Wettbewerbs-Auszeichnungen

2. Platz im Genre-Wettbewerb 2026 - Die Nacht gehört mir

Urteil der Jury

In Die Nacht gehört mir hat Michelle Chantale Richter das Thema Leben mit Leidenschaft von einer Seite angefasst, die sicher viele Schreibende kennen. Es geht ums Schreiben als Flucht, als Insel, als Einsein mit sich, als rettende Unterbrechung der Bodenlosigkeit eines Alltags, der niemals zur Ruhe kommt. Der Text lässt uns das Glück des kreativen Flow miterleben, das Eintauchen in das Strömen der Worte. 
Wenn die Ich-Erzählerin nachts auf dem Balkon sitzt und schreibt, und ein Laut aus dem Kinderzimmer sie aufhorchen lässt, ist das ebenso spannend wie in einem Thriller, wenn man sich bangend fragt, was wohl im Haus umgeht. Hier ist die Frage zwar nicht lebensbedrohlich, aber ebenso existenziell: Ruft jetzt mein Kind? Muss ich jetzt aufhören? Inklusive Adrenalinstoß und Herzklopfen. Intensiv ist auch der Moment, wenn früh am Morgen mit dem ersten Licht die profane Welt wieder in den heiligen Raum des Schreibens einbricht. 
Zeit fürs Schreiben findet sich oft nur in kleinsten Lücken, das kennen viele von uns. Michelle Chantale Richter macht mit Spannung und poetischer Sprache deutlich, dass das, was uns mit Leidenschaft erfüllt, wichtiger sein muss als genügend Schlaf. Das ist zwar nicht vernünftig, aber überlebenswichtig. Die Nacht gehört mir ist eine unmissverständliche Aufforderung zum Schreiben. Egal wie. 
 

Die Nacht gehört mir:

Ich schloss leise die Kinderzimmertür hinter mir und lauschte im Flur noch einmal in die Stille. Dieses vorsichtige Schweigen, bei dem ich nie ganz sicher war, ob es wirklich Schlaf bedeutete oder nur eine Pause zwischen zwei Rufen. Als nichts diese... Kurzgeschichte lesen

Foto Michelle Chantale Richter

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