Susann Fanieng aus München
Fernlehrgang: Romanwerkstatt für Frauen- und Liebesromane
Fernlehrgang: Romanwerkstatt für Frauen- und Liebesromane
Mit Der Landstreicher begibt Susann Fanieng sich auf die Pfade der literarischen Romantik, in der wir öfter mal wandernden Dichtern begegnen, die sich nicht an Normen von Fleiß und Ordnung halten und auf der Suche nach der Muse sind. In diesem Text folgen wir allerdings nicht dem Dichter, sondern den Menschen in einem abgelegenen Dorf, das er durchquert. Mit wohlwollendem Humor und scharfem Blick werden uns die Typen der Normalgesellschaft vor Augen geführt. Auf der einen Seite die mehr oder weniger Vernünftigen – der Ich-Erzähler reagiert angesichts eines Fremden im Dorf erstmal ausweichend, der Pfarrer mit stoischer Ruhe und Wirtin Toni mit resoluter Autorität. Sie verbittet es sich, dass man den Fremden pauschal verurteilt. Auf der anderen Seite haben wir die Miesepeter und Misstrauischen: den Bürgermeister, der dem Fremden alles unterstellt, was der öffentlichen Ordnung schaden könnte: Belästigen, Betteln, Klauen, Kinder verführen - und möglicherweise ist er sogar Ausländer! Und Sepp, dem Alkohol sehr zugetan, will den Fremden einfach nur verjagen. Seiner dementen Mutter Hannah kommt die Rolle der weisen Närrin zu. Sie ist die einzige, die den Fremden als das erkennt, was er ist: ein Dichter.
Susann Fanieng demonstriert in Der Landstreicher leichtfüßige, literarische Souveränität und schenkt uns einen Text, der ebenso intelligent wie unterhaltsam ist.
Ich sah ihn am späten Nachmittag.
Er lümmelte auf seinem mit Flecken übersäten Rucksack am Tor zum Gemeindefriedhof, teilte mit einem Messer einen Apfel und nickte mir freundlich zu.
Ich war allerdings zu überrascht, um zu reagieren und stapfte... Kurzgeschichte lesen
Der Sturm von Susann Fanieng ist in einer düsteren, norddeutschen Inselwelt angesiedelt, die noch immer von Aberglauben und alten Totenriten bestimmt wird. Als im Haus der namenlosen Ich-Figur jemand stirbt, folgt sie wie selbstverständlich den alten Bräuchen, weil es eben das ist, was man tut: den Spiegel verhängen, die Uhr anhalten, die Seele des Toten aus dem Haus komplementieren.
Wer in diesem Haus gestorben ist, wissen wir noch nicht, und wir werden langsam zu der Erkenntnis hingeführt: Immer wieder will die Ich-Figur etwas tun – und tut es dann doch nicht. Sie will Tee kochen, das Haus verlassen, Kerzen anzünden, doch es kommt nie dazu. Sie wirkt wie weggetreten. Ist das der Schock?
Susann Fanieng gelingt es in Der Sturm, eine solch intensive, bedrückende Atmosphäre von Schock und Bedrohung zu erzeugen, dass wir uns lange genug von der Frage ablenken lassen, wer in diesem Haus gestorben ist und wessen Seele am Ende das Haus verlassen hat und gehen darf.
Als der Tod das erste Mal in meinem Haus Einzug hielt, erinnerte ich mich plötzlich all der sonderbaren Rituale, die auf unserer kleinen sturmgebeutelten Insel zwar müde belächelt, im Fall der Fälle aber von allen eingehalten wurden.
Und auch ich hielt... Kurzgeschichte lesen
Mit Tod in der Frühstückspension zeichnet Susann Fanieng, ein klassisches Krimiszenario. Es gibt einen Toten und einen geschlossenen Kreis von Verdächtigen. Außerdem haben wir, wie in dieser Art Krimi auch öfter zu finden, zwei Hobbyermittler – eine ältere Dame und ausgewiesene Krimileserin sowie unsere Hauptfigur, den Physiker Martin, der den Toten findet.
Das Ensemble mit insgesamt sieben Figuren – inklusive des Toten – ist für einen so kurzen Text umfangreich. Und alle bis auf den Toten bringen sich in den Dialog ein.
Trotz dieser Fülle gelingt es Susann Fanieng, die Figuren durch markante Eigenschaften – Krimileserin, wütender Mann, Physiker usw. – voneinander zu unterscheiden. Auch die Dialogführung lässt keinen Moment Zweifel darüber zu, wer gerade spricht.
Tod in der Frühstückspension beginnt als Persiflage auf den klassischen Closed-Room-Krimi mit angenehm trockenem Humor - und entwickelt sich gegen Ende zum Drama. Ein Übergang von einem Erzählton zu einem anderen kann heikel sein, gelingt Susann Fanieng hier jedoch ziemlich nahtlos.
Martin Kern hatte noch nie einen Toten gesehen. Dabei hatte er als Physiker schon viele ungewöhnliche Dinge gesehen, aber ein Toter war auch für ihn etwas Neues.
Damit hatte er in der kleinen Frühstückspension auf Amrum, wo er mit seiner Verlobten... Kurzgeschichte lesen