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1. Preis

Philip Lanio

für "Apokalypse"

Urteil der Jury:

Hunger, Tod und Krieg treffen sich. Pest fehlt noch. Doch der lässt auf sich warten, schließlich hat er gerade eine Pandemie zu bewältigen. Endlich trifft Pest ein, doch er hat noch jemanden mitgebracht: die Dummheit. Ein wichtiger neuer Partner. Und zusammen werden sie es nach vielen Anläufen ganz sicher schaffen, die Menschheit auszurotten.
Philip Lanio hat einen aktuellen Text geschrieben, der unter die Haut geht. Er ist zynisch und witzig zugleich. Er lässt die Leser/innen erkennen, wie Machtspielchen auf der Welt vor sich gehen und was es dazu braucht, alles Leben auf der Erde zu zerstören. Was für ein schrecklich realistischer Text, klug durchdacht, mit Dialogen, die die Leser/innen erheitert und erschrocken zugleich zurücklässt. Ein Text, der zeigt, dass das nahe Ende unwillkürlich droht, wenn wir Pest, Tod, Hunger, Krieg und vor allem die Dummheit nicht aus der Welt schaffen.

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2. Preis

Ricarda Linder

für "Gut oder böse?"

Urteil der Jury:

Eine Frau sitzt viele Tage neben dem Bett ihres todkranken Mannes. Sie betrachtet das Sonnenlicht und die tanzenden Partikel, die das Zimmer staubig aussehen lassen. Ihr Mann hat nicht mehr die Kraft, aus dem Strohhalm zu trinken, direkt aus dem Glas klappt es. Er schläft ein, wacht nicht mehr auf.
Ricarda Linder hat eine Geschichte geschrieben, in der die Wendung leise und schleichend kommt, wie der Tod. Zuerst erscheint die Ich-Figur wie eine liebende Ehefrau. Aber sie ist es, die ihrem Mann die tödliche Dosis verabreicht hat. Sie hat seine unkontrollierten Wutausbrüche zu lange ertragen. Sie hat ihn getötet. Ist sie nun gut oder böse?, fragt sie sich. Eine Frage, die sich die Leser auch stellen. Doch die Frage bleibt offen. Aber eines ist sicher: Die Frau ist jetzt endlich frei.
Ein Text, der die Leser noch lange beschäftigen wird, ein spannender Text, realitätsnah und unter die Haut gehend.

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3. Preis

Angelika Eschbach-Rambow

für "Die Ermordung des Salvatore"

Urteil der Jury:

Ein Pastor ist mit einer Lilie auf dem Weg zur Wohnung seiner Liebsten, die seit vielen Jahren einmal wieder in der Stadt ist. Hemma ist Künstlerin, hat eine Ausstellung, aber er wagt nicht, sich ihr zu nähern. Der Pastor stolpert über etwas Großes, eine Rolle vielleicht, legt die Lilie vor der Wohnungstür ab und verschwindet wieder. Am nächsten Tag erfährt er, dass der Manager Hemmas vor deren Wohnung gefunden wurde – tot. Und er, der Pastor war am Tatort.
Angelika Eschbach-Rambow ist eine witzige und gut durchdachte Geschichte gelungen! Die Angst des Pastors als möglicher Täter entlarvt zu werden, lässt ihn völlig abstrus handeln. Er entsorgt seine Schuhe, überlegt, wie er seine Fingerabdrücke am Geländer entfernen könnte ... Angelika Eschbach-Rambows Text zeigt, dass nichts ist, wie es scheint. Und das zeigt die Autorin auf köstliche Art und Weise, die das Lesen des Textes zu einem Vergnügen macht.

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4. Preis

Annette Willsch

für "Der Verdacht"

Urteil der Jury:

Marcella, das Au-Pair-Mädchen, verschwindet, als die Ich-Figur ein kleines Mädchen war. Am Abend zuvor hat sie beobachtet, wie Marcella sich unter dem Arm ihres Großvaters hindurch duckte und er hat sie oft so komisch angeschaut. Hat ihr Großvater etwas mit dem Verschwinden Marcellas zu tun? Sie wendet sich ab von Großvater, will nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Jahre später wird die Leiche Marcellas gefunden und ein Taxifahrer als Mörder entlarvt. Ihr Großvater war kein Mörder. Welche Erleichterung. Aber dann kommen neue Gedanken: Ist Marcella wegen des Großvaters geflüchtet? Die Aussage von Annette Willschs Geschichte ist: Nur reden bringt die Wahrheit. Grübeln und Schuld zuschieben, ohne über das Geschehene zu reden, ist der falsche Weg.
Die Spannung des Textes liegt darin, wie die Autorin die Geschichte aufbaut. Das Verschwinden des Mädchens wird erst viele Jahre später als Mord entlarvt, ein Mord, an dem vielleicht nicht nur der Mörder beteiligt ist.
Ein schrecklich realistischer Text, der an der Seele nagt, der aber auch Mut macht. Es ist nie zu spät miteinander zu reden, um die Wahrheit herauszufinden.

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5. Preis

Sara Pompa

für "Der Künstler"

Urteil der Jury:

Die Ich-Figur, ein Maler, sitzt auf einer Parkbank und zeichnet eine junge Frau, die ihm gegenüber sitzt. Schon seit Tagen beobachtet er diesen Engel, diese perfekte Schönheit, die ihn mit ihrer blassen Haut, den hohen Wangenknochen und dem weißen Rüschchenkleid völlig fasziniert. Er weiß, wie er sich ihr nähern kann, denn sie ist nicht die erste, die er in seinem Keller festgehalten und getötet hat.
Sara Pompa hat das Portrait eines Mörders geschaffen. Ein Mörder, der sich seinen Opfern auf sympathische Weise annähert und durch seine Liebeswürdigkeit überrumpelt. Die Spannung wächst in diesem Text, weil wir die Szene durch die Augen der Bestie sehen. Wird er es schaffen, sie zu überreden, mit ihm zu kommen? Die Leser wünschen der jungen Frau, dass sie die Bestie erkennt, aber sie ist zu naiv, zu geschmeichelt über die hübschen Zeichnungen. Und schnell erkennen wir uns selbst in der Figur der jungen Frau, die sich nur zu gern um den Finger wickeln lässt. Eine gekonnte psychologische Studie beider Figuren.

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