sie malt, leben muss. Die Kunst ist das, was geschieht, wenn sie der Muse folgt und die Kontrolle aufgibt. Wenn es ums Handwerk geht, malt sie das Bekannte, und immer statische Orte. Als die Kunst sie überfällt, gerät alles in Bewegung: der Pinselstrich, das Motiv, das Fühlen und Denken. Sie beobachtet eine Frau, die ihr Rätsel aufgibt, und malt sie, ohne auch nur einmal auf die Leinwand zu schauen, wie im Rausch.

Was fürs Malen gilt, gilt für jede andere Kunst - also auch fürs Schreiben - und die Autorin beschreibt den Durchbruch einer Erkenntnis: Handwerk ist gut zum Geld verdienen. Es reicht jedoch nicht, um mit einer Kunst glücklich zu werden. Dazu braucht es Momente der Inspiration, die nicht danach fragen, ob sich ein Werk verkaufen lässt.

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5. Preis

Josefine Kerridge

für "Erinnerungen an einen Geliebten"

Urteil der Jury:

Erinnerungen an einen Geliebten ist die Beschreibung eines fast schlafwandlerischen Vorgangs: Eine Frau steht früh morgens auf, zieht sich an, geht nach draußen, gibt sich dem Rauschen der Wellen und der Erinnerung an den Geliebten hin. Das Zwielicht, der Übergang zwischen Nacht- und Tagwelt, war schon immer der Ort, an dem Geister wohnen. Wenn die Sonne aufgeht, verschwinden sie.

Dieser Text vermittelt das Gefühl eines „schmerzlichen Glücks“ - eine Qualität, die die Autoren der Romantik gesucht haben. Die Autorin erreicht die Intensität dadurch, dass Sie fast akribisch den sinnlichen Eindrücken der Erzählerin folgt und außerdem in der Gegenwartsform schreibt. Alles ist Jetzt, es wird nicht vorgegriffen oder erklärt, warum die Frau aufsteht und nach draußen geht. Als Leser folgt man einfach ihrem durch die frühe Stunde gesteigerten Erleben. Man spürt den Drang nach draußen, den Zug, der vom Meer ausgeht, die Sehnsucht. Erst, wenn die Figur ihre Erlösung erlebt – fast schon zum Ende des Textes - erfährt man, dass es um den Geliebten geht. So wird der Text nicht nur intensiv, sondern auch spannend.

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