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1. Preis

Silke Mahrt

für "Homeoffice"

Urteil der Jury:

Die Corona-Krise hat unser Leben für immer verändert. Für manche ist die Krise auch ein Katalysator, der bereits bestehende Mängel offenlegt, so wie in der Geschichte von Silke Mahrt. Sie greift eine Stunde aus dem Leben einer fünfköpfigen Familie heraus, also eine ganz klassische Kurzgeschichte: Ein Ort, eine Zeit, die ideale Erzähleinheit. Hier kann man sich ohne Zeit- und Ortswechsel auf die inneren Vorgänge konzentrieren, die durch die äußeren Vorgänge angedeutet werden. Charlotte ist die Familienmutter, der, obwohl ihr Mann ebenso wie sie, von zu Hause arbeitet, alle zusätzlichen Pflichten aufgebürdet werden: die sich streitenden Kinder, der Kleinste, der in die Hose macht, der Ehemann, der nach seinem Essen brüllt. Das alles ist so intensiv dargestellt, dass man als Leser unwillkürlich nach Luft schnappt.
Und dann die Pointe, die so überaus gelungen ist, weil sie ohne großes Drama auskommt: Charlotte geht vor die Tür, setzt sich auf die Treppenstufen und genießt einen Moment von scheinbarer Freiheit, einen kurzen Moment des Friedens. Dieser Kontrapunkt zu dem seitenlangen Stress vorher ist gleichzeitig realistisch und anrührend. So sind Menschen: Kurz Luft holen und weiter. Das ist sehr gut gesehen und eingefangen.

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2. Preis

Patrick Kühnel

für "Die Nachtseite meines Vaters"

Urteil der Jury:

Patrick Kühnel hat eine geheimnisvolle Erinnerung in Worte gefasst, auch hier wieder in der klassischen Art der amerikanischen Kurzgeschichte: Die äußeren Ereignisse lassen tiefere Vorgänge ahnen, ohne sie zu interpretieren und damit dem Leser das Ergebnis vorverdaut mitzuliefern. Der Erzähler erinnert sich an seinen Vater, der einen guten Job mit Geld und Ansehen aufgab, um als Nachtportier ein unauffälliges Dasein zu führen. Eines nachts weckt er seinen kleinen Sohn, um ihn mitzunehmen zu einem Abenteuer der Nacht. Und er zeigt seinem Sohn seine „Nachtseite“, die Seite seines Wesens, dir ihn dazu trieb, sich der umtriebigen Karrierewelt zu entziehen.
Die Geschichte ist so ruhig und klar erzählt, wie ein Nachthimmel voller Sterne. Und die Pointe lässt den Leser mit einer Frage zurück, über die er lange nachdenken wird.

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3. Preis

Micky Geisler

für "Fans"

Urteil der Jury:

Micky Geisler hat sich dem ewigen Thema: Eltern - Kinder gewidmet. Ihre Ich-Erzählerin ist ein Star geworden, Sängerin mit Limousine und Leibgarde, wie man sich es so vorstellt. Sie hat sich zum Begräbnis ihres Vaters fahren lassen, weil man das eben für gute Publicity tut. Sie bildet sich ein, keine Gefühle mehr für ihre Eltern zu haben, weil sie sie in ihrem Werdegang nicht unterstützt und niemals anerkannt hätten. Wie man sich denken kann, ist es ganz anders gewesen, aber um das zu zeigen, bedient sich die Autorin eines Tricks, der aus einem Fantasyroman stammen könnte. Das ist originell und gut deshalb, weil das Element nur der Geschichte dient. Das Ende ist dann wohl vorhersehbar, dennoch aber überraschend und äußerst wirkungsvoll.
In dieser Geschichte, die ebenfalls nur einen Ort und einen kurzen Zeitraum von höchstens einer Viertelstunde benötigt, steckt sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick zu verstehen meint. Ohne es auszusprechen, gelingt der Autorin mühelos der Sprung aus der Situation einer Einzelnen auf das große Ganze: Eltern und Kinder.

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4. Preis

Natalie Pfeiffer

für "Das nächtliche Geschenk"

Urteil der Jury:

Natalie Pfeiffer spielt in ihrer Geschichte mit Schein und Sein. Ihre zentrale und fast einzige Figur, „Tom“, macht einen nächtlichen Spaziergang zum Fluss. Wunderbare Beschreibungen ersetzen hier Action, immer wieder mit kleinen Handlungen verbunden, so dass sie nie zu lang werden. Die Beschreibungen dienen keinem Selbstzweck. In dem Moment, in dem man als Leser ahnt, wer oder was „Tom“ ist, versteht man auch, wie geschickt sie eingesetzt werden, um die speziellen Empfindungen der Hauptfigur zu zeigen.
Ganz kurz wird es dramatisch, jedoch begreift man, dass auch dies, eine lebensbedrohende Situation, zum Alltag der Figur gehört. Gekonnt spielt die Autorin mit Begriffen, um die Identität ihrer Figur so lange wie möglich zu verhüllen. Erst am Ende wird sie aufgedeckt. Eine ganz ruhige Geschichte aus einer beinahe heilen Welt. Ja, und auch die gibt es noch, zum Glück!

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5. Preis

Bianca Herzberg

für "Neuseeland, lass mich heim"

Urteil der Jury:

Eine weitere Geschichte um Corona, eine, die Hoffnung macht und zeigen will, dass Menschen auch zu spontaner Großzügigkeit in der Lage sind: Die Ich-Erzählerin sitzt bei Ausbruch der Corona-Krise auf dem Flughafen in Auckland, Neuseeland, fest, viele Flüge sind gestrichen. Die Erzählerin möchte nur zurück nach Deutschland, nach Hause, dorthin, wo jeder sich hin verkriechen möchte, wenn es schwierig wird.
„Heim“, schreibt Bianca Herzberg und drückt damit alles aus, was in dem Wort „heim“ oder „zu Hause“ so steckt. Alle, Passagiere und Flughafenpersonal sind gestresst und am Ende ihrer Kraft. Die Eltern in Deutschland begreifen die Schwere der Lage nicht, die Flughafenmitarbeiter sind nicht besonders hilfsbereit, das Geld ist alle. Da, ganz unerwartet, helfen völlig Fremde der Figur, ohne persönlichen Grund, ohne Sicherheiten, einfach aus Mitgefühl. Ein Hoffnungsschimmer und wohl ein tiefer Wunsch der Autorin: Mit Solidarität und Mitgefühl können wir es schaffen.

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