Wettbewerbs-Auszeichnungen

5. Platz im Genre-Wettbewerb 2026 - Eine Kiste voll verlorenes Glück

Urteil der Jury

In Eine Kiste voll verlorenes Glück nimmt Laura Manu uns mit auf Tims Rundgang durch das leere Haus, das er zusammen mit Hannah bewohnt hat. Anfangs denkt er, in Übereinstimmung mit dem Klischee des männlichen Versorgers, er hat sich abgestrampelt für den Traum vom Eigenheim, und jetzt hat Hannah vielleicht jemanden, der ihr all das bieten kann: Haus, Kinder, Auto. 
Bei seinem Rundgang stößt Tim auf Hannahs Schatzkiste. Es liegt nahe, dass sie diese nicht einfach ‚vergessen‘ hat, dazu war sie ihr zu wichtig. Es war eine bewusste Entscheidung, sie zurückzulassen. Während Tim Hannahs Schätze durchgeht, beginnen wir zusammen mit ihm langsam zu begreifen: Status, Erfolg, Materielles haben für Hannah keine Bedeutung. Es geht ihr um die kleinen Dinge - Weihnachten mit der Familie, ein gemeinsames Konzert, eine Verabredung, kleine Nachrichten. Es geht um Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Miteinander.
Für Tim und Hannah ist es in diesem Fall zu spät, das sagt uns Laura Manu schon mit dem Titel, in dem das Glück bereits verloren ist. 
Am Ende begreift Tim, dass er mit all seinen Dienstreisen, Überstunden und Absagen schon lange vor Hannah gegangen ist. Der Text strahlt eine melancholische Endgültigkeit aus, die traurig stimmt, aber er vermittelt auch Hoffnung, dass Tim es beim nächsten Mal besser machen wird. 

Eine Kiste voll verlorenes Glück:

„Ich komme gleich nach, geh schon mal vor!“, sagte Tim zu seinem Kumpel.
Mats nickte. „Lass dir Zeit. Wir sind unten.“
Das Geräusch der schließenden Tür hallte laut durch die leeren Räume. Er verzog das Gesicht, wandte sich ab. In der Tür zum Wohnzimmer... Kurzgeschichte lesen

Foto Laura Manu

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