Wettbewerbs-Auszeichnungen

1. Platz im Genre-Wettbewerb 2025 - Ausgeliefert
Urteil der Jury

Eva Brands Ausgeliefert baut zunächst eine bekannte und spannend umgesetzte Szenerie auf: eine Frau nachts allein in High Heels unterwegs. Eine Gruppe Männer stellt sich ihr in den Weg. Eigentlich klar, wie das ausgeht. Und zudem scheint Kara bereits in der Vergangenheit eine traumatische Gewalterfahrung gemacht zu haben, die jetzt getriggert wird. 
Die Autorin findet jedoch eine Möglichkeit, mit den geweckten Erwartungen zu spielen und uns mit uneindeutigen Gefühlen aus der Geschichte zu entlassen. Wir können vorwegnehmen, dass Kara unbeschadet aus der Konfrontation hervorgeht. Doch es wird auch klar, dass sie ein Problem hat, von dem sie niemandem erzählen kann. So stellt sich am Ende die Frage, wie es für sie weitergehen soll. Die Geschichte lässt das offen, gibt uns aber genug Information, um uns die Folgen selbst auszumalen. 
Besonders gut gelingt Eva Brand dabei das unauffällige Streuen von Hinweisen darauf, was wirklich geschieht. Sie sind von Anfang an da, doch wir fügen sie erst am Ende zu etwas Ganzem zusammen. Der Titel Ausgeliefert wird dabei auf dreifache Weise mit Sinn gefüllt. Zunächst denkt man, Kara ist den Männern ausgeliefert. Dann: Die Männer sind Kara ausgeliefert. Und zum Schluss: Kara ist sich selbst ausgeliefert. So hält die Geschichte die Spannung über den Schluss hinaus.
 

Ausgeliefert:

Kara stöckelte die Straße entlang, die Arme über dem schwarzen Trenchcoat verschränkt. Waren Arthur und Manuel in Gefahr? Sie war sich nicht sicher.
Ein Schauer durchlief sie. Die Nacht war kühler als erwartet. Schon auf der Firmenfeier hatte sie sich... Kurzgeschichte lesen

Foto Eva Brand

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