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1. Preis

Franka G. Emmerich

für "Fallout"

Urteil der Jury:

Zu Beginn dieser Geschichte glaubt man, sich in einer etwas verrückten Postapokalypse zu befinden, in einer Zeit nach einem mysteriösen Fallout. Bald wird jedoch deutlich, dieser Untergang ist ganz und gar individuell; er gehört zu Eisenhart, einem alten Mann im Rollstuhl, der von seiner Familie ausgeführt wird.
Der Autorin gelingt es, dem Leser Eisenharts Sicht auf die Welt zu zeigen und im Subtext zugleich die Alltäglichkeit der Vorgänge aufscheinen zu lassen: Waldspaziergang, Kuchen essen, Tierfilme schauen. Eisenhart ist sich seines Verfalls bewusst, doch er glaubt, das alles ist Ergebnis einer Verschwörung. Begreift Eisenhart am Ende, dass er stirbt? Das bleibt offen. Immerhin ist er letztlich glücklich. Fallout ist erzähltechnisch anspruchsvoll, und Franka G. Emmerichs Geschichte besticht durch vergnüglichen Alterszynismus ebenso wie durch emotionale Intensität.

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2. Preis

Anna J. Stone

für "Die Mauer"

Urteil der Jury:

In dieser Geschichte leben die Menschen in einer geschlossenen Welt hinter einer vermeintlich schützenden Mauer. Kinder zu bekommen, ist nur mit Genehmigung möglich. Elise – eine alte Frau und letzte Überlebende aus der Welt jenseits der Mauer – wird vor die Herausforderung gestellt, einem jungen Paar zu helfen, dass illegal ein Kind bekommen hat. Soll sie weiter den Kopf in den Sand stecken und für den Rest ihres Lebens gute Miene zum bösen Spiel machen? Die Handlung endet mit Elises Aufbruch und könnte somit auch der Beginn einer längeren Geschichte sein. Ebenso gut kann es auch an diesem Punkt enden, denn Elises innerer Konflikt ist gelöst: Sie erweist sich als Heldin und wählt den richtigen statt den einfachen Weg. Abgesehen davon, dass das spannend erzählt ist, gelingt es Anna J. Stone, auf engem Raum und ohne Infodumping, eine Welt zu erschaffen. Obwohl man nur wenig von diesseits und jenseits der Mauer erfährt, fühlt diese Welt sich bereits nach drei Seiten wirklich an.

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3. Preis

Theresa Nickl

für "Unterwegs"

Urteil der Jury:

Theresa Nickl beschreibt in dieser Geschichte den Beginn einer amour fou, einer wilden, verrückten Liebesgeschichte. Interessant ist dabei die Ambivalenz der Figuren. Mia vergewissert sich, dass Paul, der Ich-Erzähler, kein Psychopath ist oder übergriffig wird, bevor sie mit ihm zum Bahnhof und dann auch in seine Heimatstadt fährt. Paul hingegen gabelt mit Mia eine junge Frau auf, die vermutlich heimatlos durch die Welt treibt und bestimmt schon Einiges erlebt hat. Man kann nicht ganz sicher sein, ob sie einfach Anschluss sucht, ob dies der Beginn einer großen Liebe ist – oder ob sie vielleicht die femme fatale ist, die Paul ins Unglück stürzt. Gerade diese Offenheit sowie die temporeichen, auf den Punkt geschriebenen Dialoge geben dieser Geschichte ihren Reiz. Die Zeilen knistern vor Spannung – sowohl zwischen Mia und Paul als auch im Hinblick auf die Frage: Ist einer von beiden ein Psychopath und gefährlich?

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4. Preis

Birgit Schöder

für "Der Duft von Orangen"

Urteil der Jury:

Birgit Schöder erzählt mit angenehmer Leichtigkeit von der Begegnung mit einer faszinierenden Frau. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Wir erfahren: Letzte Nacht hat die Hauptfigur – vielleicht – eine tolle Frau aufgegabelt, sie kann sich aber nicht mehr erinnern, was im Detail passiert ist. Ist es zum Sex gekommen? Hat sie irgendwo die Telefonnummer dieser Traumfrau? Oder war das alles nur Fantasie? Während des Lesens ist man sich zunächst nicht bewusst, dass man an keiner Stelle erfährt, wer die Hauptfigur eigentlich ist. Die meisten Leserinnen werden vermutlich von einem Mann ausgehen, der selten bei Frauen landet, weil er „anders“ ist. Erst ganz am Ende begreift man: Es geht hier um eine Ich-Erzählerin, eine Frau. So wird man auf die eigenen, unreflektierten Erwartungen gestoßen und erlebt zugleich mit: Liebe ist Liebe, mit all den Zweifeln, Hoffnungen und Konflikten, die nun einmal dazu gehören. 

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5. Preis

Susanne Hencken

für "Hakuna Matata"

Urteil der Jury:

„Hakuna Matata“ ist eine Wendung, die in ganz Afrika benutzt wird. Sie bedeutet übersetzt in etwa „alles in bester Ordnung“. Fofona hat sich voller Hoffnung auf ein Leben ohne Perspektivlosigkeit und Armut auf den Marsch durch die Wüste begeben und es bis nach Deutschland geschafft. Dort sitzt er jetzt chancen- und heimatlos in einer Asylunterkunft fest. Er ist einsam, desillusioniert und verzweifelt, doch seine Familie daheim soll das nicht wissen. Für sie tut er so, als gäbe es keine Probleme.

Die Stärke dieses Textes: Er erzeugt Empathie. Susanne Hencken gelingt es, dass man Fofonas Verzweiflung spüren kann. Durch das gemeinsame Kochen in der Asylunterkunft holt er ein winziges Stück Heimat zu sich; am Ende des Textes haben wir also einen kleinen, hellen Moment, durch den man zugleich besonders deutlich spürt: Wirklich gar nichts ist "in bester Ordnung".

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