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1. Preis

Franziska Viola Lindner

für "Zwei Fremde"

Urteil der Jury:

Eine Roadtrip-Geschichte zwischen einem Lastwagenfahrer und einer Prostituierten am Straßenrand, die jünger ist als seine beruflich erfolgreiche, aber ferne Tochter. Sophie ist hungrig und durchgefroren, und sie geht auf den Strich, seit ihr Vater tot ist.

Die Autorin arbeitet geschickt mit sinnlichen Details, Bildern, Erinnerungen und Dialogen. Zudem baut sie wirkungsvoll Spannung auf: Will der Fahrer so kurz vor dem Ruhestand zum ersten Mal im Leben eine Nutte kaufen? Er bezahlt sie schließlich dafür, dass er sie in seinem Fahrerhaus vor Wind, Wetter und schlechten Menschen beschützen darf. Am Ende bekommt das Mädchen weit mehr als etwas Geld – nämlich Wärme und einen Menschen, dem sie vertrauen kann. Und der Fahrer bekommt ebenfalls mehr als eine schnelle Nummer. Er gibt den letzten Tagen seines Berufslebens Sinn. Für seine Familie hat er wegen seines Berufs nie wirklich da sein können. Aber für Sophie kann er es. Wenigstens ein paar Tage lang.

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2. Preis

Janina Plaumann

für "Crash"

Urteil der Jury:

In dieser Geschichte erleben wir ein junges Elternpaar, das an der gemeinsamen Aufgabe beinahe zerbricht. Ihr Kind schläft selten und schreit viel, die Eltern sind erschöpft, gereizt, traurig. Der Versuch, sich bei einer gemeinsamen Radtour ein bisschen Familienleben zurückzuholen, endet beinahe tödlich.

Janina Plaumann nutzt die laute, dicht befahrene Landstraße sowie das zunehmend finstere Wetter als Sinnbild für das Innenleben und die Beziehung ihrer Figuren. Beides wirkt von der ersten Zeile an unheilverkündend, und der aufbrechende Streit erzeugt zusätzlich Spannung. Das Kind im Rücken der Ich-Erzählerin ist als zerbrechliche, wertwolle und zugleich erdrückende Aufgabe ständig präsent.

Als Niko davonfährt und die Erzählerin auf die Fahrbahn vor ein Auto gerät, rechnet man mit dem Schlimmsten. Erst der Beinahe-Unfall bringt die Figuren am Ende wieder zusammen, und man legt den Text mit dem Gefühl aus der Hand: die beiden werden es schaffen. Trotz allem.

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3. Preis

Matthias Hiltmann

für "Der Blick"

Urteil der Jury:

Der Autor entfaltet auf nur gut zwei Seiten eine vollständige Tragödie. In einem Hauseingang versucht ein Obdachloser der Kälte standzuhalten, als ihn der Blick eines Mädchens trifft und für einen Moment eine Brücke über den gesellschaftlichen Abgrund hinweg zwischen ihnen entsteht. Wir erfahren, warum der Mann obdachlos geworden ist, welche Schuld er mit sich trägt, und wir erleben mit ihm einen Moment der Hoffnung, wenn das Mädchen einfach einen Menschen in ihm sieht. Doch der Moment währt nur kurz.

Beeindruckend an diesem Text ist das Eintauchen in die Gedanken und Gefühle eines Menschen, der aus der Welt gefallen ist und für den all die andern nur noch Geister sind, unerreichbar wie seine ums Leben gekommene Familie. Man versteht ein Stück weit, warum es vielleicht unmöglich ist, von einem solchen Ort in die Normalität zurückzukehren.

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4. Preis

Dustin Patten

für "Ein bisschen wie Julia"

Urteil der Jury:

Wir erleben ein erstes Treffen zwischen dem Ich-Erzähler und Emma, arrangiert über eine Dating-Plattform. Oft gehen solche Sachen ja nicht gut aus, und der Erzähler macht sich auch wenig Hoffnung. Der einzigen großen Liebe in seinem Leben hat er nie gesagt, was er empfindet und alle anderen Frauen haben ihm zu wenig bedeutet, um mit ihnen zusammenzubleiben. Weil keine von ihnen Julia war.

Obwohl sein trockener, fast zynischer Humor Emma irritiert, obwohl er über frühere Beziehungen lügt, um sich selbst in besserem Licht zu zeigen, und obwohl Emma es nicht verdient hat, nur eine Ersatz-Julia zu sein, hofft man doch, dass der Erzähler sich diesmal auf eine Beziehung wird einlassen können. Und am Ende sieht es auch beinahe so aus. Dem Autor gelingt es, eine eigentlich sperrige Hauptfigur so zu zeichnen, dass man ihr alles Glück wünscht.

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5. Preis

Petra Hasler

für "Fünf vor zwölf"

Urteil der Jury:

Ein äußerlich hartgesottener, innerlich nervöser Dealer wartet auf den Anruf eines Kunden. Die Bank, auf der er sitzt, erinnert ihn an Tiffany. Sie hat den Ausstieg aus der Drogenszene geschafft, hat sich weiterentwickelt, und ihm wird klar, wie sehr er sie vermisst. Dieses Gefühl ist die Voraussetzung dafür, dass auch er vielleicht den Ausstieg schafft. Die Autorin mutet dem Leser zu, zwei alternative Möglichkeiten zu akzeptieren, wie diese Geschichte ausgehen könnte:
Entweder Mark zieht den geplanten Koks-Deal durch und wird festgenommen. Oder er lässt es bleiben und schreibt Tiffany, dass auch er sich weiterentwickelt hat.

Nur durch die Reihenfolge, in der die Autorin die Varianten anordnet, wird nahegelegt, dass Mark sich für Variante zwei entscheidet. Doch es gibt keinen formalen Hinweis darauf, dass Variante eins nur in seinem Kopf stattfindet. Das ist ungewöhnlich, funktioniert aber dennoch ausgesprochen gut.

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